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Millionengeschäft eSport : Willkommen in der Wirklichkeit

Blitz und Donner: Die „ESL One“ in Frankfurt ist das größte eSport-Turnier in Europa Bild: © 2015 Helena Kristiansson

Ob „Dota 2“ oder „Counter Strike“: eSport begeistert Millionen. Der DOSB erkennt die eSportler aber nicht an – auch aus ethischen Gründen. Dabei ist der traditionelle Sport nicht besser.

          Kennen Sie „Dota 2“? Oder „League of Legends“? Nein? Aber von „Counter Strike“ haben Sie garantiert schon gehört. Wenn nicht, fragen Sie Ihre Kinder, Neffen oder Enkel. Die Rede ist von eSport – also elektronischem Sport. Diese Art der virtuellen Leibesübung hat in Amerika und Asien schon längst Millionen Anhänger und erobert nun Deutschland.

          Im Juni kommenden Jahres findet zum dritten Mal das größte eSport-Turnier Europas in der Frankfurter WM-Arena statt. Mehr als 30.000 Fans jubeln dann wieder zehn jungen Männern zu, wenn diese auf ihren Computerbildschirmen einen virtuellen Kampf ausfechten – übertragen auf eine riesige Videoleinwand und begleitet von einer Show, die dem Super Bowl oder einem WM-Finale nacheifert.

          Eine Million per Livestream dabei

          Es wäre leicht, diese Veranstaltung als einmaliges Treffen Abertausender Nerds abzutun. Doch eSport füllt die Arenen mittlerweile auch in Köln und Berlin. Bis zu einer Million Menschen verfolgen die Turniere über Livestream im Internet, und die Teilnehmer freuen sich über Preisgelder von mehreren hunderttausend Euro.

          Trotz dieser Entwicklung will der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) den virtuellen Sport an seiner traditionsreichen Realität allerdings (noch) nicht teilhaben lassen. Während eSport in Schweden, Russland oder Südkorea längst etabliert ist, verweigert hierzulande der DOSB den Spitzensportlern auf dem Schreibtischstuhl die Aufnahme, weil „eine Reihe“ von Voraussetzungen nicht erfüllt seien – die sich aber problemlos auch auf andere Sportarten übertragen ließen.

          Bis zu 400 Mal in der Minute malträtieren die Finger Maus und Tastatur Bilderstrecke
          Bis zu 400 Mal in der Minute malträtieren die Finger Maus und Tastatur :

          So habe der eSport keine eigene sportartbestimmende motorische Aktivität? Die ist bei Schach und Schießen ebenfalls nicht sonderlich ausgeprägt. Und wer bis zu sechs Mal pro Sekunde mit den Fingern asynchron voneinander auf Tastatur und Maus einhämmert und dabei 90 Minuten lang auf den Bildschirm blickt, besitzt der Sporthochschule Köln zufolge einen ähnlichen Stresspegel wie Bogenschützen.

          Werden durch die Ausübung von virtueller Gewalt wirklich ethische Werte verletzt? Es stimmt, bei manchen eGames ist das Töten eines Gegners oft das Ziel. Beim Boxen ist das nicht der Fall, aber die Angriffe auf das Wohl des Gegners sind real. Der Tod im Ring – wenn auch selten – ist es leider auch.

          Es fehlen ausgereifte Verbandsstrukturen oder ein funktionierendes Anti-Doping-System? Das geben die eSport-Verantwortlichen selbst unumwunden zu – jedoch nicht ohne zu erwähnen, dass es solche Zustände auch in „traditionellen“ Sportarten oder anderen Ländern noch gibt.

          Wahr ist: Mit seinen – durch Millionenbeträge aufgepumpten – Wettbewerben, den zum Teil diktatorisch vorgehenden Spieleherstellern und manchmal undurchsichtigen Qualifikationen und Nominierungen fehlt es dem virtuellen Sport durchaus noch an Moral und Transparenz. Er nimmt sich dabei aber die reale Sportwelt zum Vorbild. Der eSport hat die Wirklichkeit erreicht.

          Quelle: F.A.Z.

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