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Der Fall Pechstein Doch kein Kuhhandel?

Der Präsident des Internationalen Eisschnelllauf-Verbandes (ISU), Ottavio Cinquanta, hat den Vorwurf eines „Kuhhandels“ mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein zurückgewiesen. Man folge lediglich dem Wada-Verfahren, sagte Cinquanta.

© ddp Vergrößern Hatte der ISU einen „Kuhhandel” vorgeworfen: Claudia Pechstein, gesperrte, dopingverdächtige Eisschnellläuferin

Der Präsident des Internationalen Eisschnelllauf-Verbandes (ISU), Ottavio Cinquanta, hat den Vorwurf eines „Kuhhandels“ mit der fünfmaligen Olympiasiegerin Claudia Pechstein zurückgewiesen. „Das ist sicherlich nicht in Ordnung, uns einen Deal zu unterstellen“, sagte der Italiener am Montag auf Anfrage. Die Disziplinar-Kommission der ISU hatte die Berlinerin zu einer zweijährigen Sperre wegen Blutdopings verurteilt.

Nach der Veröffentlichung dieser von Pechsteins Rechtsbeistand in Frage gestellten Entscheidung hatte der Präsident der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft, Gerd Heinze, von einem unseriösen Angebot berichtet (siehe: Claudia Pechstein: Was ist eigentlich wahr?). Demnach soll der Verband zur Einstellung des Verfahrens bereit gewesen sein, falls Claudia Pechstein ihren Rücktritt erklärt hätte. „Das ist etwa vier Wochen vor der mündlichen Anhörung geschehen“, sagte Heinze dieser Zeitung.

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„Diese Äußerungen aus Deutschland haben mich überrascht“, erklärte der von Heinze genannte Initiator des Angebotes, Gerhardt Bubnik, Vorsitzender der ISU-Rechtskommission: „Ich sage aber nichts mehr dazu und verweise Sie auf Punkt 37 der Urteilsbegründung.“ Darin steht, dass die Richter Claudia Pechstein Zeit eingeräumt hätten, die auf Doping hinweisenden Blutwerte mit einer Blutkrankheit zu erklären. Diese Möglichkeit hatte der Gerichtsgutachter nicht ausgeschlossen. Bis zum Abschluss der Untersuchung hätte die Deutsche weiter an Wettkämpfen teilnehmen dürfen. Sie lehnte auch aus prozesstaktischen Gründen ab (siehe auch: Kommentar: Es geht ums Ganze).

Cinquanta über Pechsteins Vorgehen nicht beunruhigt

Unterdessen verteidigte ISU-Präsident Cinquanta das Vorgehen seines Verbandes: „Wir sind nie glücklich, wenn es solche Fälle gibt. Aber wir sind auch nicht dumm. Wir haben ein neues Verfahren, und das mussten wir anwenden. Es ist von der Wada (Welt-Antidoping-Agentur) eingesetzt worden, und wir folgen dem.“ Im Fall Pechstein wurde erstmals eine Sportlerin allein wegen mehrmals überhöhter Mengenwerte junger Blutkörperchen verurteilt (siehe: Claudia Pechstein: Kampf gegen ein vernichtendes Urteil ).

Cinquanta bestritt, dass es eine neue, schärfere Dopingbekämpfung gebe. „Nur eine Weiterentwicklung. Früher schrieb man auf der Schreibmaschine, heute auf dem Computer.“ Dass Claudia Pechstein vor dem obersten Sportgericht (Cas) in Berufung gehen will (siehe: Fall Pechstein: Cas entscheidet frühestens im Herbst), beunruhigt Cinquanta nicht. Selbst wenn den Verband ein Scheitern teuer zu stehen kommen könnte: „Wer ins Restaurant geht und einen guten Wein bestellt“, sagte der ISU-Chef, „muss ihn auch bezahlen können.“

Quelle: F.A.Z.

 
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