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Abenteurer Carlo Drechsel : Der Wellensucher

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Hinein ins Vergnügen: Nicht immer ist klar, was sich unter der Wasseroberfläche verbirgt Bild: Drechsel

Ein unglaublicher Surftrip: Carlo Drechsel umrundet Afrika und findet, was er sucht – die besten Wellen und die Gastfreundschaft eines Kontinents, der ganz anders ist als sein Ruf. Der Darmstädter schreibt über seine Erlebnisse.

          Lagos, Nigeria. 18 Millionen Menschen offiziell, eine der verrücktesten Städte der Welt. Wir kämpfen uns durch den Verkehr, der diese Stadt erstickt, steigen in ein Boot, mit dem wir durch die Kanäle ballern, vorbei an Kanus, Motorbooten, Fähren, Yachten und Supertankern. Und dann ist sie da, die beste Welle Nigerias, versteckt zwischen den Hafenmolen von Lagos. Während wir surfen, haben John und ich die Skyline vor Augen und unzählige rostige Schiffe im Nacken, viele von ihnen ohne Motor und Crew - ein schwimmender Friedhof aus Containerschiffen. Ziehen Stürme vor der Küste auf, spülen sie immer wieder gigantische Tanker an.

          Ein paar Tage ist es her, da stehe ich an der Grenze von Benin nach Nigeria - „the toughest border of Africa“, wie es heißt. Ich passiere sie ohne Probleme, aber auf den nächsten 30 Kilometern werde ich bestimmt 30 Mal angehalten. Es wechseln sich Einheiten von Zoll, Einwanderung, Militär, Polizei, Gesundheit ab. Es ist zwölf Uhr, nicht gerade Berufsverkehr, doch bereits 50 Kilometer vor dem Stadtkern von Lagos stehen die Autos Stoßstange an Stoßstange. Auch mein alter Pajero klebt am Vordermann, weil der Typ hinter mir jedes Mal ausrastet, wenn ich nur einen Zentimeter Freiraum lasse. Es ist typisch afrikanisch, eines der wenigen Klischees, das stimmt: Sie tun den ganzen Tag, als hätten sie alle Zeit der Welt, doch einmal ins Auto gestiegen, rudern und schreien sie wie durchgeknallte Börsianer an der Wall Street.

          Mein T-Shirt klebt, die Luft steht

          Mein T-Shirt klebt, es ist Regenzeit, die Luft steht. Mein Pajero Baujahr 93 hat keine Klimaanlage, ich habe die Fenster geschlossen und die Türen verriegelt. Die Horrormeldungen aus Nigeria haben mich verunsichert. Und die Nachricht, die ich vor ein paar Tagen in Benin bekommen hatte. In Nigeria war ein französischer Tourist erschossen worden, es war Denis, den ich in Ghana getroffen hatte und der, wie ich, auf dem Weg nach Kapstadt war.

          Ich habe mein Fenster ein wenig geöffnet, da steht ein Mann mit einer Maschinenpistole vor mir. Ein Polizist, der mich aus dem Verkehr zieht. Es folgt die übliche Debatte. Der Polizist erfindet Beschuldigungen. Er droht mit Festnahme, er droht, mein Auto zu beschlagnahmen, er droht, die Luft aus den Reifen zu lassen. Am Ende knicke ich ein, ich habe heute nicht die Nerven, obwohl ich lange genug unterwegs bin, um zu wissen: Man muss nur lange genug geduldig bleiben und freundlich, dann bekommt man auch die hartnäckigsten Geldeintreiber los. Diesmal gebe ich dem Polizisten umgerechnet sieben Euro und fahre zurück ins Chaos.

          Einen alten Pajero, ein paar Surfboards und eine ordentliche Portion Mut: Das sind die Zutaten für die spektakuläre Reise von Carlo Drechsel Bilderstrecke

          Stunden später komme ich in Victoria Island an, einem der besseren Bezirke von Lagos. Ich treffe John. Ein Surfer in Ghana hatte mir den Kontakt vermittelt. „Du willst durch Nigeria nach Kamerun fahren?“, sagt er. „Das ist verrückt. Ich werde ein paar Anrufe für dich machen müssen.“ Vermutlich wäre ich auch ohne John irgendwie durch Nigeria gekommen, aber ganz bestimmt nicht ins Wasser, und bestimmt wäre ich nicht zwei Wochen geblieben. Nigeria ist kein einfacher Ort. Hier muss man sich manchmal auf seine Intuition verlassen. Dem richtigen Menschen im richtigen Moment zu vertrauen kann die Offenbarung deines Lebens sein. Dem Falschen, dein Ende.

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