28.07.2011 · Britta Steffen steht selbst vor einem Rätsel: Die Olympiasiegerin erfüllt auch im Vorlauf über 100 Meter Freistil ihre Ansprüche nicht mehr und gibt auf. Sie tritt bei der WM in keinem Rennen mehr an, auch nicht in der Staffel. Die Kritik bleibt nicht aus.
Von Bernd Steinle, SchanghaiEs war eine zweite Chance für Britta Steffen, die Möglichkeit zu einem Neustart in eine Schwimm-WM, die für sie schlimm begonnen hatte. In der 4×100-Meter-Freistil-Staffel am Sonntag war sie weit unter ihren Ansprüchen geblieben. Im Vorlauf schwamm sie 54,86 Sekunden, aber das habe „null zu bedeuten“, sagte sie, im Finale am Abend gebe es kein Pokern mehr. Im Finale am Abend schwamm sie dann 54,51 Sekunden, und Britta Steffen wusste „Das ist keine Zeit“, nicht für sie jedenfalls.
Seither herrschte Sorge im Deutschen Schwimm-Verband (DSV), dass die Doppel-Olympiasiegerin 2008 und Doppel-Weltmeisterin 2009 womöglich in ernsthaften Schwierigkeiten stecken könnte. Doch noch am Mittwoch berichtete Bundestrainer Dirk Lange, dass die Berlinerin zuletzt einen hervorragenden Eindruck gemacht habe, dass „die Formkurve nach oben geht“. Alles war bereitet für die zweite Chance der Britta Steffen.
Und dann, im Vorlauf über 100 Meter Freistil am Donnerstag, diese Zeit: 54,86 Sekunden. Genau so schnell wie im Vorlauf der Staffel. Es war Platz 16, die Zeit hätte gerade so gereicht, um das Halbfinale zu erreichen. Doch darum ging es für Britta Steffen längst nicht mehr. Die Zeit war eine Enttäuschung, eine weitere Enttäuschung, und sie bedeutete für Britta Steffen zugleich die Erkenntnis, dass für sie bei dieser WM in Schanghai mehr einfach nicht möglich sein würde - Trainingseindrücke hin oder her.
Kurz darauf verkündete ihr Heimtrainer Norbert Warnatzsch mit steinerner Miene und in dürren Worten: „Wir müssen Britta Steffen nicht weiter ins Rennen schicken, wenn wir wissen, dass es nicht besser geht. Sie ist angetreten, hat sich gezeigt, und damit bewiesen, dass sie nicht kneift. Aber jetzt ist es an der Zeit, Britta zu schützen. Sie wird keine Wettkämpfe mehr hier bestreiten.“ Im Klartext: Britta Steffen wird sowohl auf die Titelverteidigung über 100 und 50 Meter Freistil verzichten, als auch für die Lagenstaffel nicht zur Verfügung stehen.
Steffen: „Ich bin gut drauf, aber kann es nicht zeigen“
„Ich habe mir sehr große Mühe gegeben, dass es besser wird als in der Staffel, habe alles gegeben, was drin war“, sagte Britta Steffen. Aber es wurde nicht besser. Im Gegenteil. Warum das so war, konnte sie sich nicht erklären. „Ich war in einer Super-Form, hatte ein gutes Gewicht, habe mich bombig entwickelt, was Ausdauer und Kraft betrifft, ich war sehr zuversichtlich, habe mit meiner Mentaltrainerin gearbeitet“, sagte der 27 Jahre alte Schwimmstar. Doch all die Anstrengungen, die sie bis zuletzt unternahm, halfen nichts - im Wettkampfbecken verpufften sie spurlos. „Britta Steffen muss jetzt lernen, dass man super vorbereitet sein kann, es aber trotzdem nicht funktioniert“, formulierte die Berlinerin in eigenartiger Diktion. Im Kern hieß das: „Ich bin gut drauf, aber kann es nicht zeigen.“ Und eventuell als Fünfzehnte im WM-Halbfinale ausscheiden, das wollte sie sich offenbar nicht antun. Deshalb würde sie jetzt „gerne erst einmal die Augen zumachen, die Ohren zumachen und dann noch einmal auf das Rennen zurückblicken“.
Das werden jetzt alle Beteiligten tun müssen, denn nach dem unverhofften Abtauchen von Britta Steffen herrschte erst mal Ratlosigkeit. Selbst bei ihrem Heimtrainer Norbert Warnatzsch, mit dem sie sich auf die WM in Schanghai vorbereitet hatte. So eine Situation sei „schon relativ neu“, sagte Warnatzsch, der Britta Steffen, mit Unterbrechungen, seit 2002 trainiert. „Wir müssen jetzt die Ursachen suchen, was verantwortlich dafür war, dass sie ihr Leistungsvermögen nicht ausschöpfen konnte“, sagte DSV-Leistungssportdirektor Lutz Buschkow. „Die Ergebnisse vorher waren nicht so schlecht, dass man so was erwartet hätte.“ Bei den deutschen Meisterschaften Anfang Juni war sie 54,14 Sekunden geschwommen und damit knapp über der Normzeit für die WM geblieben - doch selbst diese Marke erwies sich in Schanghai als unerreichbar.
Van Almsick: „Ich hätte ein bisschen mehr erwartet“
Eine mögliche Erklärung für das Leistungsloch hatte Britta Steffen schon nach der Staffel angedeutet. „Vielleicht fehlen mir ein paar Wettkampfrennen“, vermutete sie da. „Wenn wir nächstes Jahr mehr Wettkämpfe einfließen lassen, komme ich vielleicht wieder in so eine Art Wettkampfroutine hinein.“ Nach 15 Monaten Pause wegen einer Viruserkrankung war sie erst im vergangenen Herbst beim Kurzbahn-Weltcup in Berlin zurückgekehrt, die nationalen Titelkämpfe Anfang Juni waren ihre ersten Langbahn-Meisterschaften seit der WM 2009 in Rom - und die WM in Schanghai nun das erste internationale Langbahn-Championat seit zwei Jahren. Das waren offenbar zu wenige Rennen, um die alte Sicherheit im Wettkampf wieder zu erlangen.
Während Buschkow Verständnis für Britta Steffens Entscheidung zeigte, rief der Rückzug der Führungsfigur andernorts Kritik hervor. Teamkollegin Daniela Schreiber, die im 100-Meter-Vorlauf als 23. in 55,24 Sekunden scheiterte, hielt mit ihrer Enttäuschung nicht hinterm Berg. Sie könne verstehen, dass Britta Steffen andere Ansprüche habe. Aber es sei „schon ein bisschen egoistisch zu sagen: Ich mach' gar nichts mehr und lass' die Lagenstaffel alleine dastehen“. Auch die ehemalige Weltmeisterin Franziska van Almsick ging mit ihrer einstigen Trainingskollegin hart ins Gericht. „Ich verstehe nicht, dass sie alles hinschmeißt“, sagte sie. „Ich hätte ein bisschen mehr erwartet, dass man als Frontfrau des Deutschen Schwimm-Verbandes auch Verantwortung übernimmt und im Zweifel sich die Beine ausreißt, noch mal alles gibt, um die Lagenstaffel in die Olympischen Spiele zu bringen.“ DSV-Chef Buschkow sah das anders. „Es ist wichtig“, sagte er, „in so einer Situation, in der sich Britta befindet, wenn sie ihre Leistung momentan nicht abrufen kann, den Druck nicht noch weiter zu erhöhen, sondern sich vor sie zu stellen und zu analysieren“. Wie immer das Ergebnis ausfällt: Der Sprung ins Finale von Schanghai wäre für Britta Steffen keine unüberwindliche Hürde gewesen - nach dem Halbfinale stand fest: Eine Zeit von 54,27 Sekunden hätte gereicht. Die hatte Britta Steffen bei den deutschen Meisterschaften deutlich unterboten.
Schwimmen für den Endsieg?
Dirk Ludigs (derfrontmann)
- 29.07.2011, 09:44 Uhr
Staffelausstieg geht wohl gar nicht....
Michael Meier (never1)
- 28.07.2011, 20:10 Uhr
deutsche schwimmer zu weich
Frederik Zysk (mfred1)
- 28.07.2011, 17:37 Uhr
Gründe unbekannt
Mark Pfennig (MarkundPfennig)
- 28.07.2011, 16:36 Uhr
Britta Steffen..
Bruce Law (highbeams)
- 28.07.2011, 15:39 Uhr