Home
http://www.faz.net/-gub-6zq56
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Chisora gegen Haye „Eine schwarze Stunde“

 ·  Dereck Chisora und David Haye sind vom britischen Verband suspendiert. Nun wollen sie am 14. Juli mit luxemburgischer Lizenz gegeneinander antreten. Und die ARD will mit Gebührengeldern wohl das üble Spiel unterstützen.

Artikel Bilder (2) Video (1) Lesermeinungen (0)
© dpa Noch steht ein Gitter zwischen Dereck Chisora (r.) und David Haye, bald sollen die Fäuste fliegen

Die Berufsboxszene liefert einen neuen Beleg für ihre Unseriosität, und die ARD will mit Gebührengeldern offenbar ein übles Spiel unterstützen: Der geplante Boxkampf des vom britischen Verband suspendierten Dereck Chisora gegen seinen Landsmann David Haye hat Unverständnis und Proteste ausgelöst. „Das ist eine Schande. Das ist eine schwarze Stunde für das Boxen“, sagte Thomas Pütz, Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB).

Das Duell der britischen Schwergewichtler wurde am Dienstag in London angekündigt. Am 14. Juli soll im 35.000 Zuschauer fassenden Fußballstadion von West Ham United geboxt werden. Wegen der blutigen Prügeleinlage gegen Haye bei einer Pressekonferenz in München vor drei Monaten sowie Ohrfeigen und Spuckattacken gegen die Klitschko-Brüder ist Chisora vom britischen Verband auf unbestimmte Zeit die Lizenz entzogen worden.

Die Strafe umgeht er, indem er sich eine Lizenz des luxemburgischen Verbandes FLB besorgte. Die Luxemburger statten auch den früheren Weltmeister Haye mit einer Boxerlaubnis aus. Die britische Lizenz hatte er im vergangenen Herbst zurückgegeben. „Der britische Verband wird der Lächerlichkeit preisgegeben“, sagte Pütz. „Was sind Sanktionen gegen Sportler wert, die einfach ausgehebelt werden? Jetzt muss der europäische Verband eingreifen.“

Chisoras Manager Frank Warren bezeichnete den Winkelzug „als völlig legal“. Für den britischen Verbandspräsidenten Charles Giles ist das Vorgehen jedoch inakzeptabel. Sein Verband hat jedoch kaum Möglichkeiten, gegen das Duell in seinem Bereich einzuschreiten. „Der britische Verband könnte mit einer einstweiligen Verfügung dagegen vorgehen. Dann würde Warren aber vor das europäische Arbeitsgericht in Straßburg ziehen“, sagte Jean-Marcel Nartz, Vorstandsmitglied des Europa-Verbandes EBU. Die EBU, erklärte Nartz, habe keine Möglichkeit, Sanktionen gegen den luxemburgischen Verband zu verhängen.

Pütz und Nartz äußerten ihr Unverständnis über die Ankündigung, dass die ARD das Duell übertragen wolle. „Schlimm, dass sich ein öffentlich-rechtlicher Sender dafür hergibt“, sagte Pütz. „Dann kann er gleich Schlammcatchen und Käfigkämpfe zeigen.“ Nartz empörte sich: „Das stinkt nach Unseriosität.“ Im Rahmen des Kampfabends soll Weltmeister Alexander Powetkin aus Russland seinen Schwergewichtstitel gegen den Amerikaner Hasim Rahman verteidigen. Ein ARD-Sprecher bestätigte der Deutschen Presseagentur, dass zum gegenwärtigen Zeitpunkt beide Kämpfe übertragen werden sollen.

Powetkin boxt für den Berliner Sauerland-Stall. Pütz ist dafür, allen Boxern die Lizenz zu entziehen, die bei der Veranstaltung auftreten. Der Sauerland-Stall versteht die Aufregung nicht. „Moralisch ist das nicht verwerflich. Chisora ist nicht gesperrt worden, man hat ihm nur die Lizenz entzogen. Jetzt hat er eine andere. Wir haben schließlich Berufsfreiheit“, sagte Christian Meyer, Geschäftsführer des Sauerland-Stalls.

Eklat nach Klitschko-Kampf: Chisora geht in Runde 13

Box-Weltmeister Wladimir Klitschko übte am Mittwoch harsche Kritik an dem geplanten Fight zwischen Chisora und Haye. „Das ist eine Freak-Show mit Freak-Regeln“, sagte der 36 Jahre alte Schwergewichtler aus der Ukraine dem britischen Rundfunksender BBC Radio 5 live. Der Kampf sei „ein Schlag ins Gesicht des British Boxing Board of Control“. „So einem Mann eine Lizenz zu geben ist eine Schande für den Sport“, sagte der WBO-, IBF- und WBA-Champion über Chisora. Haye, der seine Boxlizenz im Herbst vergangenen Jahres freiwillig abgegeben hatte, erhält ebenfalls eine Erlaubnis vom luxemburgischen Verband.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Schweres Erbe

Von Peter Hess

Gesiegt haben die Bayern früher schon, aber noch nie so schön wie in dieser Saison. Pep Guardiola ist um seinen Job als Nachfolger von Jupp Heynckes wirklich nicht zu beneiden. Mehr

Ergebnisse, Tabellen und Statistik