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Darts : Taylor siegt als Stehaufmännchen

Drei Pfeile für ein Halleluja: Phil Taylor ist zum sechzehnten Mal Weltmeister Bild: AFP

Phil Taylor hat es noch einmal allen gezeigt: Der Rekordweltmeister im Darts hat seiner Sammlung den 16. Weltmeistertitel hinzugefügt. Beim 7:4-Endspielsieg bewies „The Power“ gegen den Niederländer Michael van Gerwen Kämpferqualitäten.

          Der Meister hatte vor Nervosität auf den Flügeln seiner Darts gekaut. Die Pfeile drehten sich vor jedem Wurf ein wenig in den ungewohnt zittrigen Fingern. Die Ikone seines Sports hatte mehrere Male gequält gelächelt, als sein dominanter Gegner Michael van Gerwen mal wieder die Pfeile traumwandlerisch sicher in die richtigen Felder warf. Gut anderthalb Stunden lang sah der Rekordweltmeister wie der sichere Verlierer des Endspiels um die begehrteste Krone des Darts-Sports, den Weltmeistertitel des Profiverbands Professional Darts Corporation (PDC), aus.

          Und er konnte auch seine Zweifel am eigenen Leistungsvermögen kaum verbergen. Aber am Ende hieß der Sieger doch wieder Phil Taylor. 7:4 nach Sätzen bezwang der 52 Jahre alte Engländer seinen 23 Jahre alten Herausforderer aus den Niederlanden. Zum 16. Mal darf sich Taylor nun Weltmeister nennen.

          Wieder einmal ist er seinem Ehrentitel „The Power“ gerecht geworden. Und vor allem darf er sich darüber freuen, dass er es seinen Kritikern, die schon die Götterdämmerung in der Welt der Pfeilewerfer ausgerufen hatten, noch einmal gezeigt hat. Denn als sein Gegner im siebten Satz erstmals eine kleine Schwäche offenbarte, war Taylor zur Stelle und nutzte seine Chance. Anschließend gewann er fünf Sätze in Serie und den Titel. „Michael van Gerwen hat mich verdammt unter Druck gesetzt und zum Sieg getrieben“, sagte Taylor. „Ich bin unglaublich stolz, dass ich meinen 16. Titel gewonnen habe.“

          Verunsichert zu Turnierbeginn

          Auf diesen Erfolg hatte nur wenig hingedeutet im abgelaufenen Jahr: Zu oft hatten die anderen Weltklassespieler in den vergangenen Monaten den Helden der Branche geschlagen, der seine 26 Gramm schweren Pfeile seit zwei Jahrzehnten so traumwandlerisch sicher in den richtigen der winzigen Felder der 2,37 Meter entfernten Dartscheibe versenkt. Obwohl Taylor einmal mehr die Geldrangliste der PDC anführte und somit als Nummer eins der Setzliste ins Turnier ging, war die allgemeine Furcht vor einem Duell mit dem jahrelang nahezu unschlagbaren Taylor der Lust auf einen weiteren kleinen Beitrag zu den Abrissarbeiten am Denkmal gewichen.

          König und Herausforderer: Phil Taylor (l.) besiegt Michael van Gerwen
          König und Herausforderer: Phil Taylor (l.) besiegt Michael van Gerwen : Bild: dapd

          Entsprechend verunsichert war auch Taylor. Seine ersten Auftritte im Turnier schienen die Selbstzweifel wie auch die Urteile der Experten zu bestätigen. Während seine Konkurrenten mit ihren jeweils drei Würfen einer Aufnahme im Schnitt rund 100 Punkte erwarfen, zielte Taylor die entscheidenden Millimeter daneben und musste sich immer wieder mit Werten um die 90 begnügen. Das Formtief brachte schlechte Laune mit sich, nach seinem Zweitrunden-Match beschwerte sich ein gereizter Taylor gar über eine angeblich zu späte Ansetzung seines Duells mit dem Niederländer Gerry Hendriks, das er erst weit nach Mitternacht beenden konnte. Der miesgelaunte Champion, der in den beiden vergangenen Jahren bei der WM vorzeitig ausgeschieden war, ließ gegen jede Gewohnheit sogar Pressetermine platzen und zog schmollend von dannen.

          Rempelei mit van Barneveld

          Als er freilich nach vier Tagen Weihnachtspause in den Alexandra Palace, eine Veranstaltungshalle auf dem Muswell Hill im Norden Londons, zurückgekehrt war, sah die Darts-Welt plötzlich einen anderen Taylor. Er traf wieder mit gewohnter Regelmäßigkeit in die Dreifach-20, das wertvollste der 82 Felder der Dartscheibe, das einen Spieler beim Herunterspielen der 501 Punkte eines jeden Spiels am schnellsten voranbringt. Taylor traf auch wieder die Doppel-Felder, mit denen ein Spiel punktgenau beendet werden muss. Und er sicherte sich, über vier Runden gerechnet, in Serie 15 Sätze, für die er jeweils drei Einzelspiele gewinnen musste.

          Dennoch zeigte er nach seinem Halbfinalsieg einmal mehr Nerven: Nur mit Not rettete sich Taylor nach einer 5:1-Satzführung gegen seinen Erzrivalen Raymond van Barneveld zum Sieg, ehe er beim obligatorischen Handshake nach dem Duell seinen niederländischen Gegner anrempelte und von sich stieß. „Das Ganze war in der Hitze des Gefechts passiert und tut mir unendlich leid“, sagte Taylor später. Er entschuldigte sich und versicherte, dass er auch mit van Barneveld nach einem Telefonat wieder im Reinen sei.

          Ende in Sicht?

          Zumindest mit sich selbst war er im Endspiel wieder im Reinen: Denn mit einer unfassbaren Geduld und Beharrlichkeit kämpfte sich Taylor in ein Match zurück, in dem ihn sein Gegner eigentlich schon nahezu besiegt hatte. Van Gerwen, der gerade geboren war, als die Darts-Ikone 1990 noch im Konkurrenzverband British Darts Organisation (BDO) ihre Titelsammlung mit dem ersten Weltmeisterschafstriumph eröffnet hat, erzielte wie im gesamten Turnierverlauf einen bemerkenswert hohen Punkteschnitt. Doch dann kam das Stehaufmännchen Taylor zurück und gewann.

          Nach seinem Sieg weckte der dank seiner Wurfkunst zum Multimillionär gewordene einstige Hilfsarbeiter freilich selbst die Hoffnungen der Gegner auf ein Ende der Ära. „Ich werde nun 53“, kokettierte er mit seinem Alter. „Die Gegner wie Michael van Gerwen werden immer besser. Mal schauen, wie lange ich da noch mithalten kann.“

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