24.09.2007 · Noch hat Tommy Haas sich nicht festgelegt, doch nach der Halbfinalniederlage gegen Russland bestehen Zweifel, ob es ein Wiedersehen mit dem derzeit besten deutschen Tennisspieler im Davis Cup gibt.
Von Peter Penders, MoskauWar das schon sein letztes Spiel im Davis Cup für Deutschland? Die Antwort darauf mochte Tommy Haas am Sonntag noch nicht geben, und es bestehen zumindest leichte Zweifel, ob es ein Wiedersehen gibt. Gründe, die dagegen sprächen, fänden sich für Haas mehr als genügend. Er ist schließlich mit einer Ausnahme seit zehn Jahren immer dabei, selbst als Deutschland nicht in der Weltgruppe spielte. Aber mit mittlerweile 29 Jahren ist er nicht mehr der Allerjüngste in diesem Verdrängungswettbewerb, dem sich Tennisprofis Woche für Woche stellen müssen. Seine Verletzungsanfälligkeit hat zugenommen, zudem scheint sein Körper empfänglich für Virusinfektionen – das alles sind Argumente, die Haas abwägen muss gegen das einzige Ass, dass Teamchef Patrik Kühnen in der Hand hält: den Spaß, in einer Mannschaft für Deutschland zu spielen, und ihren Traum, einmal den Davis Cup zu gewinnen.
Die Chance in diesem Jahr ist verpasst. Ein Finale im eigenen Land gegen das amerikanische Team mit Andy Roddick und James Blake hätte bei vielen Erinnerungen an die goldene Zeit Ende der achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts geweckt, als Tennis in Deutschland en vogue war. Aber allzu sehr grämen muss sich dieses deutsche Team nicht.
Sensation nicht geschafft
Im Gegensatz zu 1995, als Boris Becker und Michael Stich ebenfalls mit einem 2:3 in Moskau die Finalteilnahme gegen das amerikanische Team mit Pete Sampras und Andre Agassi in den Sand setzten, waren ihre Nachfolger als krasse Außenseiter angereist. Sie haben nichts verspielt, sie haben nur die Sensation nicht geschafft. Es wäre aber nur zu aberwitzig gewesen, wenn Deutschland nach den vielen Jahren, als es sich mit den aktuellen oder ehemaligen Top-Ten-Spielern Haas, Kiefer und Schüttler gut aufgestellt wähnte und nichts erreichte, nun durch Punkte von Kohlschreiber, Waske und Petzschner den Einzug ins Finale geschafft hätte.
An einer Tendenz aber hat sich nichts geändert, auch wenn das Finale in greifbare Nähe gerückt war: Für einen deutschen Triumph müssten viele Faktoren zusammentreffen, und dazu gehört, dass sich das Team nicht so leicht ausrechenbar präsentiert. Wer gegen Deutschland daheim antritt, wählt fast immer einen Sandboden, weil dies der Belag ist, auf dem Haas eher schlecht als recht zu Werke geht. Die Chancen von Ländern wie Russland, das je nach Bodenbelag seine Aufstellung variiert, sind deshalb ungleich größer, und nicht zufällig haben die Russen zum dritten Mal in den vergangenen fünf Jahren nun das Finale erreicht.
Hoffnung, dass Haas nicht gänzlich ade sagt
Auch deshalb aber muss Kühnen darauf hoffen, dass sein Spitzenspieler nicht gänzlich verlorengeht. Die neue Generation um Philipp Kohlschreiber und Philipp Petzschner hat in Moskau zwar schon gezeigt, dass sie den Anschluss geschafft hat, aber ein Verzicht von Haas würde die Möglichkeiten wieder stark einschränken. Und eine Hoffnung bleibt ohnehin, dass Haas nicht gänzlich ade sagt. Wer möchte als Weltklasse-Tennisprofi schon in seinem Lebenslauf stehen haben, bei seinem letzten Davis-Cup-Einsatz erst 2:6, 2:6 und 2:6 verloren und dann krank gefehlt zu haben? So einen Abschied durch die Hintertür hätte er nicht verdient.