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Basketball-EM : Aus der Traum

Nach langer Führung unterlag das Team von Chris Fleming dem favorisierten Titelverteidiger mit 72:84. Bild: Reuters

Die deutschen Basketballer müssen sich dem Titelverteidiger Spanien geschlagen geben. Lange hatten sie eine starke Leistung gezeigt. Für den Bundestrainer heißt es Abschied nehmen.

          Mit einem Versprechen und einer bitteren Erkenntnis verlässt die deutsche Nationalmannschaft die Basketball-Europameisterschaft in Istanbul. Bei der 72:84-Niederlage im Viertelfinale gegen Spanien am Dienstagabend vor nicht einmal 2000 Zuschauern zeigte die Mannschaft um Dennis Schröder abermals, dass sie die Möglichkeit hat, auch Mannschaften wie den dreimaligen Europameister zu besiegen. Drei Viertel lang hielt sie mit dem Favoriten mit, für den sieben Spieler aus der NBA im Einsatz waren und führte nach einem 7:0 in den ersten Minuten sogar mit bis zu neun Punkten Vorsprung.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Doch noch ist das Team offenkundig nicht so weit. Schröder, der 23 Jahre alte Aufbauspieler der Atlanta Hawks und Anführer des Teams, erzielte 27 Punkte und setzte seine Mitspieler klug ein, wie acht Assists beweisen. Doch weil er zwar bei drei von vier Distanzwürfen traf, der Rest der Mannschaft aber bei 18 Versuchen nicht mehr drei Dreier erzielte als Schröder allein, brach die deutsche Mannschaft im dritten Drittel geradezu ein.

          Die Spanier hatten in den Brüdern Gasol überragende Protagonisten. Sie erzielten 47 der 84 Punkte: 28 (plus 10 Rebounds und vier Assists) der 2,16 Meter lange Marc Gasol von dem Memphis Grizzlies, 19 sein älterer, 2,13 Meter langer Bruder Pau, der mit den Los Angeles Lakers zwei Mal Champion der NBA war. Beide waren die tragenden Spieler beim Gewinn der Weltmeisterschaft ihres Teams 2006 und der Europameisterschaft 2009 und 2011; Marc Gasol pausierte, als Spanien vor zwei Jahren zum dritten Mal Europameister wurde.

          Die Deutschen, mit im Schnitt 24,6 Jahren das jüngste Team der EM, können schon im November wieder zeigen, was in ihnen steckt. Dann beginnt die Qualifikation für die Weltmeisterschaft, für die allerdings Spieler wie Schröder und Daniel Theis (15 Punkte, 4 Rebounds) von der NBA nicht freigegeben werden. Eine der schönsten Szenen hatte die deutsche Mannschaft, als Schröder bei einem Tempo-Gegenstoß anderthalb Minuten vor der Halbzeitpause den Ball in der Luft nach rechts abspielte und Theis mit einem Dunk abschloss (29:32).

          Neunzig Sekunden später unterband Schröder den letzten Angriff der ersten Hälfte mit dem letzten straflosen Foul seines Teams – die Spanier konnten ihren Vorsprung von nur einem Punkt (33:34) nicht vergrößern. Schröders Punkte waren längst nicht alles, was ihm und seinem Team Hoffnung auf mehr machen kann. Der junge Profi, der an diesem Freitag 24 Jahre alt wird, bestimmte das Tempo des Spiels und riss seine Mitspieler mit. Obwohl die Spanier einen deutlichen Größenvorteil besaßen und damit die Lufthoheit an den Körben, hob Schröder sein Team lange auf Augenhöhe. Allerdings stehen auch sieben Ballverluste für ihn zu Buche.

          Die Taktik von Bundestrainer Chris Fleming gegen die lange Garde aus Spanien waren Distanzwürfe, schnelles Passspiel bei den Angriffen und Konsequenz in der Abwehr. Schröder beschäftigte die Spanier derart mit seinen Soli, dass er seine Mitspieler wie Lo (9), Thiemann (8) und Barthel (6), Benzing (4) und Voigtmann (2) immer wieder in aussichtsreiche Wurfposition brachte. Sie machten jedoch zu wenig draus. „Weiter, weiter!“ rief Schröder in einer Auszeit. „Wir werden noch ein paar Dreier treffen“, ergänzte Robin Benzing.

          Zum zweiten Mal hatten ihnen die Spanier da die Führung abgenommen (50:56), doch die Deutschen wollten die Dominanz des Gegners nicht anerkennen. Mit dem Führungswechsel ging jedoch der Höhenflug der Auswahl von Fleming in diesem Spiel und bei dieser Europameisterschaft zu Ende. Für den Bundestrainer war es in dieser Funktion der letzte Auftritt. Drei Jahre war Fleming für den Deutschen Basketball-Bund tätig, nun konzentriert er sich auf seine Arbeit bei den Brooklyn Nets in New York. Henrik Rödl übernimmt die Aufgabe, das vielversprechende Team mit der Perspektive Olympia 2020 weiterzuentwickeln.

          Quelle: F.A.Z.

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