Home
http://www.faz.net/-gub-u6qv
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Davis Cup Alles wegen Boris

09.02.2007 ·  Namensvetter Boris Becker ist für ihn immer ein Ansporn gewesen, aber Benjamin Becker ist klar, dass er die Erfolge des deutschen Tennisheros wohl nie erreichen wird. In sein erstes Davis-Cup-Match an diesem Freitag geht er als Außenseiter.

Von Wolfgang Scheffler
Artikel Bilder (5) Lesermeinungen (0)

Schon bevor Benjamin Becker an diesem Freitag in Krefeld das zweite Einzel im Davis Cup gegen den kroatischen Spitzenspieler Ivan Ljubicic bestreitet, hat Patrik Kühnen seinen saarländischen Landsmann schon einmal ins kalte Wasser geworfen. Beim offiziellen Team-Dinner am Mittwochabend rief der Team-Kapitän seinen verdutzten Neuling nach vorne und bat ihn, auch ein paar Worte an die kroatischen Gäste zu richten. Der 25-jährige Mettlacher machte auch als Redner eine glänzende Figur.

Charmant sagte er in Deutsch und Englisch seinen kommenden Gegnern Ljubicic und Mario Ancic im Erstrundenspiel das Davis Cups, dass er, egal wie die Matches auch ausgehen mögen, diese Partien nie vergessen werde. Denn für ihn sei es schließlich das erste Mal. Der junge Mann hat in vier Jahren College-Studium an der Baylor-Universität in Waco/Texas nicht nur vorzüglich Tennis spielen gelernt. Er hat seine Sprachkenntnisse in Englisch, die Lingua franca seines neuen Berufs Tennisprofi, perfektioniert. „Ich bin nach Amerika gegangen, weil ich als Person reifen wollte“, sagte er.

„B. Becker“ auf der Brust

Kostproben dieses Reifeprozesses hat er im Vorfeld seines Debüts in der deutschen Tennis-Nationalmannschaft immer wieder gegeben. Er spielte ganz bescheiden seinen Erfolg in der dritten Runde der US Open im Vorjahr gegen Andre Agassi, mit dem er den Amerikaner in den Ruhestand verabschiedete, herunter: „Ich war nur zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Jeder konnte sehen, dass Andre nicht fit war. Bei jedem anderen Turnier wäre er gar nicht angetreten.“ Gerne würde Becker dem Amerikaner noch einmal über den Weg laufen, um ihm auch persönlich zu sagen, dass er sich auf diesen Sieg nichts einbilde.

Stolz ist er dagegen, was er als Spätstarter im Tennis erreicht hat: „Ende letztes Jahres stand ich in der Weltrangliste noch auf Platz 1400. Jetzt bin ich als 49. unter den Top 50 in der Welt.“ Und jetzt trägt er sogar erstmals einen Nationalmannschafts-Trainingsanzug mit dem Schriftzug „B. Becker“ auf der Brust – ein Name, der im deutschen Tennis die allerschönsten Erinnerungen hervorruft. Am Mittwochabend sah sich das deutsche Team gemeinsam auf DVD einen Fernsehfilm aus dem Jahre 1988 über Boris Becker an.

„Ich habe nichts zu verlieren“

Der neue Becker, Spitzenspieler Thomas Haas, der an diesem Freitag um 13.45 Uhr (Live-Übertragung im DSF) gegen Mario Ancic die Eröffnungspartie bestreitet, und die Doppelspieler Alexander Waske und Michael Kohlmann, amüsierten sich prächtig. Und bei Benjamin Becker rief es Erinnerungen hervor. „Ich habe wegen Boris mit Tennis angefangen.“ Beim ersten Wimbledonsieg des Leimeners 1985 war er zwar erst vier Jahre alt, aber dafür erinnert er sich lebhaft daran, wie er mitten in der Nacht aufgestanden war, um Beckers Finalsieg bei den Australian Open 1991 live am Fernsehschirm mitzuerleben: „Danach bin ich rausgegangen und habe Bälle gegen die Hauswand geschlagen.“

Namensvetter Boris Becker ist für ihn immer ein Ansporn gewesen, aber ihm ist auch klar, dass er die Erfolge des deutschen Tennisheros wohl nie erreichen wird. Ihm geht es erst einmal darum, unter die Top 20 der Branchenhackordnung vorzustoßen, vor allem aber in Krefeld eine gute Figur gegen zwei vermeintlich übermächtige Gegner – Ljubicic wird in der Weltrangliste auf Rang acht, Ancic auf neun geführt – abzugeben. „Es ist vielleicht ganz gut, dass ich gegen so gute Gegner spiele. Da habe ich nichts zu verlieren.“ Und selbst, wenn es Niederlagen setzen sollte, wird das die positiven Eindrücke der Woche in Krefeld nicht verwischen: „Es ist die beste Woche, die ich im Tennis je hatte.“

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1948, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Nicht gewonnen, nicht verloren

Von Peter Heß

Im Formel-1-Tempo sollte in der durch Korruptionsvorwürfe durchgeschüttelten Fifa aufgeräumt werden. Im Moment bewegt sie sich mit der Geschwindigkeit eines Motorrollers. Mehr 1