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Comeback-Versuche : Rückkehr in die Zukunft

Lance Armstrong: Die merkwürdige Rückkehr eines Sportlers Bild: AP

Früher stand „Comeback“ für den Versuch, wieder derjenige zu werden, der man einmal war. Weltmeister. Wimbledon-Gewinner. Ein Sieger. Lance Armstrong hingegen erfand sich selbst neu. Botschaften versendend, radelt er in eine neue Superman-Dimension.

          Hallo Schatz, wie war deine Woche? Ein beliebter Einstiegssatz für mürrisch kurze Antworten. Doch manche Männer sind mitteilsam. „Dienstag früh aufgestanden, Amtseinführung verfolgt. Schwierige, aber aufregende Zeiten.“ - „Bin jetzt auf dem Massagetisch.“ - „Bergab 102 Stundenkilometer gefahren.“ - „Chatten mit den Kindern.“ - „George und ich gehen aus auf ein Bier.“ - „Zeit fürs Bett. Gute Nacht.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Es gibt zwei Menschen, über deren Alltag die Welt in diesen Tagen so gut wie alles erfahren kann. Der andere heißt Barack Obama. An Lance Armstrong kommt auch er nicht heran. Der Radfahrer aus Texas hat allein seit seiner Ankunft in Australien für die Tour Down Under über hundert Botschaften von maximal 140 Buchstaben in seinen Blackberry getippt. Jeder kann sie bei „Twitter“ mitlesen, kommentieren und erfahren, wo Armstrong gerade ist: im Sattel, im Restaurant, bei Krebspatienten, bei Werbeaufnahmen, im Gespräch mit Politikern oder, „Überraschung, Überraschung“, wie er schreibt: beim Dopingtest. Lance Armstrong bei Twitter

          Obama ist das Comeback einer Nation

          Auch Obama bekam eine Botschaft von Armstrong, eine kleine Ansprache, 44 Sekunden Film auf der Website von dessen Krebs-Stiftung „Livestrong“. „Es ist ein großer Tag. Ich wünsche Präsident Obama alles Glück“, sagt Armstrong im Radtrikot auf einem Hotelbett in Adelaide. „Die neue Regierung bringt neue Hoffnung und Inspiration für unsere Gesellschaft. Krebspatienten in aller Welt hoffen, dass sie Krebs zu einer nationalen und internationalen Priorität machen wird“ (siehe auch: Lance Armstrong: Der Despot als Wohltäter).

          Heute ist ein „Becker-Comeback”, wenn er sich mit einer Ex-Freundin neu liiert: Boris und seine „Come-Beckerin” Lilly (l.)
          Heute ist ein „Becker-Comeback”, wenn er sich mit einer Ex-Freundin neu liiert: Boris und seine „Come-Beckerin” Lilly (l.) : Bild: AP

          Obama, das ist der Neubeginn. Oder zumindest der Traum davon: Comeback einer Nation. Armstrong, das ist nur das Comeback eines Sportlers. Aber eines auf völlig neue Weise. Früher stand „Comeback“ für den Versuch, wieder der zu werden, der man war. Weltmeister. Wimbledon-Gewinner. Ein Sieger. Boxer mit großen Namen und alten Körpern ließen sich dafür die richtigen Gegner hinstellen und verbreiteten einen Hauch von Jahrmarkt-Boxbude. Der Tennisspieler Björn Borg glaubte, er müsse alles nur genauso tun wie früher, bis hin zum alten Holzschläger, und erzeugte nur Langeweile.

          Armstrong 2005 war Superman, Armstrong 2009 ist Clark Kent

          Armstrong 2009 ist anders. Es ist ein Comeback als Versuch, sich selbst neu zu erfinden. Und damit zugleich: das Comeback neu zu erfinden. Der neue Armstrong ist der Sportler im Zeitalter der totalen banalen Kommunizierbarkeit des alltäglichen Daseins. Hier kommt er nicht mehr als kalter Heros rüber, sondern als cooler Kumpel. In der Gestaltung seines öffentlichen Bildes, erzeugt in Arbeitsteilung wie in einer politischen Kampagne - das Team daheim, der Boss auf Tour -, erreicht er eine fast wahlkampfartige Virtuosität.

          Er nutzt die schnelle, direkte Kommunikation, Twitter-Texte, Web-Ansprachen, Fotos, Filme, schafft einen Strom rasender Informations-Moleküle. So gelingt es ihm, den Filter des Journalismus - ohnehin eine gefährdete Einrichtung in Zeiten der kosten- und filterlosen Medien des Internets und der mobilen Kommunikation - zu umgehen.

          Armstrong 2005 war Superman. Armstrong 2009 ist Clark Kent. Einer von nebenan. Der gute Kumpel. Der Gutes tut. Der mit dir und mir ein Bier trinken würde. Und der sich im Sommer womöglich wieder in Superman verwandelt und die Tour de France gewinnt. (siehe: Lance Armstrong: Selbstdarsteller oder Menschenfreund? )

          Heute ist ein „Becker-Comeback“, wenn er sich mit einer Ex-Freundin neu liiert

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