14.04.2005 · Florian Schwarthoff soll für den DLV Brücken zwischen Präsidium und Athleten bauen. Als "Präsidiums-Beauftragter für Athletenfragen" muß der frühere Hürdensprinter dafür beim DLV-Verbandstag nicht einmal gewählt werden.
Von Hans-Joachim WaldbrölDrei Anläufe, um als Sportfunktionär nun endlich ins Rennen zu kommen: So viele Versuche wären einem aktiven Hürdensprinter Florian Schwarthoff heutzutage nicht mehr vergönnt. Strenge Regeln stehen Leichtathleten demnächst wohl schon nach dem ersten Fehlstart wie ein unüberwindliches Hindernis im Weg. In der Sportpolitik geht's für ihn ein bißchen großzügiger zu - zumal Schwarthoff beim ersten Versuch auf der Funktionärs-Laufbahn ja völlig unverschuldet scheiterte: Der Olympiadritte von Atlanta 1996 verpaßte während der Sommerspiele 2004 in Athen bei den Athletenwahlen fürs Internationale Olympische Komitee (IOC) als Neunter nur knapp den Sprung ins Finalfeld der besten Acht; von denen letztlich vier Sportler in die Weltregierung des Sports aufstiegen.
Startversuch Nummer zwei brach Schwarthoff im nacholympischen Winter allerdings selbst ab. Von der Vorstellung, sich künftig als Vizepräsident des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV) um den maladen Leistungssport zu kümmern, schien er zunächst zwar ganz angetan; doch dann sagte er dem heftig um seine Mitarbeit werbenden DLV-Präsidenten Clemens Prokop schließlich ab: "Zu Anfang meiner beruflichen Entwicklung wäre ich für diesen Job wohl doch nicht der richtige Mann gewesen."
Vom Präsidium beauftragt
Als in der Baubranche schon halbwegs gemachter Zwei-Meter-Mann tritt Florian Schwarthoff am Wochenende zum dritten Mal auf sportpolitischem Terrain an; ohne großes Risiko einer Niederlage. Denn der "Präsidiums-Beauftragte für Athletenfragen" muß beim DLV-Verbandstag im niederrheinischen Wallfahrtsort Kevelaer nicht gewählt werden. Er wird, wie der Name schon sagt, von einem Präsidium beauftragt, das Prokop wohl wieder, in seiner zweiten Amtsperiode, leiten wird.
Der 48 Jahre alte Jurist hat sich während der vergangenen Monate mit einigem Nachdruck darum bemüht, jugendlichen Schwung in die Verbandsführung zu bringen. Zum einen gezwungenermaßen: Der gerade 70 Jahre alt gewordene Vizepräsident Theo Rous möchte nicht mehr antreten, der bald 60jährige Stellvertreter Rüdiger Nickel war nach dem schwachen Abschneiden der deutschen Leichtathleten in Athen zurückgetreten. Wenngleich für den ersten Ersatzmann des Präsidenten mit dem Fernsehmoderator Werner Zimmer nicht gerade ein Jungspund gewonnen werden konnte, der allmählich auch schon auf die Siebzig zugeht, wird sich für den zweiten Rückzieher demnächst der Sportwissenschaftler Eike Emrich, ein Jahr jünger als Prokop, um den Leistungssport kümmern - unter anderen gemeinsam mit Schwarthoff, der Anfang Mai 37 Jahre alt wird.
In der Branche kann der seinerzeit längste Hürdensprinter von Weltklasse bleiben, wenn er seinen zweiten, diesmal politischen Spagat zwischen Beruf und Sport macht. Für seinen Berliner Arbeitgeber entwirft und errichtet Architekt Schwarthoff Sportstätten; beteiligt ist er zum Beispiel am WM-Projekt Frankfurter Waldstadion und am Bau von vier Sportanlagen in Dubai am Persischen Golf. Für den DLV soll - und will - er Brücken bauen: zwischen Präsidium und Athleten.
Bindeglied
Daß Schwarthoff sich, nachdem seine internationalen olympischen Ambitionen im letzten August beschnitten worden waren, geziert hat, das erste sportpolitische Angebot der deutschen Leichtathletik anzunehmen - diesen Vorwurf der Eitelkeit läßt er sich nicht gefallen: "Es war sicher nicht so, daß es mir besser gefallen hätte, in der Weltgeschichte herumzureisen. Nur hätte die IOC-Aufgabe eben in meinen beruflichen Zeitrahmen gepaßt." Der arbeitsintensive Einsatz als DLV-Vizepräsident für Leistungssport nicht. Auch Prokop, der zunächst enttäuscht war, sieht das inzwischen so: "Für unsere strategische und trainingsmethodische Neuausrichtung wäre der Florian zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht der richtige Mann."
Den hat der DLV in Emrich gefunden, glaubt Schwarthoff. Er weiß genau, daß er damit, zwei Jahre nach seinem Rücktritt vom Leistungssport, endgültig die Seite wechselt: "Ich sehe die Notwendigkeit, die Zusammenarbeit zwischen Funktionären und Sportlern zu verbessern. Und ich fühle mich als Bindeglied - von Verbandsseite aus." Den Kontakt zur Basis darf der Präsidiums-Beauftragte natürlich nicht verlieren. Die noch frische und feste Basis der Athleten unter den Füßen, sollte es dem klugen Kopf gelingen: "Mit den Aktivensprechern Andrea Zircke und Peter Blank werde ich das schon hinkriegen." Das sagt Florian Schwarthoff im Bewußtsein seiner großen Akzeptanz - und ohne jede Arroganz.