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Deutsche Radprofis über Armstrong „Nicht von sich auf andere schließen“

Nach und nach beziehen aktive deutsche Radprofis Stellung zu Armstrongs Dopingbeichte: Für Greipel war der Auftritt „nur eine Show“. Auf eine Trendwende hofft Kittel. Und Knees verweist auf einen Mentalitätswechsel im Peloton.

© picture alliance / dpa „Saubere Leistung“: Christian Knees über seinen 20. Platz bei der Tour de France 2009

„Ein weiterer Held meiner Jugend hat ausgepackt und, wie wir jetzt definitiv wissen, seine Karriere auf einem Fundament von Lügen aufgebaut“, schreibt Christian Knees auf seiner Homepage über Lance Armstrongs Dopingbeichte bei Talkmasterin Oprah Winfrey. Knees ist beim britischen Team „Sky“ unter Vertrag und Mannschaftskollege von Tour-de-France-Sieger Bradley Wiggins. 2010 war der 31 Jahre alte Radprofi Deutscher Meister.

Im Gegensatz zu Dopingsünder Alberto Contador, der vor dem Start der Tour-de-San-Luis in Argentinien auf einer Pressekonferenz erklärte, das Thema Armstrong solle ein für alle mal geschlossen werden, spricht sich Knees für eine lückenlose Aufarbeitung der dopingverseuchten Radsportjahre aus. Er halte „es für sehr wichtig, sich dem nicht zu verschließen und auch weiterhin alle Anstrengungen auf uns zu nehmen, aus der Vergangenheit zu lernen und die Zukunft zum Guten zu verändern“.

„Radsport auf einem hoffnungsvollen Weg“

Laut Knees habe sich der Radsport in den vergangenen Jahren grundlegend gewandelt. „Inzwischen hat sich viel getan hat und der Radsport befindet sich meiner Meinung nach auf einem hoffnungsvollen Weg.“ Er macht das an verbesserten Kontrollverfahren, häufigeren Kontrollen, der Einführung des Biologischen Passes und einem Meldesystem fest, wonach die Fahrer zu jeder Zeit ihren Aufenthaltsort mitteilen müssen. Zwar seien einige der Kontrollmechanismen ein massiver Eingriff in die Privatsphäre, „verhindern aber eben auch, dass man wie in der Vergangenheit à la Armstrong abtauchen kann“, so Knees.

Zur Fahrergeneration Armstrongs, die gerne auch als „Generation Epo“ bezeichnet wird, geht Knees auf Distanz. Die Aussage des Amerikaners, wonach nahezu das gesamte Peloton gedopt gewesen sei, kritisiert er scharf: „Man soll nicht immer von sich auf andere schließen.“ Knees sieht seine eigenen Leistung als Beweis dafür: „Mein bestes Ergebnis bei einer Tour de France war Platz 20 im Jahr 2009 - und ich kann reinen Gewissens erklären, dass dies eine `saubere Leistung` war!“

„Kampf gegen Betrug“ weiter fortsetzen

Ähnlich wie Knees äußerten sich in den vergangenen Tagen schon andere deutsche Radprofis. Der zweifache Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin bezeichnete Armstrongs Beichte als „emotionslos und kalkuliert“. „Wenn man bedenkt, dass er dafür mit Sicherheit auch noch eine Menge Geld kassiert hat, wird einem ganz anders“, sagte Martin gegenüber „Sport Bild“. Auf eine Trendwende im Radsport hofft auch Sprinter Marcel Kittel vom Team Argos-Shimano, der momentan die Tour-Down-Under in Australien fährt. „Lance Armstrong war letzten Endes nicht der böse Mensch im Radsport, sondern Teil einer Kultur, die sich entwickelt hat. Es muss das große Ziel im Radsport sein, das zu ändern“, sagte der 24-Jährige.

Für den Tour-de-France-Etappensieger André Greipel hat Lance Armstrongs Beichte nur wenig Neues über die Dopingkultur im Radsport verraten: „Wenn keine anderen Namen fallen, ist es einfach eine Show, die dort gemacht wurde.“ Greipel, der wie Knees die Australien Tour bestreitet und die beiden ersten Etappen gewinnen konnte, hatte dopende Fahrer im Oktober als „Betrüger“ bezeichnet, nachdem die Ermittlungen gegen Armstrong durch die Amerikanische Anti-Doping-Agentur Usada bekannt geworden waren. „Deswegen bin ich der Meinung, dass der Kampf gegen den Betrug und den ergaunerten Erfolg unbedingt weiter fortgesetzt werden muss!“, sagte Greipel.

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Quelle: FAZ.NET

 
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