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British Open Wetten auf den Tiger

 ·  An diesem Donnerstag beginnen die 142. British Open. Erstmals seit 15 Jahren ist die Quote für Tiger Woods zweistellig. Hinter seinem Namen stehen zu viele Fragezeichen. Dabei ist seine Bilanz sehenswert.

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© AP Vergrößern Glänzende Aussichten: Das Wetter spielt bei den British Open mit

Drei Wochen kein Regen, herrlicher Sonnenschein, eine angenehme Brise und ein Wetterbericht, der verkündet, dass an der Küste von East Lothian an der Ostküste von Schottland bis Sonntag, bis zum Schlusstag der 142. British Open, alles so bleibt: 19 bis 25 Grad. Erstmals seit sechs Jahren, als Tiger Woods auf der Anlage von Royal Liverpool in Hoylake triumphierte, ist ein British-Open-Platz wieder so, wie ihn die Organisatoren gerne sehen: beinharte, „schnelle“ Fairways und Grüns, dazu kniehohes Rough am Rande der 18 Spielbahnen.

“Nach dem Landen kann der Ball weit nach vorne springen und noch 60 bis 80 Meter rollen“, schildert Tiger Woods seine Erfahrungen auf dem Platz der Honourable Company of Edinburgh Golfers nach seinen Übungsrunden: „Ich habe ein Eisen 3 über 300 Yards (rund 270 Meter) geschlagen. Manchmal muss man den Ball 30 bis 40 Meter vor dem Grün aufkommen lassen und ihn in Richtung Fahne rollen lassen, aber manchmal gibt es auch kleine Hügel, die den Ball nach dem Auftreffen sofort stoppen.“

Diese Gegebenheiten erfordern eine besondere Strategie auf dem Platz, eine, die Woods vor sechs Jahren beherrschte wie kein Zweiter. Um den Ball immer auf der Spielbahn zu halten, schlug er während der vier Runden damals nur ein einziges Mal mit dem Driver ab. Eine ähnliche Taktik dürfte er auch diesmal anwenden. Aber natürlich haben diese Bedingungen auch eine Kehrseite: Wenn er einen Schlag verzieht, kann der Ball weit in unwegbares Gelände verspringen - und trotz der vielen Zuschauer auf Nimmerwiedersehen verloren sein.

Der Platz in Muirfield, einem Ortsteil von Gullane, teilt diese für Links Courses, Plätze in der Dünenlandschaft, typische Charakteristik mit den anderen acht Plätzen, auf denen das älteste und prestigeträchtigste Turnier der Welt ausgetragen wird - trotzdem nimmt der rund 32 Kilometer vom Edinburgher Stadtzentrum gelegene Platz eine Sonderstellung ein. Und das nicht nur, weil man dort wie Royal Troon in Schottland und Royal St. Georges in Südengland keine Frauen als Mitglieder aufnimmt.

Der Platz gilt als fair. Oder wie es der Nordire Graeme McDowell, der US-Open-Sieger von 2010, ausdrückt, als einer, der gutes Golf belohne und schlechtes bestrafe. Sein amerikanischer Kollege Brandt Snedeker gerät gar ins Schwärmen: „Der Platz ist phantastisch. Er ist anders als alle anderen British-Open-Plätze, auf denen der Ball überall hinspringen kann.“ Für Tiger Woods, der an diesem Donnerstag mit McDowell auf die erste Runde gehen wird, ist der Platz einfach „toll“.

Profis wie Woods lieben es, wenn man auf einem Platz alle Hindernisse immer sieht. In Muirfield sind die Bunker vom Abschlag einschüchternd im Blickfeld. Diese tiefen Sandkuhlen, scherzt Martin Kaymer, seien wohl geschaffen, damit man nicht wie üblich mit einem, sondern mit zwei Schlägen herauskomme. Seine Strategie: Entweder nur so weit schlagen, dass man erst gar nicht in eine dieser misslichen Lagen gerät, oder den Ball im Flug über diese Topfbunker schicken.

Kaymer, neben dem unter einer Sommergrippe und Heuschnupfen leidenden Marcel Siem der einzige Deutsche im 156 Spieler starken Feld, schätzte seine Chancen für seinen zweiten Major-Titel nach der PGA Championship 2010 eher bescheiden ein: „Ich würde nicht allzu viel Geld auf mich wetten.“ Tiger Woods, mit vier Erfolgen in diesem Jahr der erfolgreichste Spieler, strahlte dagegen Optimismus aus, und das obwohl hinter seinem Namen in diesem Jahr viele Fragezeichen stehen. Seit er bei den US Open vor vier Wochen nur auf Platz 32 gelandet war, hat der 37 Jahre alte Amerikaner kein Turnier mehr gespielt und seinen lädierten linken Ellbogen gepflegt.

Erst in der vergangenen Woche begann er wieder mit dem Training. Obwohl er noch immer mit Physiotherapie und entzündungshemmenden Mitteln behandelt wird, sei er bereit. Dennoch beschränkte er in Muirfield seine Proberunden immer auf neun Löcher, die er in Begleitung seiner Lebensgefährtin absolvierte, der Skirennläuferin Lindsey Vonn. Dass die Aktien des Superstars im Mutterland des Sports gesunken sind, zeigt ein Blick auf die Wettquoten: Erstmals seit 15 Jahren gibt es für alle Zocker, die auf den 15. Major-Sieg des Superstars wetten, eine zweistellige Quote: 10:1.

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