Eckhard Dagge ist tot. Deutschlands zweiter Box-Weltmeister nach Max Schmeling erlag in der Nacht zum Dienstag im Alter von nur 58 Jahren in einem Hamburger Hospiz einem Krebsleiden. Das bestätigte die Einrichtung am Dienstag mittag. Dagge sei auf dem letzten Weg von seinen nächsten Angehörigen begleitet worden.
Der Boxer hatte sich den WBC-WM-Titel im Junior-Mittelgewicht am 17. Juni 1976 in der Berliner Deutschlandhalle durch einen technischen K.o.-Sieg in der zehnten Runde gegen Titelverteidiger Elisha Obed von den Bahamas geholt, ihn aber im Jahr darauf wieder verloren.
Enfant terrible des deutschen Boxsports
Dagge bestritt in seiner Profi-Karriere zwischen 1973 und 1981 insgesamt 32 Kämpfe, von denen er 26 gewann. Zwischen 1975 und 1976 hatte der gebürtige Holsteiner auch den EM-Titel im Junior-Mittelgewicht inne. Als Amateur verpaßte er die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1972 nur knapp. Statt seiner wurde der spätere Olympiasieger Dieter Kottysch (Hamburg) nominiert. Dagge wechselte daraufhin aus Verärgerung in das Profilager.
Der Boxer galt in den 70er Jahren als das enfant terrible des deutschen Boxsports. Er machte nicht nur im Ring skandalträchtige Schlagzeilen, sondern auch außerhalb. Der Spruch „Viele Weltmeister sind Alkoholiker geworden, aber ich bin der erste Alkoholiker, der Weltmeister wurde“ machte Dagge mindestens ebenso berühmt wie seine boxerischen Leistungen.
Trainer von Michalczewski
Nach seinem Karriereende blieb Dagge dem Boxen treu und wurde Trainer. In der Zeit von 1991 bis Anfang 1994 war „Ekke“ Chefcoach von Dariusz „Tiger“ Michalczewski, ehe er vom Hamburger Universum-Stall wegen seiner neuerlichen Alkoholeskapaden entlassen wurde.
In den vergangenen Jahren mußte Dagge, der erst im Alter von 20 Jahren beim BC Travemünde mit dem Boxen begonnen hatte, seinem unsteten Leben Tribut zollen. Im August 2005 begab er sich freiwillig zu einer Entziehungskur in das Hamburger Universitätskrankenhaus Eppendorf, wo bei einer Untersuchung Kehlkopfkrebs diagnostiziert wurde.
Davon erholte sich Eckhard Dagge trotz intensiver Behandlungen nicht mehr. Am 26. Februar 2006 wurde der todkranke Boxer in das Hospiz Leuchtfeuer auf St. Pauli verlegt, nur 500 Meter entfernt von der Boxhalle auf dem Kiez, in der er lange Zeit trainiert und gekämpft hatte.