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Chagaev gegen Walujew Verschwörungstheorien nach der Absage

01.06.2009 ·  Nach der Absage des WM-Kampfs zwischen Chagaev und Walujew machen Verschwörungstheorien die Runde. Wem kann jetzt der Schwarze Peter für die Pleite zugeschoben werden. Die fieberhafte Suche hat begonnen.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Helsinki
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Es sollte die erste Schwergewichts-Weltmeisterschaft in Finnland werden. Doch aus dem für den vergangenen Samstagabend geplanten Duell in Helsinki zwischen Ruslan Chagaev und Nikolai Walujew ist die bislang größte Boxpleite in Skandinavien geworden. Statt mit den Fäusten zu klären, wer denn fortan als der wahre Champion der World Boxing Association (WBA) zu führen ist, hat die fieberhafte Suche nach denjenigen begonnen, denen der Schwarze Peter für den ausgefallenen Hauptkampf zugeschoben werden kann.

Verschwörungstheorien für den auch von der ARD beworbenen Fight haben Hochkonjunktur. Dreißig Stunden vor dem ersten Gong erwischte der Generalsekretär des finnischen Berufsboxverbandes so manchen auf dem falschen Fuß. Weil Chagaev nicht die medizinischen Voraussetzungen erfülle, könne seinem Start nicht zugestimmt werden, so Partti Augustin. Vorausgegangen war ein in einer finnischen Klinik am Donnerstag vorgenommener Bluttest Chagaevs.

Ein zuvor vorgelegter Befund des Arbeitgebers des Usbeken hatte Spurenelemente von Hepatitis B nachgewiesen. Die bewegten sich laut Universum Box Promotion unterhalb jenes Grenzwertes, der in Deutschland toleriert werde. Also im gleichen Rahmen wie vor drei Jahren beim ersten Duell zwischen Chagaev und Walujew, als der russische Champion entthront wurde. Dennoch habe in Helsinki Ansteckungsgefahr bestanden.

Am Mittwoch hatte der finnische Verband auf dem aktuellen Bluttest bestanden. Noch am gleichen Tag kursierten Gerüchte, wonach mit Ersatzgegnern für Walujew verhandelt wurde. In dem in Sydney erscheinenden „The Daily Telegraph“ wurde der Ausfall Chagaevs bereits als Fakt vermeldet, lange bevor die Entscheidung öffentlich wurde. Im Universum-Lager machte der Verdacht die Runde, dass das konkurrierende Unternehmen von Wilfried Sauerland, Promoter des Russen Walujew, Chagaev erfindungsreif aus dem Wege gehen wollte.

„Ich bin in guter Form, ich verstehe die Boxpolitik nicht“

Sauerland wiederum machte dem Hamburger Boxstall den Vorwurf, fahrlässig gehandelt zu haben, denn man hätte von den strikten medizinischen Kriterien für Boxer auf finnischem Boden wissen müssen. Die Idee, Skandinavien mit der Box-WM zu beglücken, wurde im Hause Sauerland realisiert, nachdem das Berliner Unternehmer den Bieterkampf um die höchste Börse und damit das „Heimrecht“ gewonnen hatte.

Die WBA hat sich eine Frist von sieben Tagen ausbedungen, wie es nun mit den beiden momentan als Weltmeistern geführten Champions weitergeht. Am Samstag währte der Austausch der Argumente beider Boxställe im Beisein der Würdenträger der WBA hinter verschlossener Tür geschlagene zweidreiviertel Stunden. Auch die verhinderten Boxer waren zugegen. Den Tränen nahe sagte Chagaev: „Ich bin gesund, ich bin in guter Form, ich verstehe die Boxpolitik nicht.“ Damit steht er nicht allein.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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