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Breakdance in Vollendung : Körper gewordene Musik

Handstand nach Art des Jugendhauses: „Flying-Illusion“-Star Adnan Dushaku, Künstlername „Lil Amok“, ist einer der besten Breakdancer der Welt. Bild: Red Bull

Sport, Akrobatik, Tanz: Die „Flying Steps“ aus Kreuzberg haben sich aus der Subkultur der Jugendklubs zu einem florierenden Unternehmen entwickelt. Jetzt wollen sie Las Vegas erobern.

          Das Beste kommt am Schluss. Wenn das Feuerwerk zu Ende ist, die Lichtshow, die Videoinstallationen, die Kunststücke des Illusionisten, die grandiose Tanz-Performance. Wenn das Publikum im Berliner „Tempodrom“ steht und applaudiert und von den „Flying Steps“ eine Zugabe verlangt und wenn dann die elf Breakdancer noch einmal auf die Bühne kommen und, wie früher, einer nach dem anderen nach vorn tritt und ein paar Moves hinzaubert, akrobatische Kunststücke, extrem schwierig und doch scheinbar federleicht, wenn sie noch ein paar Minuten Staunen produzieren, Körperbeherrschung in Vollendung, ganz ohne Brimborium, dann ist alles wie damals, als sie noch Kids waren und tanzten auf irgendeinem Platz.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          Vartan Bassil ist künstlerischer Leiter der „Flying Steps“. Als alles anfing damals vor fast 25 Jahren, war er einfach nur ein Breakdancer. Anfang der Neunziger ging es los. Mit Tanzen auf Berliner Straßen, in Hinterhöfen, in einem Jugendklub im Wedding. Alles Jungs, Schüler um die 14, 15, die zuvor Sport gemacht hatten wie alle anderen auch, Fußball, Rennradfahren, Tischtennis, alles Mögliche, aber dann hatte sie das B-Boying-Fieber gepackt, das Breakdancen. Und weil das kein normaler Sport ist, sondern auch ein Lebensgefühl, eine Leidenschaft, ein Teil des Hip-Hop, Körper gewordene Musik, brauchte man dafür keine Trainer, sondern nur andere Jungs, an denen man sich messen, mit denen man wachsen konnte. 1993 bekam die Crew von Bassil und seinen Freunden einen Namen: Flying Steps. Sie nahmen an Wettkämpfen teil, und ein Jahr später gewannen sie das „Battle of the Year“, so etwas wie die Breakdance-Weltmeisterschaft. „Da wussten wir“, sagt Bassil, „dass wir Talent haben.“ Und dann trainierten sie noch härter als zuvor.

          Das hat Hand und Fuß: Breakdance bietet ganz eigene Standpunkte.
          Das hat Hand und Fuß: Breakdance bietet ganz eigene Standpunkte. : Bild: dpa

          Sport, Akrobatik, Tanz. Wenn man diese Zutaten ordentlich mischt und aufschüttelt und mit Talent, Bewegungsgefühl und Trainingsfleiß würzt, dann kommt manchmal Breakdance auf Weltniveau heraus - auf Straßen in New York, auf Plätzen in Berlin, und neuerdings kann man begnadete Tänzer auch in großen Hallen sehen. Und es waren nicht die Amerikaner, die Erfinder des Breakdance, die den Sprung vor ein großes Publikum abseits der Szene geschafft haben, sondern die „Flying Steps“ aus Kreuzberg. Sie haben mit „Flying Illusion“ im Tempodrom schon ihre zweite Produktion vorgestellt, und nach vier umjubelten Vorstellungen gibt es wenig Zweifel, dass auch sie auf Welttour gehen wird - wie „Flying Bach“, das erste Großprojekt der Berliner.

          Show der Superlative

          Manchmal fällt es auch dem 38 Jahre alten Bassil schwer, zu verstehen, was in den letzten Jahren alles passiert ist. Und zu was es geführt hat: Die „Flying-Illusion“-Produktion hat, finanziert von Red Bull, zwei Millionen Euro gekostet. Elf der besten Breakdancer der Welt hat Bassil dafür verpflichtet, 65 Mann arbeiten im Hintergrund. Lastwagenladungen voller Licht- und Videotechnik, Orchestermusik und Illusionen des Ulmer Magiers Florian Zimmer sorgten für eine Show der Superlative. Dass es so weit gekommen ist - niemand konnte es ahnen.

          „Ein Breakdancer muss sich ständig selbst beweisen“, sagt Bassil. „Er versucht, sich zu verbessern, ständig Neues zu kreieren.“ Einem Breakdancer geht es um Respekt. Darum kämpft er. Respekt in der Gruppe. Respekt unter Gleichgesinnten. Bassil wollte mehr. „Ich hatte es satt, mich schämen zu müssen, wenn ich beim Elternabend sagte, ich mache Breakdance.“ Ihm ging es um Akzeptanz, um Anerkennung auch außerhalb der Szene. Um die Frage, warum jeder Leistungssportler gesellschaftlichen Respekt genießt, Breakdance aber nur als Subkultur mit Schmuddel-Image wahrgenommen wird. 2010 initiierte Bassil mit dem Dirigenten und Opernregisseur Christoph Hagel das Projekt „Flying Bach“, das Breakdance mit klassischem Tanz und klassischer Musik verband. 30.000 Euro kostete die Produktion, der Erfolg war gewaltig, die ausverkaufte Welttournee geht parallel zur neuen Show weiter, für dieses Jahr sind 70 Termine angesetzt.

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