Das Team der Brose Baskets Bamberg wird deutscher Basketball-Meister. Für diese Vorhersage muss man kein Hellseher sein. Kein einziges Spiel hat der Champion in der laufenden Saison gegen den Herausforderer ratiopharm Ulm verloren. Nicht in der Vorbereitung im vergangenen Sommer, weder Hin- noch Rückspiel im Ligabetrieb, nicht das Pokal-Halbfinale und nun auch die ersten beiden Final-Begegnungen um den nationalen Titel nicht.
Nun bieten sich dem Ensemble von Trainer Chris Fleming drei Matchbälle für den entscheidenden dritten Sieg. Schon an diesem Sonntag (14.30 Uhr), glaubt alle Welt, wird Bamberg zum dritten Mal nacheinander deutscher Meister. Das ist Ulms Chance.
Es hat schon dramatischere Spiele um die nationale Krone gegeben. Kämpfe bis zur letzten Sekunde, begleitet von allen möglichen Nebengeräuschen, den Versuchen, die Stabilität des Gegners mit Scharmützeln auf Nebenkriegsschauplätzen zu stören. Das war vielleicht unterhaltsamer, aufregender, in jedem Fall eine aggressivere Auseinandersetzung.
Aber spannungslos ist dieser Vergleich der beiden erfolgreichsten Teams der Saison nicht. Weil sich alles auf Basketball konzentriert, auf die eine Frage: Wird Ulm ein einziges Mal ohne lästige Schwankungen auftreten können, engagiert in der Verteidigung, hochkonzentriert im Angriff?
Falsche Entscheidungen, wilde Dribblings
Im ersten Play-off-Spiel (72:98) enttäuschte das Team von Trainer Thorsten Leibenath mit einer überraschend uninspirierten Verteidigung. Im zweiten (70:86) stimmte der kämpferische Einsatz. Aber in den entscheidenden Momenten fehlte die Kraft für kluge Spielzüge im Angriff. Als sei mit der Hatz nach dem Ball die Energie für die Kreativität im Angriff verlorengegangen: falsche Entscheidungen, wilde Dribblings, schlechte Pässe und Wurfpositionen.
Spiele gewinnt man mit einem guten Angriff, sagt eine alte Basketball-Weisheit: Meisterschaften nur über die Verteidigung. Diese Lehre mag eine Motivationshilfe sein, all die Kreativen, punktegeilen Artisten an unerlässliche Kärrnerarbeit zu mahnen. Aber sie stimmt nur zur Hälfte. Wer Meisterschaften gewinnen, wer Bamberg schlagen will, muss, gemessen am Bundesliga-Niveau, auf allen Ebenen nahezu perfekt spielen. Ulm ist noch nicht so weit.
Spielt Bamberg mit Ulm?
Dass Spieler wie Isaiah Swann nach einer Sprunggelenkverletzung bislang nicht zur gewohnten Form zurückfanden und Ulm ohnehin nicht über einen so talentierten und ausgeglichenen Kader wie Bamberg verfügt, erklärt Differenzen. Die überlegene Bamberger Physis lässt sich aber ausgleichen. Da prallten die Leiber im zweiten Finale aneinander, da wehrten sich die „kleinen Ulmer“ wie Aufbauspieler Per Günther beim Zug zum Korb keuchend, alle Muskeln anspannend gegen die teils „grenzwertige“ (Trainer Leibenath) Härte der Bamberger Kolosse.
Aber selbst dieser Widerstand reicht nicht, wenn der Moment verpasst wird, in dem Spiele kaltschnäuzig gekippt werden müssen. In der ersten Halbzeit des zweiten Finales vor eigenem Publik hatte Ulm Bambergs Überfallstrategie ausgehebelt, führte und schaute nach den letzten beiden Minuten doch verdattert auf die Anzeigetafel: acht Punkte zurück. Acht? Das ist nichts im Basketball und muss sich doch angefühlt haben wie ein Tritt in den Allerwertesten. Spielt Bamberg mit Ulm?
„Alles setzt harte Arbeit voraus“
Das sah so aus, als der Meister einen 18-Punkte-Rückstand auf vier schrumpfen ließ, bevor er Ulm erst wieder distanzierte (1o) und dann sechs Minuten keinen einzigen Punkt zuließ. Man könnte also abwinken. Hier schüttelt der Große sein Bein, wenn ein Kleiner sich anschickt, Ärger zu machen. Aber eine lässige, grundsätzliche Überlegenheit ist nicht die Quelle dieser Bamberger Meisterschaft. Sie wird immer wieder erarbeitet auf dem Parkett. Dabei kann man Zeuge werden einer beeindruckenden Spielentwicklung.
Wenn sich Individualisten je nach Situation in Rollenspieler verwandeln, im Notfall aber wieder zurückkehren. Bambergs Aufbauspieler Anton Gavel ist das in der Play-off-Serie brillant gelungen, als sei es eine leichte Übung. „Alles setzt harte Arbeit voraus“, sagt er. „Und einen klaren Kopf.“ Damit die Bamberger wissen, wo es langgeht, kleben vor der Spielerbank Merkzettel mit Handlungsanweisungen für 18 Angriffssysteme. Eines heißt „Thumb up“, „Daumen nach oben“ oder frei übersetzt: gut gemacht.