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Boxen : Sturm wie ein Orkan

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Felix Sturm ist zum vierten Mal Weltmeister: „Es ist schön, in den Geschichtsbüchern zu stehen.“ Bild: AP

In zwei Runden zum vierten WM-Titel. Felix Sturm ist zurück an der Weltspitze. Sein Rivale Darren Barker muss dagegen um die Fortsetzung seiner Karriere bangen.

          Felix Sturm ließ sich huckepack durch den Ring tragen und stieß unter dem frenetischen Jubel der knapp 9000 Zuschauer vier Finger in den Hallenhimmel. Nach nur 5:09 Minuten sicherte sich der Kölner Samstagnacht in Stuttgart als erster deutscher Boxer zum vierten Mal einen Weltmeistertitel - und damit auch seine Zukunft im Ring. „Perfekter ging es nicht“, sagte der neue Champion erleichtert. „Es ist schön, in den Geschichtsbüchern zu stehen.“

          Durch den technischen K.o. in der zweiten Runde nahm er dem Briten Darren Barker den IBF-Titel im Mittelgewicht ab. Barkers Trainer Tony Sims warf nach zwei Niederschlägen das Handtuch. Sein Schützling musste mit Hüftproblemen ins Krankenhaus gebracht werden und erlebte nicht mal mehr die Urteilsverkündung. Die Fortsetzung seiner Karriere steht auf dem Spiel.

          Sturms aggressive Taktik hatte den Rivalen überrumpelt. „Barker hat anders als erwartet begonnen. Da wollte ich ihn gleich unter Druck setzen“, begründete er sein hohes Tempo. Der 34-Jährige legte jegliche Zurückhaltung ab und machte seinem Namen alle Ehre. „Ein Hurrikan erster Güter. Das war wie nach Drehbuch“, pries „ran“-Sportchef Alexander Rösner vom übertragenden Fernseh-Sender Sat.1 seinen Protagonisten. 2,62 Millionen Zuschauer (12,8 Prozent Marktanteil) verfolgten Sturms Kurzarbeit am Fernsehschirm. Das Orkantief „Xaver“ zwei Tage zuvor sei gegen ihn nur ein laues Lüftchen gewesen, hörte der Rekord-Weltmeister immer wieder.

          Darren Barker auf dem Weg zum Boden: Nach zwei Niederschlägen wirft sein Trainer das Handtuch
          Darren Barker auf dem Weg zum Boden: Nach zwei Niederschlägen wirft sein Trainer das Handtuch : Bild: AP

          Der Sohn bosnischer Einwanderer bedachte in seiner ersten Dankesrede im Ring die mehrheitlich bosnischen Fans in der Halle in deren Sprache. „Bosnien ist Champion und wird immer Champion bleiben“, übersetzte er später seine Ansprache. Unterstützung erhielt er von den bosnischen Fußball-Nationalspielern Vedad Ibisevic vom VfB Stuttgart und Sejad Salihovic von 1899 Hoffenheim. Später meldete sich auch noch Edin Dzeko von Manchester City per SMS. „Wir sind eine große Familie“, erklärte Sturm.

          Anders als früher hielt der gebürtige Leverkusener diesmal Wort. Er habe sein Leben auf den Kopf gestellt und seiner Karriere einen Neustart verpasst, hatte er vor dem Kampf verkündet. „Er hat immer große Worte gesagt, aber Taten haben gefehlt“, fasste Trainer Fritz Sdunek, der sich über seinen 100. WM-Sieg freute, die Vergangenheit zusammen. „Diesmal hat er sie wahr gemacht. Er hat sich um 180 Grad gedreht.“

          Nun muss der Profi, der 39 seiner 45 Kämpfe gewonnen hat, aber die Nachhaltigkeit seines Wandels bestätigen. Unklar ist, ob es den vereinbarten Rückkampf im nächsten Jahr in England geben wird. „Es ist fraglich, ob Darren Barker als Boxer zurück in den Ring kommt“, beschrieb Trainer Sims die dramatische Situation seines Schützlings.

          Barker hatte sich vor drei Jahren an beiden Hüftgelenken operieren lassen. Nach den Niederschlägen durch rechte Kopfhaken stand er verdreht und wackelig auf den Beinen. Die alten Beschwerden waren erneut aufgebrochen. „Ich hoffe, er kommt wieder auf die Beine. Das kann sechs Monate, ein Jahr dauern“, meinte Sturm und spendete Trost: Mit der Börse von rund 1,1 Millionen Euro sei sein Gegner abgesichert. Seinem Geld trauerte der Deutsche als selbstständiger Promoter jedenfalls nicht hinterher. „So wie ich mich jetzt fühle, sind noch fünf bis sechs gute Jahre drin“, sagte Sturm.

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