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Degenfechter Fiedler : Triumph der Schlaftablette

Trainer und Athlet: Jörg Fiedler kommt mit links zu Gold Bild: AFP

In der Ruhe liegt seine Kraft: Degenfechter Jörg Fiedler konzentriert sich auf das Wesentliche und wird mit intelligentem Fechten zum zweiten Mal Europameister.

          Jörg Fiedler weiß, dass es einige Beobachter immer noch lustig finden, wie er zwischen den Gefechten auftritt. „Wer mich in der Halle sieht, denkt: ,Der fällt gleich um.’“ An seine Rolle als „Schlaftablette“ hat sich der Leipziger längst gewöhnt, hat sie angenommen - und spielt damit. Als „trocken, ruhig und sachlich“ beschreibt sich der 35-Jährige. Dass er mit dieser Außenwirkung keinem Gegner Angst einflößt, weiß er. Und es macht ihm nichts aus.

          „Wichtig ist auf’m Platz“, sagen die Fußballspieler. „Wichtig ist auf der Planche“, ließe sich daraus für einen Fechter ableiten. Und da hatte Fiedler am Sonntag einen hellwachen Tag erwischt. Fast zwölf Stunden dauerte der Wettkampftag der Degenfechter bei den Europameisterschaften in Zagreb. Von Anfang an war der Zeitplan äußerst eng, immer wieder kamen Verzögerungen dazu. Wohl dem, der während der nervtötenden Warterei zwischen den Gefechten nicht hektisch wurde. Und Fiedler konnte sich auf sein Naturell verlassen. Nach 5:1 Siegen im Vorrunden-Pool und drei erfolgreich ausgefochtenen K.-o.-Duellen ließ der Linkshänder auch seinem Final-Gegner Daniel Jerent aus Frankreich keine Chance. 15:5 gewann Fiedler das Gefecht und damit zum zweiten Mal nach 2011 den EM-Titel.

          Früher hatte man ihm eine gewisse Furcht vom finalen Stoß attestiert, diese Zeiten sind dank psychologischer Unterstützung und der Erfahrung eines Mittdreißigers längst vorbei. „Das Erkennen des richtigen Moments ist entscheidender als Dynamik“, nennt Fiedler das Geheimnis seines verzögerten Erfolges. Aus der Addition vieler Erfahrungswerte habe er ein „intelligentes Fechten“ entwickelt. Sollen sich doch die anderen austoben, er kann warten.

          Sachlicher Kämpfer mit Erfolg: Jörg Fiedler
          Sachlicher Kämpfer mit Erfolg: Jörg Fiedler : Bild: dpa

          Diese Fähigkeit noch unterstützt hat seine Tätigkeit am Rande der Fechtbahn. Am Nachwuchsstützpunkt in Leipzig wechselte der angehende Diplom-Trainer längst die Rolle, ist seltener Trainierter als Trainer. Auch dies mit Erfolg: Im April wurde einer seiner Schüler deutscher B-Jugend-Meister. Seine neue Aufgabe als professioneller Beobachter eröffnete Fiedler eine neue Perspektive. Er sieht auch das Verhalten des Fechters gegenüber nun mit anderen Augen, kann positive Rückschlüsse für seine Aktionen daraus ziehen: „Ich muss nur aufpassen, dass ich nicht zu genau analysiere“, hat er auch die Schwachstelle des Konzepts schon erkannt, „ich darf auf der Bahn nicht zu sehr Trainer sein.“ Denn in der Zwischenzeit könnte der Gegner schon den Treffer gesetzt haben.

          Beim EM-Auftakt ist dies nicht passiert, Fiedler hatte die richtige Mischung aus Antizipation und Kontrolle gefunden. Nur mit dem Feiern klappte es noch nicht. Das lag zum einen daran, dass an diesem Dienstag noch der Mannschaftswettbewerb für die Degenfechter auf dem Programm steht. Und dieser Aufgabe will sich der Doppel-Europameister natürlich mit voller Kraft widmen. Und dann war er auch einfach zu müde: „Ich habe um kurz vor Mitternacht in der Hotellobby versucht, ein Bier zu trinken.“ Nach der Hälfte war er eingeschlafen.

          Quelle: F.A.Z.

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