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Boxlegende René Weller Der gezähmte Macho

 ·  René Weller galt einst als eleganter Boxer und wilder Playboy. Dann saß er im Gefängnis. Jetzt rezitiert „der schöne René“ eigene Gedichte, lässt sich zum Boxtrainer ausbilden und kann gut von seinem Namen leben.

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© Imago Sport Vergrößern „Alles, was ich wollte, tat ich“: René Weller hat geboxt, geflirtet, gefeiert - und ständig posiert

Sollte man es ihm sagen, darf man es sagen? René Weller sieht müde aus, wenn er so dasitzt in der Küche seiner Wohnung im Pforzheimer Ortsteil Dillweißenstein. Dabei ist er gerade dabei, zu erzählen, welch toller Hecht er immer noch sei. Heute hier, morgen da, gefragt wie eh und je. „Frische 59 Jahre“ sei er, agil, unermüdlich, unverwüstlich. Er trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Ein Leben ohne Boxen ist möglich, aber sinnlos“. Seinen letzten Boxkampf, einen Showkampf, hat Weller am 22. September vorigen Jahres in Berlin bestritten. Diese öffentlichen Beweise seiner Fitness würde er nur zu gerne weiter zum Besten geben, „aber sie erlaubt es nicht“.

Sie heißt Maria, sitzt mit am Küchentisch, ist Verlobte, Managerin und Kumpel eines Mannes, den sie schon seit Ewigkeiten kennt. Weller kramt ein Foto hervor, das an seinem 25. Geburtstag gemacht wurde. Er im Kreise seiner damaligen Gespielinnen - sie ist eine von sechsen. Erst damals sei ihr ein Licht aufgegangen. Eine von mehreren, da hat sie nicht mehr mitspielen wollen. Jahrzehntelang herrschte Funkstille zwischen beiden. René hat eine andere geheiratet, Doris, von der er längst geschieden ist. „Er war zu wild, der Trubel, die Weiber, das ist nicht meine Welt“, habe sich Maria damals gesagt. Doris vermutlich auch.

Wenn Maria so redet, verdreht René die Augen, blickt zur Decke, dann zum Besucher. „Er hat einen lieben Kern“, versichert Maria, die nach ihren Worten zehn Jahre der „Aufräumarbeiten“ gebraucht hat, „um Ordnung in sein Leben zu bringen, Schulden einzutreiben“. Wie jeden Nachmittag, wenn er zu Hause ist, hat sie ihm eine Streuselschnecke mitgebracht. Zum Kaffee. „Er ist eine Boxlegende“, sagt sie mit dem Blick zurück auf seine Karriere. Weller federt vom Stuhl, bringt das im New Yorker Madison Square Garden geschossene Foto. Er mit Muhammad Ali, seinem Vorbild, als dieser noch Cassius Clay hieß.

Vorzügliche Reflexe

Im Deutschland der siebziger Jahre war René Weller die unumschränkte Nummer eins im Leichtgewicht. Von 355 Amateurkämpfen hat er 336 gewonnen, bestritt 130 Länderkämpfe. So, wie die Dinge im olympischen Boxen heute liegen, ein Rekord für die Ewigkeit. Wellers Bilanz als Profi: 53 Kämpfe, 50 Siege. Die Kunst, möglichst nicht getroffen zu werden, beherrschte er wie kein anderer Deutscher seiner Generation. Schnell auf den Beinen, vorzügliche Reflexe, pendelte er die Angriffe seiner Gegner aus, ein Ästhet im Ring. Der Mann aus Pforzheim polarisierte und provozierte. Er stellte seine Herausforderer bloß, verzichtete auf Schlachten Fuß an Fuß. Wenn der volkstümliche Schwergewichtler Axel Schulz so etwas wie den Heino des Boxens verkörperte, dann war Weller der Bushido des Boxens. Weller war nichts heilig, wenn es um Frauen ging. Er kultivierte sein playboyhaftes Auftreten, der Narziss in kurzen, engen Hosen fand Gefallen am Etikett „der schöne René“ und tat alles dafür. „Lieber zu viel als zu wenig. Alles was ich wollte, tat ich“ sei sein Lebensmotto gewesen, und man fragt sich, ob es immer noch an der Tagesordnung ist.

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