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Britta Steffen - Sportlerin des Jahres Einfach nur die Britta sein

22.12.2008 ·  Noch einmal im Mittelpunkt, noch einmal geehrt: Britta Steffen ist „Sportlerin des Jahres“, der angemessene Schlusspunkt eines perfekten Sportjahrs für die Berlinerin. Doch das Schwimmen allein macht Steffen nicht glücklich.

Von Bernd Steinle, Baden-Baden
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Man könnte natürlich - wollte man nun böswillig sein - sagen, die beiden Goldmedaillen, die Britta Steffen in diesem Sommer bei den Olympischen Spielen in Peking gewonnen hat, strahlten nicht zuletzt deshalb so hell, weil es ringsherum so dunkel war. Weil es die einzigen beiden Medaillen überhaupt waren für den Deutschen Schwimm-Verband (DSV) und weil sie die ersten goldenen waren seit Dagmar Hases Olympiasieg 1992 in Barcelona. Das alles stimmt - und ist doch nur die halbe Wahrheit. Denn der besondere Glanz der beiden Goldmedaillen hatte zuallererst nicht mit dem Abschneiden der anderen zu tun - sondern mit Britta Steffen selbst.

Über Jahre hatte die Berlinerin als vielversprechendes Schwimmtalent und als Trainingspartnerin Franziska van Almsicks gewaltige Hoffnungen geweckt. Im Wettkampf aber verhinderte regelmäßig ihre labile Psyche, dass sie die Leistungen aus dem Training auch mal bei Titelkämpfen in Medaillen ummünzte. Unsicherheit und Nervosität raubten ihr die Konzentration, Erfolgsdruck und Selbstzweifel lähmten die Bewegungen.

2006 befreite sie sich von den psychologischen Fesseln

Erst bei den Europameisterschaften 2006 in Budapest gelang es ihr, sich von diesen psychologischen Fesseln zu befreien: Sie gewann vier Goldmedaillen und erzielte drei Weltrekorde. In diesem Sommer folgte nun im Wasserwürfel von Peking der Höhepunkt - die Olympiasiege über 100 Meter und 50 Meter Freistil. Wobei die beiden Finalläufe die persönliche Entwicklung der Britta Steffen auf eigentümliche Weise widerzuspiegeln schienen: Im 100-Meter-Rennen etwa lag sie bei der Wende noch auf dem letzten Platz - und schlug am Ende als Erste an.

Das alles hat dazu beigetragen, dass die 25 Jahre alte Berlinerin nun zur deutschen Sportlerin des Jahres gewählt wurde, vor der Fechterin Britta Heidemann und der Biathletin Magdalena Neuner. Bei den Männern gewann der Gewichtheber Matthias Steiner, als Mannschaft des Jahres wurden die deutschen Hockey-Herren ausgezeichnet - der Olympiasieg in Peking verbindet alle Gewinner dieses festlichen Abends in Baden-Baden.

Urlaub in Mexiko und auf Usedom

Britta Steffen ist nicht nur aus sportlichen Gründen eine gute Wahl. Denn auch im nacholympischen Trubel gelang es der für die SG Neukölln startenden Athletin, trotz der auf sie einstürzenden Begehrlichkeiten ihre persönliche Eigenständigkeit zu bewahren. Sie ist kein Mensch, der jedermanns Liebling sein will, der es allen recht machen, die Erwartungen anderer unbedingt erfüllen will.

Britta Steffen hat gelernt, sich an ihren eigenen Erfordernissen und Bedürfnissen zu orientieren, und diesen Weg verfolgt sie inzwischen konsequent. Die Einladung zur Olympia-Kaspersendung „Waldi und Harry“ sagte sie ab, weil sie nach sechs Stunden Interviews zu erschöpft gewesen sei. Den Medienmarathon nach Peking beschränkte sie aufs Wesentliche, fuhr lieber in Urlaub nach Mexiko und auf Usedom oder bestritt Öffentlichkeitstermine als Schirmherrin für die „Lichtpunkte“-Initiative, mit der die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung benachteiligte Kinder unterstützt.

Im Studium nur die Britta

Den Schwimmsport schraubte sie zugunsten ihres Studiums zur Wirtschaftsingenieurin mit Schwerpunkt Umwelttechnik stark zurück und verzichtete dafür unter anderem auch auf den Heim-Weltcup in Berlin. Für die Olympia-Vorbereitung hatte sie ein Urlaubssemester eingelegt, und diesen Rückstand will sie nun nach Möglichkeit wieder aufholen. Der Schwimmsport allein, sagt sie, „würde mich nicht glücklich machen“. Das Studium ist für sie notwendiges Korrektiv, „sonst verlernt man das Lernen“. Zudem vermittelt es der Leistungssportlerin immer wieder die Erfahrung, dass es auch ein Leben abseits des Sports gibt. „Im Studium, da bin ich eben nur die Britta, nicht die Schwimmerin Britta Steffen.“

Nun stand sie bei der Sportlerwahl im Baden-Badener Kurhaus also doch wieder im Mittelpunkt. Es war nicht ihre erste Feierlichkeit in diesem Jahr, vor einer Woche erst wurde sie als Berlins Sportlerin des Jahres geehrt. Aber es war der angemessene Schlusspunkt unter ein perfektes Sportjahr für Britta Steffen, ein Jahr, das nicht mal die hohen Wellen beschädigen konnten, die der Ausstieg des DSV-Ausrüsters Adidas im deutschen Schwimmsport schlug.

„Weltmeisterin war ich noch nie“

Britta Steffens persönlicher Vertrag mit dem Unternehmen bleibt bestehen, Klagen über den Schwimmanzug sind und waren von ihr nicht zu hören - warum auch, schließlich gewann sie zwei olympische Goldmedaillen darin. Auch das zeigt: Britta Steffen ist in jeder Hinsicht zur Ausnahmeschwimmerin geworden.

Das würde sie gerne auch im kommenden Jahr beweisen. Im Januar wird sie wieder ernsthaft ins Schwimmtraining einsteigen, im Juli steht schließlich schon der nächste Höhepunkt an - die Weltmeisterschaften 2009 in Rom. Eine Veranstaltung mit besonderem Reiz für die einstige Weltrekordhalterin über 100 Meter Freistil. Denn nach WM-Platz drei im vergangenen Jahr in Melbourne ist da ja zumindest ein großes Ziel noch offen: „Weltmeisterin“, sagt Britta Steffen, „war ich noch nie.“

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Jahrgang 1970, Sportredakteur.

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