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Neuer Basketball-Meister : Bamberg macht mit Ulm kurzen Prozess

Am Ziel: Bambergs Bradley Wanamaker Bild: dpa

Den Brose Baskets aus Bamberg gelingt im Finale eine Demonstration der Macht: Ulm wehrt sich gegen das Team von Trainer Trinchieri nach Kräften – hat dem alten und neuen Meister am Ende aber nichts entgegen zu setzen.

          „Sie schubsen uns herum!“, staunte Brad Wanamaker, der überragende Aufbauspieler der Basketball-Bundesliga und ihrer Playoffs. „Und wir lassen es zu.“ Mit 38:37 Punkten führten seine Brose Baskets Bamberg zu diesem Zeitpunkt, zur Halbzeitpause. Wieder einmal schienen die Spieler von Ratiopharm Ulm über sich hinauszuwachsen. Doch zwanzig Spielminuten später hatte der Amerikaner seinem Team dessen achte deutsche Meisterschaft beschert; die zweite der neuen Zeit, die damit begann, dass Hauptsponsor Brose in Person seines Eigentümers Michael Stoschek die Führung des Klubs übernahm, und damit, dass Wanamaker aus Pistoia in der italienischen Liga kam.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          92:65 gewannen die Franken am Sonntag in ihrer Halle in Bamberg. Auch in den ersten beiden Spiele hatte die überragende Mannschaft der Bundesliga gewonnen, 101:82 und, in Ulm in der Verlängerung, 92:90. Im Halbfinale hatte der Titelverteidiger Bayern München und im Viertelfinale Aufsteiger Würzburg mit jeweils drei Siegen aus dem Wettbewerb geworfen. In den zehn Minuten nach der Pause machten Wanamaker und sein Team aus dem einen Punkt Vorsprung sechzehn. Zum Schluss standen 14 (von 29) Distanzwürfe für die Bamberger zu Buche; fünf davon hatte Darius Miller erzielt und kam damit auf 19 Punkte. Ebenso erfolgreich waren Wanamaker und, auf Ulmer Seite, Raymar Morgan.

          „Die Meisterschaft zählt“

          Miller wurde, noch bevor seine Mannschaft offiziell den Meisterpokal erhielt, als wertvollster Spieler der Playoffs ausgezeichnet. „Dies ist ein Erfolg des Teams“, sagte er, triefend vor Bier. „Die Meisterschaft zählt. So eine Auszeichnung ist zweitrangig.“ Noch während der Finalserie hatte er seinen auslaufenden Vertrag verlängert – ein Triumph des Klubs schon vor dem Gewinn der Meisterschaft. Denn auch einige andere, zahlungskräftige Klubs der Euro-League hatten Interesse an dem herausragende Flügelspieler gezeigt.

          Coach Andrea Trinchieri mache ihn immer besser, sagte Miller, deshalb bleibe er bei ihm in Franken. Das ist ein gutes Gegengift gegen die Gerüchte, der US-kroatische Italiener werde von Maccabi Tel Aviv und anderen Klubs aus der Euro-League umworben. Voraussichtlich wird Bamberg in der nächsten Saison in der Euro-League spielen und sich für diese Herausforderung weiter verstärken müssen. Welche Folgen die Ankündigung des Milliardärs Stoschek – Chef, Sponsor und Mäzen der Brose Baskets – haben wird, dass er einen zweiten großen internationalen Sponsor für den Klub gewinnen will?

          Vielleicht können die Bamberger doch um den Verbleib von Wanamaker kämpfen, der für die vergleichsweise lächerliche Ablösesumme von einer Viertelmillion Euro gehen darf. Vielleicht können sie auch den nicht minder umworbenen Point Guard Jannis Strelnieks zu einer weiteren Vertragsverlängerung gewinnen. Und wer wird zu dem Team stoßen, zu dem 2016/2017 weiterhin Elias Harris, Daniel Theis, Nikos Zisis, Nicolo Melli, Lucca Staiger, Patrick Heckmann und Leon Radosevic gehören werden?

          „Wir können schon noch besser spielen“, hatte der Ulmer Trainer Thorsten Leibenath vor der Partie versprochen und darauf angespielt, dass sein Team den Favoriten am Mittwoch in Ulm am Rand einer Niederlage hatten. Und versprach: „Das werden wir am Sonntag auch müssen.“ Der Elan reichte allerdings nur für die halbe Partie. Doch als gebe er ein Versprechen für die nächste Saison, setzte Leibenath den erst zwanzig Jahre alten Joschka Ferner ein, um seine nur sieben Stammspieler ein wenig zu entlasten. Ferner erzielte einen Dreier.

          Junggesellenabschied verschoben

          Schon seit Wochen spielt das Team um Aufbauspieler Per Günther (neun Punkte in nur 24 Minuten) über seinen Verhältnissen und beweist, dass auch ein Außenseiter mit dem Top-Team Deutschlands mithalten kann. So überraschend kam der Erfolg des Teams, dass Günther eine Klausur seines Fernstudiums und seinen Junggesellenabschied verschieben musste. Immerhin, die Hochzeit ist nicht gefährdet.

          Zwar warnt Coach Leibenath davor, die Erwartungen für die nächste Saison zu übertreiben. Doch dadurch, dass das Team zusammenbleibt, welches er für Günther und um Günther herum gebildet hat, schreiben die Ulmer eine der schönsten Geschichten des deutschen Basketballs fort. Und die Bamberg gehen in der erstmals als Liga organisierten Euro-Liga Herausforderungen an, wie man sie in Europas Basketball noch nicht kennt.

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