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Davis Cup-Teamchef Arriens Der Harmonie-Macher

Mehr Ehrlichkeit, mehr Teamgeist: Carsten Arriens tritt gegen Argentinien erstmals als Teamchef zum Davispokal an. Die Streitlust in der Mannschaft soll unter ihm zu Ende sein.

© dpa Vergrößern Gestatten, ich bin der Neue! Carsten Arriens, Nachfolger von Patrik Kühnen, will mehr mit den Spielern reden als sein Vorgänger

„Einen Tick mehr Ehrlichkeit.“ Carsten Arriens, der neue Teamchef der deutschen Davispokal-Mannschaft, hat viele Ziele, die er beim Deutschen Tennis-Bund erreichen will - doch dieses ist vielleicht das profilierteste von allen. Und doch ist genau das in einer Umgebung, die zuletzt mehr durch Intrigen, Streit, kindischen Zwist sowie mit gegenseitigen Vorwürfen von sich reden machte und in der mangelnde Kommunikation zum Alltag gehörte, vielleicht der Schlüssel zu allem. „Es geht nur, wenn alle mitmachen, wenn alle mitziehen“, sagt Arriens. Das soll nun zum ersten Male von diesem Freitag an in Buenos Aires sichtbar werden, wenn die deutsche Mannschaft mit gewissen Siegchancen gegen Argentinien antritt.

Peter Penders Folgen:  

Als die Auslosung dem Team des Deutschen Tennis-Bundes im Herbst vergangenen Jahres wieder eine Erstrundenpartie gegen die Südamerikaner bescherte, schienen sich die Möglichkeiten auf eine Überraschung noch im Promillebereich zu bewegen. Doch die Zeichen haben sich verändert. Vor einem Jahr waren die Deutschen in Bamberg wie befürchtet chancenlos geblieben, diesmal aber erwartet Arriens eine ausgeglichene Partie. „Wir haben in jedem Einzel eine reelle Chance und im Doppel auch“, sagt der neue Mann, der Patrik Kühnen nach dessen zehnjähriger Amtszeit ablöste. „Es sind auf beiden Seiten Fehler gemacht worden, aber vielleicht war es auch mal Zeit für etwas Neues“, sagt Arriens.

Das große Puzzlestück liefern die Argentinier selbst

Mehr Ehrlichkeit, mehr Teamgeist - was er genau von seinen Spielern erwartet, hat der 42 Jahre alte Arriens allen schon während der Australian Open in Melbourne deutlich gemacht. Dazu gehörte nicht nur der Kreis der für Buenos Aires nominierten Akteure, sondern mehr oder weniger alle, die für das deutsche Team irgendwann in Frage kommen könnten. Mit dem ehemaligen Davispokal-Doppelspieler Michael Kohlmann, zuletzt noch von Kühnen zum Assistenztrainer ernannt, will der neue Chef einen besseren Zusammenhalt unter den deutschen Spielern erreichen. „Wir werden uns vor Beginn der Grand-Slam-Turniere immer alle zusammensetzen und alle möglichen Dinge bereden“, sagt Arriens. Bei den Spielern hat er damit offene Türen eingerannt, was noch einmal verdeutlichte, wie schwierig die Atmosphäre im Davis-Cup-Team zuletzt gewesen sein muss. Kühnen war mit einem ähnlichen Vorhaben vor einem Jahr in Melbourne krachend gescheitert - von den arrivierten Spielern kam niemand.

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Das allein aber hat die Chancen der deutschen Mannschaft nicht maßgeblich erhöht, es könnte höchstens ein Mosaikstein von vielen sein. Das größere Puzzlestück liefern die Argentinier selbst, die wie vor einem Jahr gegen Deutschland auf ihren Spitzenspieler Juan Martin del Potro verzichten müssen. Dass sie das nicht nur theoretisch können, hatten sie allerdings in Bamberg bewiesen. Diesmal allerdings scheint es im argentinischen Team atmosphärisch nicht zu stimmen, zudem sind einige Spieler aus Verletzungsgründen entweder nicht dabei (Eduardo Schwank) oder offenbar nicht in Form wie der neue Spitzenspieler Juan Mónaco, der bei den Australian Open bei seiner Erstrundenniederlage auch noch einen körperlich angeschlagenen Eindruck hinterließ. Gar nicht einzuschätzen ist David Nalbandian, der vor einem Jahr in Bamberg brillierte, aber seit August kein Spiel mehr bestritten hat.

„Der Neuanfang kann nicht nur von mir kommen“

Doch von alleine geht es in der deutschen Mannschaft auch mit einem neuen Teamchef nicht voran. Florian Mayer bewies in Melbourne ebenso, dass er von einer guten Form weit entfernt war. Die deutschen Hoffnungen ruhen vor allem auf Philipp Kohlschreiber, der nach seinem Streit mit Kühnen wieder in das deutsche Team zurückgekehrt ist. Als ranghöchster Spieler der Weltrangliste, in der er auf Platz 19 notiert ist, hat der Augsburger wieder die Führungsrolle übernommen, die seinem Kollegen Mayer ohnehin nicht behagt. Beide haben beim deutschen Meister TK Kurhaus Aachen unter Arriens schon in der Bundesliga gespielt - man darf davon ausgehen, dass sich der DTB bei der Suche nach dem neuen Teamchef auch der Zustimmung seiner Spitzenspieler versichert hat.

Kohlschreiber und Carlos Berlocq bestreiten an diesem Freitag (15 Uhr MEZ) das Eröffnungseinzel. Das ergab die Auslosung am Donnerstag in Buenos Aires. Berlocq erhielt den zweiten Einzelplatz im argentinischen Tennis-Team neben Juan Mónaco, der am Auftakttag im zweiten Einzel Gegner von Mayer ist. Im Doppel am Samstag treffen Kohlschreiber und Kas auf Nalbandian und Horacio Zeballos. „Wir haben kein schlechteres Team“, sagt Arriens, der seine gestandenen Spieler „in die Pflicht nehmen will. Der Neuanfang kann nicht nur von mir kommen, da muss auch etwas von den Spielern kommen.“ Und dann werden irgendwann auch vielleicht wieder die Zuschauer kommen, die früher immer dabei waren. Vorerst aber ist dies nicht so einfach: Zu sehen ist diese Davispokal-Partie nämlich nur im Internet.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 01.02.2013, 09:33 Uhr

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