Eines ist ganz sicher vor diesem 100. Finale im Davis Cup. Dieses Mal wird Ivan Lendl anders gekleidet sein als 1980. Damals, natürlich noch als Tschechoslowakei, wurde in Prag der bislang einzige Sieg der heimischen Mannschaft gefeiert, deren Star natürlich Lendl war. Er kam standesgemäß in einem Porsche, aber dazu trug er seine Militäruniform. Lendl absolvierte zu jener Zeit seinen Wehrdienst. 32 Jahre später wird Lendl, inzwischen amerikanischer Staatsbürger, als Ehrengast auf der Tribüne sitzen, inmitten des Siegerteams von 1980.
Mehr als nur ein Hauch Tennisgeschichte umweht also dieses Jubiläumsfinale, in dem das tschechische Team gegen Spanien etwas Besonderes schaffen will. Als erste Nation seit den Vereinigten Staaten, die 1990 sowohl im Davis Cup der Herren als auch im Fed Cup der Damen triumphierten, wollen die Tschechen beide Trophäen hochhalten. Vor zwei Wochen schufen die Damen um Petra Kvitova die Voraussetzung, als sie Serbien im Finale besiegten. Vielleicht ein gutes Omen, denn zum ersten Male finden beide Endspiele sogar in derselben Halle statt.
Senior vor der Krönung
Kaum ist nämlich der letzte Ballwechsel in der einen O2-Arena gespielt - in London gewann Djokovic das Saisonfinale der acht besten Spieler des Jahres -, geht es in der nächsten O2-Arena von diesen Freitag an schon weiter. Nach dem Halbfinalsieg der Tschechen, die das Kunststück schafften, in Argentinien auf Sand zu gewinnen, war das Finale in Prag binnen weniger Stunden ausverkauft. „Auf diesen Moment habe ich mein ganzes Tennisleben gewartet“, sagt Radek Stepanek, der sich nach Querelen mit dem Verband einst weigerte, im Davis Cup zu spielen, und erst seit 2007 wieder mit dabei ist.
Mit 33 Jahren könnte Stepanek seine sich dem Ende zuneigende Karriere krönen. Auf den Senior und auf den Spitzenspieler Tomas Berdych wartet aber eine besondere Aufgabe. Das Duo ist sowohl für die Einzel als auch für das Doppel vorgesehen - ein nur für den Notfall vorgesehener Ersatz von Lukas Rosol und Ivo Minar würde die tschechischen Aussichten deutlich schmälern.
Zumindest die Spanier allerdings dürften mit dem Namen Lukas Rosol keine angenehmen Erinnerungen verbinden. Im Sommer gelang dem Tschechen ein aufsehenerregender Fünfsatzsieg über Rafael Nadal. Was damals in Wimbledon niemand ahnte - es war das bislang letzte Spiel des Spaniers, von dem es heißt, er werde nach seiner Knieverletzung demnächst wieder zum Training auf den Platz zurückkehren und möglicherweise zu Beginn des Jahres sein Comeback feiern.
Spanien favorisiert
Das Fehlen des Superstars ist die größtmögliche Schwächung für die Titelverteidiger, die allerdings selbst ohne ihren besten Spieler zumindest auf dem Papier immer noch als leichter Favorit in das Finale gehen können. David Ferrer ist in der Weltrangliste mit Platz fünf einen Rang vor Berdych plaziert, Nicolas Almagro steht auf Position 11 deutlich weiter vorne als Stepanek (37.).
Und auch wenn Berdych und Stepanek beim Halbfinalsieg in Argentinien bewiesen, dass sie ein nervenstarkes Doppel bilden, könnte ihre Aufgabe nun im Endspiel nicht schwerer sein. Die Spanier Marcel Granollers und Marc Lopez haben gerade in London bei ihrem Debüt das World Tour Final der besten Doppelspieler des Jahres gewonnen.
“Dürften wir zu Hause spielen, würden wir natürlich auf Sand antreten“, sagt der spanische Davis-Cup-Kapitän Alex Corretja. Doch der Heimvorteil liegt diesmal auf der tschechischen Seite, und folgerichtig hat Corretjas Kollege Jaroslav Navratil das komplette Gegenteil gewählt und einen Boden ausgesucht, der den Schlägen von Berdych und Stepanek nichts von ihrer Geschwindigkeit nehmen soll. Neben der Unterstützung der 13.800 Zuschauer also ein weiterer Vorteil für die Tschechen.
Spanische Seriensieger
Doch die Zeiten, als sich spanische Spieler nur auf Sand ausgesprochen gut zurechtfanden, sind lange vorbei, und das bewies zuletzt Ferrer eindrucksvoll. Er gewann vor zwei Wochen in Paris das Masters-Turnier in der Halle und verpasste in London den Einzug in das Halbfinale nur knapp.
Das bescherte dem stillen und bescheidenen Spitzenspieler der Spanier allerdings etwas mehr Zeit für die Regeneration vor dem Showdown des Tennisjahres. Dass er das Team statt Nadal anführen wird, macht Ferrer nicht besonders nervös. „Jeder Punkt zählt genauso viel, und wer sie holt, ist vollkommen egal“, sagt Ferrer, der eine Mannschaft hinter sich weiß, die wie keine andere den im Davis Cup nötigen Teamgeist verkörpert. Diese Geschlossenheit hat die Spanier zur erfolgreichsten Nation in diesem Jahrtausend gemacht.
Der Triumph vor zwölf Jahren gegen Australien, damals mit Corretja als Spieler, war der erste Erfolg der Spanier im Davis Cup überhaupt. Es folgten der Sieg 2004 gegen die Vereinigten Staaten bei Nadals Debüt sowie 2008 in Argentinien, 2009 gegen Tschechien und 2011 wieder gegen Argentinien. Berdych und Stepanek waren vor drei Jahren bei der Niederlage schon dabei, glauben aber an ihre vielleicht einmalige Chance. „Falls Spanien gewänne, wäre es nur ein weiterer Titel für sie. Aber wir können Geschichte schreiben“, sagt Berdych.