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Davis Cup : Tennis-Herren schwer erleichtert

Jan-Lennard Struff feiert mit Michael Kohlmann den Klassenerhalt. Bild: AP

Das deutsche Davis-Cup-Team spielt auch in der kommenden Saison in der Gruppe der besten 16 Tennis-Nationen. Jan-Lennard Struff stellt die Nerven seines Teams auf die Probe.

          Und da war sie wieder – die Becker-Faust. Als 17-jähriger Leimener machte er die Geste in Wimbledon zu seinem Markenzeichen, als 49-jähriger Head of Men’s Tennis ballte er ganz unwillkürlich in dem Moment seine rechte Hand, in dem Jan-Lennard Struff am Sonntagnachmittag gegen den Portugiesen Joao Sousa seinen zweiten Matchball verwandelte. Damit holte der 27 Jahre alte Sauerländer den entscheidenden dritten Punkt für das deutsche Davis-Cup-Team im Relegationsspiel der Weltgruppe und verhinderte den Abstieg aus der internationalen Eliteklasse.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Struff stellte die Nerven seines Teams auf eine harte Probe. Der in Abwesenheit der Zverev-Brüder und Philipp Kohlmann zum Spitzenspieler aufgestiegene Hüne hatte am Freitag sein Einzel gegen die portugiesische Nummer zwei, Pedro Sousa, in drei Sätzen verloren und am Samstag im Doppel an der Seite von Tim Pütz lange schlecht gespielt, bis er am Ende des Entscheidungssatzes seine großen Möglichkeiten doch noch ausspielte und den Fünfsatzsieg sicherte. Am Sonntag trieb es Struff besonders toll. Nach 30 Minuten führte er dank einer Serie von Weltklasseschlägen 6:0, 3:0, doch dann quälte ihn wieder der Fehlerteufel. Im Tie-Break des vierten Satzes musste er einen Matchball abwehren, was ihm gelang. Bis Struff nach 3:12 Stunden zum 6:0, 6:7 (3:7), 3:6, 7:6 (8:6), 6:4 vollendete, hatte er noch einige bange Momente zu überstehen.

          „Er ist eine Maschine“, sagte Doppelpartner Pütz über den fast zwei Meter großen Struff, der in Oeiras über neun Stunden auf dem Platz stand und am Ende immer noch keine Ermüdungserscheinungen zeigte. Die Zukunft des deutschen Herren-Tennis scheint er trotz seiner überragenden Physis und seines riesigen Potentials zumindest im Einzel nicht zu sein. Der Vierundfünfzigste der Weltrangliste schafft es seit Jahren nicht, Konstanz in seine Schläge zu bringen. Für die Portugiesen, die noch nie in der Weltgruppe spielten, reichte es gerade noch, aber wenn an diesem Mittwoch die Erstrunden-Begegnungen der Weltgruppe für 2018 ausgelost werden, dann warten Gegner anderen Kalibers.

          Für das Doppel könnte Struff allerdings eine dauerhafte Option sein. Teamkapitän Kohlmann möchte gerne eine eingespielte Kombination, die die Spitzenkönner des Einzels im Laufe eines Davis-Cup-Wochenendes entlasten, wenn sie denn mal der Einladung folgen. Mit Pütz bildet er eine Kombination, die unangenehm für die Gegner ist. Die beiden kennen und mögen sich seit Jahren und spielen gemeinsam für Blau-Weiß Halle in der Bundesliga. Manchmal auch Doppel. Als Vorbereitung für das Abstiegsduell mit Portugal forderte Kapitän Kohlmann sie auf, ihr erstes Turnier gemeinsam zu bestreiten.

          Sie gewannen auf Anhieb den Doppelwettbewerb beim Challenger in Genua, was ihr Potential andeutet. Kohlmann sähe es gerne, wenn Pütz seine nicht gerade glitzernde Einzelkarriere einschränken würde, um sich auf das Doppel mit Struff zu konzentrieren. Obwohl der gebürtige Frankfurter im Alter von 29 Jahren noch nie über die Weltranglistenposition 163 hinausgekommen ist, möchte er seine „Einzelkarriere noch nicht abschreiben“. Aber immerhin sind weitere gemeinsame Turniereinsätze bis Jahresende abgesprochen, um die deutsche Doppelschwäche, vor Portugal gingen zehn der letzten 13 Partien verloren, endgültig zu beheben.

          Die Erleichterung im deutschen Team am Sonntag war riesengroß. Kapitän Kohlmann sagte: „Ein Abstieg wäre fatal gewesen.“ Und das aus mehreren Gründen. Zum einen wären dem Deutsche Tennis Bund (DTTB) in der zweiten Davis-Cup-Klasse einige Einnahmen entgangen, zum anderen wären die Zverev-Brüder noch schwerer vom Mitmachen zu überzeugen gewesen. Auch auf Kohlmanns Verhandlungen über eine Vertragsverlängerung hätte ein Abstieg keinen günstigen Einfluss genommen, und Beckers Aura als Heilsbringer des deutschen Tennis hätte schon bei seinem ersten Auftritt durch den Absturz in die Zweitklassigkeit gelitten.

          Wie groß Beckers Anteil am Erfolg war? Das ist genauso schwer zu beziffern wie sein Einfluss auf die Erfolge, die Novak Djokovic mit ihm als Trainer feierte. Auf jeden Fall fühlten sich alle im deutschen Team mit ihm nach einer kurzen Phase der Befangenheit wohl. Auch Kapitän Kohlmann, dessen Autorität durch die Rückkehr des Idols hätte leiden können. Doch Becker hielt sich zurück, trat gegenüber den Medien sehr dosiert auf und spielte sich auch auf dem Trainingsplatz und auf der Tribüne nicht in den Vordergrund.

          Seiner Rolle als Beobachter und Ratgeber kam er allerdings zeitaufwendig und gewissenhaft nach. „Boris ist definitiv eine Bereicherung“, sagte Struff und setzte hinzu. „Es ist gut, wenn man während des Matches herausschaut und man sieht ihn unter den Teammitgliedern sitzen.“ Magische Kräfte mochte er dem Idol nicht zusprechen. Doppelpartner Pütz formulierte den Mehrwert Beckers so: „Durch seine Erfahrung und seine Erfolge glaubt man ihm einfach mehr, wenn er etwas sagt, als einem anderen.“ Einen direkten Einfluss auf seinen Doppel-Erfolg habe Becker allerdings nicht gehabt: „Ich war so auf das Gewinnen konzentriert, da war es mir völlig egal, ob Boris dabei zuschaut oder nicht.“

          Quelle: F.A.Z.

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