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Deutsches Eishockey : Das Mutterschiff muss nicht untergehen

Rettung auf Eis: Das deutsche Eishockey braucht frisches Geld Bild: Rüchel, Dieter

An deutlichen Botschaften mangelt es nicht. Danach sendet der Eishockey-Krisengipfel der Solidarität an den Verband. Gelöst sind viele Probleme aber noch nicht.

          Franz Reindl hat sich durchgesetzt. Der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) erhielt nach zwei Tagen voller kontroverser Diskussionen von den Mitgliedern die Unterstützung für sein Konzept zur Sanierung des von erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten belasteten Verbands.

          Die Mehrheit der Landesverbände gab auf der Mitgliederversammlung in München den Widerstand gegen die Wiederaufnahme der Vereine aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) und ihrem Unterbau, der DEL 2, auf. Der Haken: Abgestimmt wird darüber erst 2015. „Ich bedanke mich für die Aussagen. Das tat gut“, sagte Reindl trotzdem nach den Zugeständnissen seiner Widersacher, die vor allem dem Sympathisantenkreis seines Amtsvorgängers Uwe Harnos zugeordnet werden.

          Die Idee der Neugründung eines neuen Dachverbandes ohne die Landesverbände, die in der Vergangenheit wiederholt Reformen blockiert hatten, scheint sich damit erledigt zu haben. Von 2015 an kann die DEL einen erheblichen Beitrag zur wirtschaftlichen Gesundung des DEB leisten. Abgesandte der 28 erst- und zweitklassigen Profi-Teams erklärten bei dem zweitägigen Krisengipfel in der bayerischen Landeshauptstadt ihr Einverständnis, künftig mit ihren Mannschaften wieder DEB-Mitglieder zu werden, Beiträge zu bezahlen und im Gegenzug Stimmrechte zu erhalten.

          Ein Schritt mit Symbolcharakter: Einige der am Wochenende Beteiligten hatten vor zwei Jahrzehnten und in der Zeit danach immer wieder dem DEB mangelnde Kompetenz vorgeworfen und mit der Etablierung der prosperierenden DEL maßgeblich zum Bedeutungsverlust der Dachorganisation beigetragen. Ihre Rückkehr dürfte mit einer Abgabe von Stimmanteilen durch die Landesverbände einhergehen.

          „Von den Profiklubs wird es einen Beitrag geben“

          Daniel Hopp, Vizepräsident des DEB und zugleich als Geschäftsführer der Adler Mannheim Aufsichtsratsmitglied der DEL, vertrat die Position der Profivereine: „Wenn es darum geht, sich finanziell zu beteiligen, dann ist man dazu bereit. Dann muss aber auch klar sein, dass es hier und da Mitspracherecht gibt. Zur Rettung unseres Mutterschiffes wird es von Seiten der Profiklubs einen Beitrag geben“, sagte Hopp. Lutz Pauels, Landesvorsitzender in Baden-Württemberg, stellte im Namen aller Amateure fest: „Ich weiß, dass das ein höchst sensibles Thema ist, weil das mit der Änderung der Stimmverhältnisse einhergeht. Wir müssen aber über unseren Schatten springen.“

          Spätestens bis zum nächsten Frühling sollen Reindls Notfallkonzepte spruchreif werden. Der frühere Nationalspieler setzte sich auch mit der Idee von Sonderzahlungen und Beitragserhöhungen durch. Außerdem kommen möglicherweise Abgaben auf Spieler, Trainer und Schiedsrichter zu, um die Lücke im Budget zu schließen. Insgesamt soll mehr als eine halbe Million Euro zusätzlich eingenommen werden. Dadurch will sich der DEB unabhängiger von TV- und Vermarktungserlösen bei Weltmeisterschaften machen.

          Situation wird diesmal nicht beschönigt

          In der Vergangenheit, in der sportliche Achtungserfolge eher die Ausnahme denn die Realität waren (und sich in der Folge Sponsoren zurückzogen), stellte die Veranstaltung internationaler Titelkämpfe die einzige nennenswerte Möglichkeit für den DEB dar, Gelder in siebenstelliger Höhe zu generieren. Zuletzt war die Weltelite 2010 in Köln, Mannheim und Gelsenkirchen zu Gast. Und in drei Jahren wird sie nach Deutschland zurückkehren, wenn das vierzehntägige Turnier dann gemeinsam mit dem Nachbarland Frankreich ausgetragen wird. Wie heikel die Lage des DEB ist, wurde in München aufs Neue deutlich.

          Reindl und seine im Juli gewählte Führungscrew beschönigten die Situation nicht, was, wie sie sagten, unter ihren Vorläufern gang und gäbe gewesen sei. Vizepräsident Berthold Wipfler (Mannheim), im Vorstand für Finanzen zuständig, sprach von einer eklatanten Schieflage: „Wir haben mit unserer Finanzordnung ein grundlegendes Problem.“ Die Planung für 2014 weist aktuell ein Minus in Höhe von 233 000 Euro auf. Der Gewinn aus der Heim-WM 2010 von 1,5 Millionen Euro ist aufgebraucht, die Verbandszentrale in München inzwischen beliehen.

          „Anzeichen für einen kranken Patienten“

          Der stellvertretende Organisationschef der WM 2017, Henner Ziegfeld, streute zusätzliches Salz in die Wunden. Er warf Harnos vor, die gelungene Heim-WM 2010 nicht nachhaltig genutzt zu haben: „Das damalige Präsidium hat das intellektuell gar nicht verstanden.“ Wipfler setzte in Anbetracht der düsteren Szenarien die Delegierten verbal unter Druck: „Ihr zwingt mich, wenn ihr euch nicht rührt, 2018 in der DEB-Zentrale im Betzenweg das Licht auszumachen.“ Auf einer weiteren Mitgliederversammlung - der dritten binnen neun Monaten - soll im Frühjahr der Haushalt 2014 dann wahrscheinlich dank einer Sonderzahlung der Mitglieder ausgeglichen präsentiert und nachträglich beschlossen werden.

          René Fasel, der Präsident des Internationalen Eishockey-Verbandes, ließ es auf der Tagung ebenfalls an deutlichen Botschaften nicht fehlen. „Das deutsche Eishockey ist ein eingeschlafener Riese: Man war nicht bei Olympia 2014, kein deutsches Team in der Endrunde der Champions League - das sind vielleicht die Anzeichen für einen kranken Patienten“, sagte der Schweizer. „Von außen betrachtet, standen zu viele Eigeninteressen im Vordergrund. Manchmal tut die Heilung eines kranken Patienten weh. Aber man muss diese Schritte jetzt machen“, sagte Fasel. Auch seine Worte zeigten Wirkung.

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