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Basketball-Kommentar : Bühne frei für den Nachwuchs

Enttäuschung überwinden: Die deutschen Basketballer müssen Selbstbewusstsein ziehen aus der EM Bild: dpa

Gut genug auch ohne Stars: Das deutsche Basketball-Team ist so breit aufgestellt, das es gewappnet ist für die besonderen Anforderungen künftiger Qualifikationsrunden.

          Basketball aus Deutschland steht vor einem Höhenflug. Bei der Weltmeisterschaft 2019 und den Olympischen Spielen 2020 könnte die von Dennis Schröder angeführte Nationalmannschaft, entwickelt sie sich weiter so spektakulär wie bisher, um Medaillen kämpfen. Auch das verspricht der Auftritt bei der Europameisterschaft, obwohl sie für das deutsche Team schon vor den Halbfinals zu Ende ist.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Mit der Bewerbung um die Austragung der EM 2021 will der Deutsche Basketball-Bund seinen jungen Helden eine Bühne daheim bieten, wenn sie auf dem Höhepunkt ihrer Leistungsfähigkeit sind. Zusätzlich zu Dirk Nowitzki, der ihnen den Weg bereitet hat, stehen inzwischen vier deutsche Spieler bei Klubs der NBA unter Vertrag: Neben Schröder in Atlanta sind das Paul Zipser in Chicago, Daniel Theis in Detroit und Maxi Kleber in Dallas. Weitere Nationalspieler sind gut genug, um in der Elite-Klasse diesseits des Atlantiks zu spielen, der Euro-League. In den Nachwuchs-Mannschaften des DBB reifen Talente, denen Scouts großer Klubs jetzt schon schöne Augen machen.

          Qualifikation der zweiten Reihe

          Da wirkt es grotesk, dass der Weltverband (Fiba) bei dem Versuch, seine Wettbewerbe aus der zeitlichen Nische im Sommer übers ganze Jahr zu verteilen, auf Kollisionskurs mit den großen und starken Ligen geht. NBA und Euro-League behalten an den Länderspiel-Terminen im November und im Februar ihre Stars für sich, weil sie nicht einfach mit dem Spielbetrieb aussetzen und ihre Spieler in Nationaltrikots spielen lassen wollen. Mühelos graben sie so den Nationalmannschaften, Konkurrenten im Geschäft um die Aufmerksamkeit von Sponsoren und Zuschauern, das Wasser ab.

          Statt die in Amerika engagierten großen Stars wenigstens bei Länderspielen zu sehen, wird das Publikum in Europa mit Nationalmannschaften vorlieb nehmen müssen, die aus der zweiten Reihe besetzt sind. Eine Farce. Doch sollten die ersten Qualifikations-Runden für WM und Olympia durch die Abwesenheit der Allerbesten zu einem Wettbewerb von Nachwuchsspielern werden, bräuchten die Deutschen keine Bange zu haben. Durch die Quote von sechs deutschen Spielern pro Bundesliga-Mannschaft und eine Nachwuchsarbeit, die der Liga Unterbau und Talente-Reservoir geschaffen hat, drängen hochbegabte und gut ausgebildete Youngster aufs Parkett. Es muss ja nicht nur im Fußball die U21 den etablierten Spielern Beine machen.

          Drohen Nationalmannschaften zum Asyl für zu kurz gekommene und zu früh eingesetzte Spieler zu werden? Da sei die harte Auslese an der Spitze vor. Längst kaufen Sportklubs Athleten mit Perspektive lange vor der Zeit. Diese werden, um sich entwickeln können, an Teams verliehen, in denen sie mehr Einsatzzeit erhalten, als sie sich in der eigenen ersten Mannschaft erkämpfen könnten. Dafür gibt es in Amerika die Farm-Teams der G-League – und diese haben sich verpflichtet, Nationalspieler freizustellen.

          Einige große Hoffnungen des deutschen Basketballs, die es nicht auf Anhieb in die erste Liga schaffen, dürften wir also auch ohne Einigung zwischen Verband und Klubs wiedersehen. Und sollten die streitenden Parteien doch noch zur Vernunft kommen und an einem Strang ziehen, könnte ein Spieler wie Schröder das Vorspiel zu den großen Turnieren trotzdem denen überlassen, die nicht so weit sind wie er.

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