Home
http://www.faz.net/-gub-13649
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Der Fall Pechstein Doch kein Kuhhandel?

Der Präsident des Internationalen Eisschnelllauf-Verbandes (ISU), Ottavio Cinquanta, hat den Vorwurf eines „Kuhhandels“ mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein zurückgewiesen. Man folge lediglich dem Wada-Verfahren, sagte Cinquanta.

© ddp Vergrößern Hatte der ISU einen „Kuhhandel” vorgeworfen: Claudia Pechstein, gesperrte, dopingverdächtige Eisschnellläuferin

Der Präsident des Internationalen Eisschnelllauf-Verbandes (ISU), Ottavio Cinquanta, hat den Vorwurf eines „Kuhhandels“ mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein zurückgewiesen. „Das ist sicherlich nicht in Ordnung, uns einen Deal zu unterstellen“, sagte der Italiener am Montag auf Anfrage. Die Disziplinar-Kommission der ISU hatte die Berlinerin zu einer zweijährigen Sperre wegen Blutdopings verurteilt.

Anno Hecker Folgen:  

Nach der Veröffentlichung dieser von Pechsteins Rechtsbeistand in Frage gestellten Entscheidung hatte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, von einem unseriösen Angebot berichtet (siehe: Claudia Pechstein: Was ist eigentlich wahr?). Demnach soll der Verband zur Einstellung des Verfahrens bereit gewesen sein, falls Claudia Pechstein ihren Rücktritt erklärt hätte. „Das ist etwa vier Wochen vor der mündlichen Anhörung geschehen“, sagte Heinze dieser Zeitung.

Mehr zum Thema

„Diese Äußerungen aus Deutschland haben mich überrascht“, erklärte der von Heinze genannte Initiator des Angebotes, Gerhardt Bubnik, Vorsitzender der ISU-Rechtskommission: „Ich sage aber nichts mehr dazu und verweise Sie auf Punkt 37 der Urteilsbegründung.“ Darin steht, dass die Richter Claudia Pechstein Zeit eingeräumt hätten, die auf Doping hinweisenden Blutwerte mit einer Blutkrankheit zu erklären. Diese Möglichkeit hatte der Gerichtsgutachter nicht ausgeschlossen. Bis zum Abschluss der Untersuchung hätte die Deutsche weiter an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Sie lehnte auch aus prozesstaktischen Gründen ab (siehe auch: Kommentar: Es geht ums Ganze).

Cinquanta über Pechsteins Vorgehen nicht beunruhigt

Unterdessen verteidigte ISU-Präsident Cinquanta das Vorgehen seines Verbandes: „Wir sind nie glücklich, wenn es solche Fälle gibt. Aber wir sind auch nicht dumm. Wir haben ein neues Verfahren, und das mussten wir anwenden. Es ist von der Wada (Welt-Antidoping-Agentur) eingesetzt worden, und wir folgen dem.“ Im Fall Pechstein wurde erstmals eine Sportlerin allein wegen mehrmals überhöhter Mengenwerte junger Blutkörperchen verurteilt (siehe: Claudia Pechstein: Kampf gegen ein vernichtendes Urteil ).

Cinquanta bestritt, dass es eine neue, schärfere Dopingbekämpfung gebe. „Nur eine Weiterentwicklung. Früher schrieb man auf der Schreibmaschine, heute auf dem Computer.“ Dass Claudia Pechstein vor dem obersten Sportgericht (Cas) in Berufung gehen will (siehe: Fall Pechstein: Cas entscheidet frühestens im Herbst), beunruhigt Cinquanta nicht. Selbst wenn den Verband ein Scheitern teuer zu stehen kommen könnte: „Wer ins Restaurant geht und einen guten Wein bestellt“, sagte der ISU-Chef, „muss ihn auch bezahlen können.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Neues Gesetz Doping soll strafbar werden

Zehn Jahre wurde diskutiert, nun hat sich die Bundesregierung nach F.A.Z.-Informationen auf ein scharfes Anti-Doping-Gesetz geeinigt. Demnach sollen Spitzensportler schon bei Besitz geringer Mengen unerlaubter leistungssteigernder Mittel bestraft werden. Mehr Von Anno Hecker

29.09.2014, 17:25 Uhr | Sport
Neues Verfahren im Fall Gustl Mollath

Vor dem Landgericht Regensburg hat am Montag das Wiederaufnahmeverfahren im Fall Gustl Mollath begonnen. Mollath sieht sich als ein Justizopfer, das zu Unrecht in die Psychiatrie eingewiesen wurde. Mehr

07.07.2014, 15:32 Uhr | Politik
Umstrittene WM-Vergaben Niersbach zweifelt an Russland und Qatar

Ratlosigkeit und Resignation: DFB-Präsident Niersbach zweifelt, ob die WM noch mal an Russland vergeben würde – und die Querelen um Qatar nehmen kein Ende. Mehr Von Michael Ashelm und Michael Horeni

24.09.2014, 21:03 Uhr | Sport
Staatsanwaltschaft enttäuscht über Pistorius-Urteil

Über eine Berufung werde man allerdings erst entscheiden, wenn das Strafmaß bekannt sei, sagte ein Sprecher. Das Verfahren dazu soll dazu Mitte Oktober beginnen. Mehr

12.09.2014, 18:08 Uhr | Gesellschaft
Taxi-Konkurrent Landgericht Frankfurt stoppt weiteren Uber-Fahrer

Das Landgericht Frankfurt untersagt einem weiteren Fahrer des Taxi-Konkurrenten Uber die Arbeit. Hält er sich nicht daran, drohen bis zu 250.000 Euro Strafe. Weitere Verbote in anderen Städten dürften folgen. Mehr

24.09.2014, 07:26 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 07.07.2009, 12:10 Uhr

Der Sport muss ins Boot steigen

Von Anno Hecker

Die Politik einigt sich auf einen Entwurf zu einem Anti-Doping-Gesetz. Man muss den Eindruck haben, der Spitzensport sitze nicht mit im Boot, wenn in Berlin über sein Schicksal entschieden wird. Mehr 1