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Deutsche Schwimmer Selbstbewusst in die letzte Anzug-WM

26.07.2009 ·  Munter, locker, entspannt: Der Stimmungsumschwung bei den deutschen Schwimmern hat auch mit dem Material zu tun. Die Kleiderordnung hat längst eine psychologische Dimension erreicht. Dabei fallen auch Begriffe wie Verschwörung.

Von Bernd Steinle, Rom
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Britta Steffen war wie ausgewechselt. Munter, locker, entspannt, selbstbewusst. Eigentlich ganz so, wie man sonst immer die amerikanischen oder die australischen Schwimmer vor großen Titelkämpfen erlebt. Der Gegensatz hätte kaum größer sein können zu der Britta Steffen bei den Olympischen Spielen in Peking. Damals schien sie zu Beginn angespannt bis ins Innerste, verschlossen und versunken in ihre eigene Welt, schier erdrückt von der Last, gegen die besten Freistilsprinterinnen der Welt bestehen zu müssen.

Und nun, bei der WM in Rom? „Ich gehe da frei ran, habe Spaß dran, ich freue mich, auf tolle sportliche Gegnerinnen wie Marleen Veldhuis oder Lisbeth Trickett zu treffen“, sagt Britta Steffen. Der bemerkenswerte Stimmungsumschwung hat nicht nur die Olympiasiegerin erfasst. Paul Biedermann, Marco Koch, Daniela Samulski - sie alle treten in Rom auffallend positiv gestimmt auf. Und das trotz des mageren Abschneidens der deutschen Schwimmer in Peking, als einzig Britta Steffen und Paul Biedermann Finalläufe in Einzelwettbewerben erreichten.

Was ist passiert im Team des Deutschen Schwimm-Verbands (DSV)? „Die Aufbruchstimmung war schon bei den deutschen Meisterschaften in Berlin erkennbar“, sagt Bundestrainer Dirk Lange. Die Basis dafür hätten die Athleten selbst gelegt - mit ihren Leistungen, mit den Zeiten, die sie schwammen. „Die Leute, die hier für uns am Start sind, hätten sich mit diesen Zeiten in acht von zehn Nationen für die WM qualifiziert“, sagt Lange. Es ist eine Art psychologischer Elite-Effekt, der da mitschwingt: Wer diese harten WM-Normen des DSV geschafft hat, so die Rechnung, hat allen Grund, selbstbewusst zu sein.

Ein Niederländer wittert gar eine Anzug-Verschwörung

Die große Unbekannte in dieser Rechnung ist Lange freilich nicht verborgen geblieben - die Konkurrenz. Schließlich sind die Deutschen nicht die Einzigen, die sich die jüngsten Segnungen der Materialentwicklung zunutze machen. „Im Teamhotel“, sagt Lange, „haben uns die Schweizer und die Südafrikaner auch schon von ihren guten Trainingsleistungen berichtet.“ Wegen der kollektiven Beschleunigung durch die neuen Schwimmanzüge, die Wasserlage und Gleiteigenschaften deutlich verbessern und die von Januar 2010 an deshalb nicht mehr erlaubt sein werden (siehe auch: Zurück zu den Ursprüngen: Anzüge künftig ohne Kunststoffe), ist es vor dieser WM so schwer wie selten zuvor, die eigene Leistung im internationalen Vergleich einzuschätzen.

Auch das ist ein Grund, warum die Debatte in den Tagen vor dem Start der Schwimmwettbewerbe am Sonntag zum Teil bizarre Züge annimmt. Bei der Pressekonferenz der britischen Schwimmer, deren offizieller Partner Speedo als einer der Verlierer der Anzugentwicklung gilt, verbat man sich jegliche Frage zu dem Thema - aus „Respekt vor der Leistung der Schwimmer“, wie es hieß.

Ein niederländischer Journalist witterte gar eine innerdeutsche Verschwörung zwischen dem DSV und Adidas. Er fragte Britta Steffen, ob es fair sei, dass ihre Rivalin Marleen Veldhuis einen der Hydrofoil-Anzüge wollte, in dem die Berlinerin ihren 100-Meter-Freistil-Weltrekord geschwommen war, aber bisher keinen bekommen habe - weil es nicht genug gebe, so offenbar die Auskunft des Herstellers.

Die Fina hat die neuen Anzüge erst kurzfristig zugelassen

„Das ist vor allem ein Problem der Fina“, erwiderte die Berlinerin. Die habe den Anzug so kurzfristig zugelassen, dass sie als Adidas-Athletin selbst froh sein musste, genug Exemplare für die WM-Woche zur Verfügung zu haben. Tatsächlich hatte die Fina in ihrem umstrittenen Last-Minute-Beschluss verfügt, jeder Anzug müsse für jeden Athleten erhältlich sein - zumindest theoretisch. Bundestrainer Lange verwahrte sich dagegen, Britta Steffen nun daraus einen Vorwurf zu machen, dass sie einen guten Ausrüster habe.

„Wer hat sich denn für die deutschen Schwimmer interessiert, als die Entwicklung an ihnen vorbeigegangen war?“, fragte er. Schließlich hatte ausgerechnet Adidas Ende vergangenen Jahres den Ausrüstervertrag mit dem DSV gekündigt - wegen fortgesetzten Nörgelns der Athleten über die Qualität der Anzüge. So mahnte Lange nun, man solle niemanden „in die Dopingecke schieben“, nur weil er legitimes Material nutze. Alle anderen täten es schließlich auch.

Dirk Lange: „Der Kampf um Rom kann beginnen“

Das Hin und Her zeigt vor allem eins: die psychologische Tragweite, die die Anzugdebatte bei der WM angenommen hat. Nur die Australier scheinen die Sache gelassen zu verfolgen. Er sei wegen des Schwimmsports nach Rom gekommen, nicht wegen einer Modenschau, sagte Cheftrainer Alan Thompson. Und Britta Steffens Konkurrentin Lisbeth Trickett ließ verlauten, sie bleibe bei ihrem Speedo-Anzug - komme, was wolle. Was der Berlinerin Respekt abnötigte: „Sie bleibt loyal gegenüber ihrem Sponsor, viele andere sind umgefallen wie die Fliegen.“ Auch wenn das nun eine „komische Sache“ sei, so Britta Steffen: „Ich weiß, ich habe den für mich besseren Anzug, das macht schon nicht so viel Spaß.“

So oder so: Die DSV-Athleten gehen offenbar gut vorbereitet in die Ausnahme-WM 2009, mit Hilfe auch der freien Anzugwahl. Nun gilt es, anders als in Peking, das Selbstbewusstsein im Wettkampf zu bestätigen. Dirk Lange ist nach den in der Vorbereitung in Ravenna geschwommenen Trainingszeiten auch da optimistisch: „Der Kampf um Rom“, sagt er, „kann beginnen.“

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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