http://www.faz.net/-gtl-8g81r

Golfer DeChambeau : Der Praktikant mit der Schiebermütze

  • -Aktualisiert am

Bryson DeChambeau versucht, sich als Profi-Golfer einen Namen zu machen. Bild: AFP

Bryson DeChambeau versucht, sich in der Welt des Profi-Golfs zu etablieren. Dabei fällt er allerdings mit so ziemlich allem aus der Norm – und ist auch vor Rückschlägen nicht gefeit.

          Alles an Bryson DeChambeau fällt aus der Norm: Alle seine Eisen sind gleich lang (37,5 Zoll, normalerweise die Standardlänge eines Eisen 6), statt Nummern sind auf diesen ungewöhnlichen Arbeitsgeräten die Namen vergangener Größen oder seiner Lieblingslöcher des Masters-Platzes in Augusta eingraviert. Der 22 Jahre alte Amerikaner, der im Hauptfach Physik studiert hatte und Albert Einstein als sein großes Vorbild bezeichnet, trägt während der Turnierrunden eine Schiebermütze, wie sie zu Zeiten des legendären Ben Hogan in den vierziger und fünfziger Jahren des vorigen Jahrhunderts en vogue war.

          Auch die Vorbereitung auf seinen neuen Job als Golfprofi mit einem, wie er es nennt, siebenmonatigen „Praktikum“ war einzigartig. Weil das Golfteam der Southern Methodist University (SMU) aus Dallas wegen Verstößen bei der Rekrutierung von Spielern von allen College-Turnieren ausgeschlossen war, begab sich der amerikanische Amateur- und College-(NCAA-)Champion auf eine Weltreise. In Argentinien, Australien, Abu Dhabi, Qatar, Dubai, Florida und zuletzt beim Masters in Augusta hatte er reichlich Gelegenheit, zu testen, ob er mit den weltbesten Profis mithalten kann. Er konnte es, verpasste kein einziges Mal den Cut, war beim Masters bei Halbzeit in der Spitzengruppe und wurde am Ende mit Rang 21 bester Amateur.

          Profidebüt mit Erfolg

          Am vorvergangenen Wochenende gab der Kalifornier aus Modesto sein Debüt als Profi – mit großem Erfolg. Er belegte in Hilton Head Island in South Carolina den geteilten vierten Platz, kassierte 269.600 Dollar Preisgeld und war damit erfolgreicher als Kollegen, die nach einer glanzvollen Amateurkarriere wie er mit viel Vorschusslorbeer den Wechsel gewagt hatten. Tiger Woods hatte bei seinem ersten Auftritt auf der PGA Tour in Milwaukee 1996 nur Platz 60 belegt, der Nordire Rory McIlroy startete seine Berufslaufbahn 2007 auf der European Tour mit Rang 42. Der Linkshänder Phil Mickelson und der derzeitige Weltranglistenzweite Jordan Spieth verpassten bei ihrem ersten Auftritt gar den Cut. Die Legende Jack Nicklaus durfte zwar mitspielen, verdiente aber nur 33 Dollar – allerdings waren die Preisgelder 1961 im Vergleich zu heute überaus bescheiden.

          Von wegen aus der Mode: Die Schiebermütze ist DeChambeaus Markenzeichen
          Von wegen aus der Mode: Die Schiebermütze ist DeChambeaus Markenzeichen : Bild: AFP

          Heute geht es im Profigolf um Millionen. Weil DeChambeau wie Nicklaus, Mickelson und Woods erst als fünfter Spieler die beiden wichtigsten Amateurtitel der Vereinigten Staaten in einem Jahr gewann, konnte auch er seinen neuen Job ohne große Geldsorgen beginnen. Puma-Cobra nahm den vielversprechenden Neuprofi unter Vertrag. Obwohl Schiebermützen nicht so viel sichtbare Werbeflächen bieten wie die ansonsten von Golfern getragenen Baseball-Kappen, bringt die deutsch-amerikanische Firma gleich eine ganze Kollektion dieser aus der Mode gekommenen Kopfbedeckung auf den Markt. „Wir glauben, dass diese Hogan-Mützen die Chance haben, Kultstatus zu erreichen“, sagt Bob Philion, der Chef von Puma-Cobra.

          Ursprünglich hatte DeChambeau mit seinem neuen Sponsor erwogen, den traditionellen Look mit Knickerbockern zu verstärken. Aber DeChambeau verzichtete darauf: „Es wäre arrogant gewesen. Ich wollte nicht, dass die Kollegen denken, da kommt einer ganz sichtbar als der neue Star.“ Aber, so DeChambeau, wenn er erst einmal seinen Arbeitsplatz auf der PGA Tour dauerhaft gesichert hat, werden auch seine Beinkleider aus dem Rahmen fallen.

          Den ersten Schritt, sich einen Job auf der PGA Tour zu sichern, hat DeChambeau in Hilton Head Island getan, wo er aufgrund einer Sponsoren-Einladung teilnehmen durfte. Als Nichtmitglied der PGA Tour darf er sieben solcher Wildcards erhalten, dazu ist er als amerikanischer Amateurmeister bei drei weiteren Turnieren startberechtigt. Bei diesen zehn Veranstaltungen muss DeChambeau in der Jahreswertung, dem FedExCup, 361 Punkte erreichen, so viel wie der Spieler, der im Vorjahr in diesem Ranking Platz 150 belegte. Schafft er das, kann er unbegrenzt Einladungen annehmen, um am Saisonende unter den Top 125 zu sein, die sich ihren Arbeitsplatz für die nächste Saison sichern. Dazu musste man in der vorigen Saison 747.899 Dollar an Preisgeld verdienen.

          Ein Sporthersteller glaubt an den Kultstatus – und will von den Mützen nun sogar eine ganze Kollektion herausbringen
          Ein Sporthersteller glaubt an den Kultstatus – und will von den Mützen nun sogar eine ganze Kollektion herausbringen : Bild: AFP

          Dass DeChambeau es schafft, ist für McIlroy eine ausgemachte Sache: „Er hat eine rosige Zukunft vor sich. Er kontrolliert den Golfball, beherrscht beide Flugkurven, kann den Ball hoch oder flach schlagen. Er denkt auf dem Platz strategisch und ist ein guter Putter. Er hat alles, um auf der Tour erfolgreich zu sein.“ Aber auch wer über all diese Gaben verfügt, ist vor Rückschlägen nicht gefeit: Am vergangenen Freitag kämpfte DeChambeau bei der Valero Texas Open in San Antonio nach einer schwachen Auftaktrunde von 74 Schlägen (2 über Par) darum, den Cut zu überstehen. Kein Grund zur Sorge: Nach den hektischen letzten Wochen ist er müde und freute sich schon auf golffreie Tage.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Neuer Regierungschef mit alter Linie Video-Seite öffnen

          Polen : Neuer Regierungschef mit alter Linie

          Der neue polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki hat in seiner ersten Grundsatzrede die Interessen seines Landes betont. Unter anderem setzt er weiter auf Kohlekraft.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          SPD und Regierungsbildung : Stabile Gedanken

          Die Union blockt Forderungen der SPD schon jetzt ab. Das wird nicht einfach für Schulz. Immerhin vereint ihn ein stabiler Gedanke – ausgerechnet mit der CSU. Ein Kommentar.
          Schon das Software-Update aufgespielt?

          Diesel-Affäre : Zeit für Mogel-Volkswagen läuft ab

          Wer einen manipulierten Volkswagen besitzt, muss seine Ansprüche schnell geltend machen. Etliche auf Massenverfahren spezialisierte Kanzleien mahnen deshalb zur Eile.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.