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Handball-Nationalmannschaft : Wie aus den Bad Boys Männer werden sollen

  • -Aktualisiert am

Der neue Handball-Bundestrainer Prokop steht vor seinem ersten Pflichtspieldebüt. Bild: dpa

Für den neuen Handball-Bundestrainer Prokop beginnt in Slowenien die Pflicht – und die Gestaltung der Zukunft. Vor seiner Premiere in der EM-Qualifikation hat er vor allem mit einem Problem zu kämpfen.

          Jetzt zählt es für Christian Prokop. Den neuen Handball-Bundestrainer, der an diesem Mittwoch (20.00 Uhr / Live bei Sport1) in Slowenien vor seiner Pflichtspielpremiere steht. Und auf den gleich in der EM-Qualifikation im Duell mit dem Weltmeisterschaftsdritten eine sehr anspruchsvolle Aufgabe zukommt. Wie groß ist also der Druck beim Start in die neue Zeitrechnung? Verspürt er eine besondere Anspannung vor dem Härtetest?

          Die Fragen an ihn bei einem Gespräch in Frankfurt wiederholten sich. Und auch die Antworten von Prokop hatten immer den gleichen Inhalt. „Es sollte nicht um den neuen Bundestrainer gehen oder mich allein“, sagte er. „Wir wollen als Mannschaft erfolgreich spielen.“ Ihm behagte es nicht, vor seiner Feuertaufe in den Mittelpunkt gerückt zu werden. Doch im Fokus steht nun mal Prokop. Einen kleinen Einblick in seine Gefühlswelt gestattete er dann doch, er berichtete von einem „positiven Kribbeln“ bei sich.

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          Als der 38-Jährige Anfang Februar offiziell neuer Bundestrainer wurde, sagte Bob Hanning, der Vizepräsident des Deutschen Handballbundes (DHB), dass Prokops erfolgreicher Vorgänger Dagur Sigurdsson „die Eisenbahn auf die Schienen gesetzt“ habe. „Jetzt trauen wir Christian Prokop zu, das Ganze sportlich weiterzuführen.“ In Ljubljana kann der neue Mann auf dem Führerstand mit dem Nationalteam die ersten Weichen in eine positive Zukunft stellen. Der Europameister Deutschland trifft vor 12.500 Zuschauern auf die spielstarken Slowenen – für Prokop ist dies das „Gradmesserduell“.

          Sein Team, der unbesiegte Tabellenführer der Gruppe 5 mit 4:0 Punkten, bekommt es mit dem härtesten Verfolger zu tun. „Man kann uns nicht als absoluten Favoriten sehen. Das wäre falsch“, sagte Prokop. Große Töne schlägt der Neuling unter den Nationaltrainern nicht an. Würde der Titelverteidiger jedoch beide Begegnungen – an diesem Samstag in Halle/Westfalen kommt es zum zweiten Aufeinandertreffen – gewinnen, hätten die Deutschen die Qualifikation für die EM-Endrunde 2018 in Kroatien bereits geschafft.

          Noch ist Prokop auch Bundesliga-Coach in Leipzig. Sein Vertrag mit dem DHB beginnt offiziell erst am 1. Juli dieses Jahres. Für seine Doppelbelastung erhielt der Familienvater die Freigabe von den Leipzigern. Zum ersten Mal zahlt der DHB eine Ablösesumme, sie soll 500.000 Euro betragen. Der seiner Arbeit beigemessene Wert ehrt Prokop, es sei ein „großer Vertrauensvorschuss“, sagte er. „Und eine große Bürde, die ich tragen werde.“

          Deutschland will der gebürtige Köthener, der noch keine internationale Erfahrung vorweisen kann, in der Weltspitze „etablieren. Und dafür brauche ich ein bisschen Zeit.“ Vor der Begegnung in Slowenien blieb ihm, der die Zukunft für sich sprechen lassen will, jedoch kaum Zeit zur Vorbereitung. In Frankfurt gab es zwei Trainingseinheiten und ein Videostudium im Besprechungsraum.

          Einzelgespräche mit den Spielern führte Prokop noch nicht. „Meine eigenen Konzepte und Vorstellungen werden hintangestellt.“ Der Bundestrainer wird erst einmal „auf Altbewährtes“ zurückgreifen und keine Experimente machen. Grundsätzlich sei es aber schon sein Anspruch, das Spiel „taktisch immer wieder modern weiterzuentwickeln und attraktiver zu machen“. Sein Personal ist das gleiche wie bei Sigurdsson.

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          Als Leitwolf des Teams fungiert auch in Zukunft Kapitän Uwe Gensheimer, der Weltklasse-Linksaußen vom französischen Topklub Paris Saint-Germain, der aktuell mit 106 Toren der beste Schütze der Champions League ist. „Er hat Ausstrahlung, einen riesigen Erfahrungsschatz und gibt der Mannschaft mit ihren vielen jungen Spielern Ruhe“, sagte Prokop. Seine Identität soll sich das Nationalteam bewahren. „Vorerst bleiben wir die Bad Boys. Das passt zu uns“, sagte er. „Mit der Zeit und mehr gesammelter Erfahrung hoffe ich, dass dann Männer aus den Boys werden.“

          Prokop ist extrem ehrgeizig. Seine Spielerkarriere hatte er früh aufgrund einer Knieverletzung beenden müssen. Trotz mehrerer Operationen und eisernen Willens schaffte er es nicht, von Rechts- auf Linkshänder umzuschulen. Die Liebe zum Handball ist nie erloschen. Für Prokop ist die Sportart „viel mehr als ein Beruf“.

          Quelle: F.A.Z.

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