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Deutsches Schach : Brett vorm Kopf

Derzeit führt der Norweger gegen Viswanathan Anand mit 3,5:2,5 Bild: dpa

Die finanzielle Förderung des deutschen Schachsports wird gekürzt. Ist es so möglich, einen Spieler von Weltklasseformat zu formen? Der deutsche Verband fordert ein neues Bewusstsein für „intellektuelle Höchstleistungen“.

          Er wusste, dass die große Chance dahin war, doch Viswanathan Anand versuchte, sich nichts anmerken zu lassen. Momente zuvor hatte Magnus Carlsen einen schweren Fehler begannen. Es war der 26. Zug dieser siebten Partie der diesjährigen Schach-WM in Sotschi: Carlsen wollte mit dem König die Bauern auf dem rechten Flügel schützen und danach zum Angriff übergehen.

          Mit einem Schlag aber hätte nun Anand den Druck erhöhen können - erst auf den weißen Turm, dann auf die weißen Bauern, und schließlich wäre die schöne Stellung von Carlsen dahin gewesen. Anand übersah diese Möglichkeit, zwölf Züge danach gab er auf. „Ich bin total erleichtert, das hätte den WM-Verlust bedeuten können“, sagte der Norweger später. Nach sechs Partien führt Carlsen 3,5:2,5, nach einem Ruhetag geht das Duell an diesem Montag (13.00 Uhr) weiter.

          Bis zum Ende dieses Monats ist die Schach-Weltmeisterschaft angesetzt, und derzeit deutet wenig darauf hin, dass Carlsen noch einmal so zum Titel stürmt wie im vergangenen Jahr, als er Anand mit 6,5:3,5 besiegt und die Auseinandersetzung damit schon nach zehn Partien beendet hatte. „Dieser Wettkampf wird nun zeigen, wie stabil Carlsen schon ist. Wenn er sich noch einmal durchsetzt, wird er sicher einige Jahre im Amt bleiben“, sagt Herbert Bastian, Präsident des Deutschen Schachbundes (DSB) und einer der Vizepräsidenten des Weltschachbundes (Fide).

          Bei den ersten Partien des WM-Kampfes saß Bastian in der Halle von Sotschi. Er sagt, er sei beeindruckt von der Atmosphäre, von der Organisation durch die Russen - und ein Stück weit enttäuscht vom Niveau dieses Duells: „Anand darf sich den Stil von Carlsen nicht so aufdrücken lassen, er müsste komplizierte Stellungen anstreben, die seinem dynamischen Können entsprechen.“

          „Es ist eine Einigung in Sicht“

          Bastian ist 51 Jahre alt, seit 2005 trägt er den Titel „Internationaler Meister“ der Fide. In Sotschi hat er sich mit Henrik Albert Carlsen, dem Vater von Magnus Carlsen, getroffen, und für Deutschland geworben. „Ich habe ihn gefragt, ob sein Sohn nicht mal bei uns antreten wolle. Er hat das sehr positiv gesehen“, erzählt Bastian. Das Problem: Eine Gelegenheit gibt es erst im Jahr 2018 anlässlich der Feierlichkeiten zu Ehren des früheren Weltmeisters Emanuel Lasker, der dann 150 Jahre alt geworden wäre.

          Etwa 2200 Schachvereine gibt es derzeit in der Republik, rund 100.000 Mitglieder sind dort aktiv. Der DSB ist Gründungsmitglied des Deutschen Olympischen Sportbundes, seit 1976 erhält er Fördergelder. Doch im Mai dieses Jahres entschied das Bundesinnenministerium, dass damit künftig Schluss sein solle: Noch 2013 flossen 130.000 Euro an den DSB, künftig sollte es nichts mehr geben. Bastian sagt nun: „Es ist eine Einigung in Sicht. Der Deutsche Schachbund würde dann zwar weniger erhalten als bisher, aber im Rahmen der aktuellen Richtlinien gefördert werden.“ Im Gespräch seien 93.000 Euro pro Jahr.

          Ob es möglich sei, mit dieser Summe neben dem Engagement für den Breitensport auch noch Spitzenspieler von Weltklasseformat zu formen? „Gute Frage“, sagt Bastian, spricht zunächst von einer effektiveren Talentsuche und besseren Trainingsmethoden - und dann: „Grundsätzlich ist es möglich, aber wir brauchen hierzulande ein anderes gesellschaftliches Bewusstsein. Es muss einfach als erstrebenswert angesehen werden, intellektuelle Höchstleistungen zu erbringen. Ich bin deshalb der Meinung, dass der Leistungsgedanke - auch im Bildungssystem - wieder eine viel stärkere Rolle spielen müsste.“

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