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Boxen Felix Sturm bleibt Weltmeister

05.09.2010 ·  Mittelgewichtler Felix Sturm bleibt Box-Weltmeister. Nach 14-monatiger Kampfpause verteidigte der 31 Jahre alte Leverkusener seinen Titel gegen Giovanni Lorenzo aus der Dominikanischen Republik. Nun will er Köln zu seiner Heimatstadt machen.

Von Arne Leyenberg, Köln
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Als Felix Sturm, der Boxer, sein Tagewerk vollbrachte hatte, übernahm Felix Sturm, der Unternehmer. „Das hier ist mein neues Wohnzimmer, hier werde ich jetzt zukünftig mindestens einmal im Jahr boxen“, rief Sturm den 18.000 Zuschauern in der Kölnarena über Hallenmikrofon zu. Schließlich soll sein ungefährdeter Punktsieg Samstagnacht über Giovanni Lorenzo den Auftakt bilden zur Schaffung der Marke Sturm in Köln. Neben dem FC und den Haien ein weiteres sportliches Markenzeichen der Domstadt. „Wir werden außerhalb der Fußballsaison boxen“, kündigte Sturm an. „Wir wollen der Stadt eine weitere Attraktion bieten.“

Mittelgewichts-Weltmeister Sturm war noch nie um große Sprüche und vollmundige Ankündigungen verlegen. Aber nun will er ihnen auch Taten folgen lassen. Weil er nach der Trennung vom Hamburger Universum-Boxstall als selbständiger Unternehmer auftritt, frei in seinen Entscheidungen. „Wir versprechen viel, aber das werden wir auch halten“, sagte der 31 Jahre alte Sturm nach seinem ersten Auftritt als Veranstalter und Hauptkämpfer. „Es werden jetzt die großen Kämpfe kommen, ich werde top Leute boxen.“ Sturm hatte seinem früheren Promoter Klaus-Peter Kohl zum Vorwurf gemacht, ihm nicht die lukrativen Duelle gegen die Branchengrößen aus Übersee vermittelt zu haben.

Dass es nicht immer nur am Unwillen seines ehemaligen Vorgesetzten lag, merkte Sturm wohl auf seinem Weg in die Selbständigkeit, als er mehr Probleme hatte, einen Gegner zu einem akzeptablen Preis zu verpflichten - die Kampfbörsen zahlt er schließlich als Veranstalter aus eigener Tasche -, als die 16 Kilogramm Gewicht abzutrainieren, die er in der längsten Pause seiner Boxerkarriere zugelegt hatte. „Viele Gegner haben sich hinter überzogenen finanziellen Forderungen versteckt. Sie wollten nicht gegen mich boxen“, sagte Sturm.

In drei Monaten der nächste Kampf

Es wurde schließlich der limitierte Lorenzo aus der Dominikanischen Republik. Laut Sturm der „perfekte Gegner“. Weil der zwar einen harten Schlag mitbringt, aber nicht die Technik, um einen Stilisten wie Sturm entscheidend zu treffen. Weil er sich aber auch von den zahlreichen Treffern des Leverkuseners nicht beeindruckt zeigte. So konnte sich Sturm zwölf Runden lang an ihm abarbeiten - vielleicht das geeignete Mittel nach 14 Monaten Pause. „Das Schöne ist: ich habe nichts verlernt“, konstatierte Sturm, der beim Punktsieg mit Wertungen von zweimal 117:111 und 118:111 demonstrierte, dass er auch nach der Unterbrechung seiner Karriere ganz der Alte ist: obwohl Lorenzo ab der Mitte des Kampfes konditionell stark abbaute, schaffte es der Herausforderer über die Runden. Sturm wird kein Knockouter mehr. „Man hat mir die Nervosität, den Druck angemerkt“, sagte Sturm, der seine rechte Schlaghand nur zögerlich einsetzte. „Die wird öfter kommen müssen beim nächsten Mal“, sagte sein neuer Trainer Fritz Sdunek.

Bis zum nächsten Mal sollen nur drei Monate vergehen. Im Dezember will Sturm wieder zuschlagen. Sat.1 wird dann wohl wieder live dabei sein. Der Testlauf am Samstag erreichte mit 5,27 Millionen Zuschauern (Marktanteil 28,2 Prozent) eine gute Einschaltquote. „Wir sind sehr zufrieden, sehr happy“, hatte Sven Froberg, Sportchef des Privatsenders, gleich nach dem Kampf bilanziert. „Felix hat alles zurückgegeben, was wir in den vergangenen Wochen an Arbeit investiert haben.“ Dabei ließ sich der Boxer stets auf dem Laufenden halten - schließlich war es seine Veranstaltung, nicht mehr nur sein Weltmeisterschaftskampf. „Ich habe den Jungunternehmer Felix Sturm kennengelernt. Er hat unheimlich oft angerufen. Ich habe ihn gefragt: trainiert ihr auch mal?“, sagte Froberg. „Ich bin in allererster Linie Boxer. Aber ich habe mich ab und zu schlau gemacht, wie es läuft“, sagte Sturm.

Noch viel Arbeit vor dem Unternehmer

Mit Kumpel Lukas Podolski, der mit vielen seiner Nationalmannschaftskollegen in die Kölnarena gekommen war, hatte Sturm ein kölsches Original in der Ringecke sitzen. Aber es war Herausforderer Lorenzo, der zu den Klängen von „Viva Colonia“ der Karnevalsband „De Höhner“ im Trikot des 1. FC Köln zum Ring marschierte, auf dem rechten Hosenbein das Wappen der Domstadt. Sturms Fans dagegen skandierten „Ado“, so lautet der Spitzname des gebürtigen Bosniers Adnan Catic, und „Mostar“ - aus der Stadt stammt seine Familie.

Es liegt also noch viel Arbeit vor dem Unternehmer Sturm, damit der Boxer Sturm zum sportlichen Inventar Kölns zählt. „Wir wollen die Kölnarena regelmäßig füllen. Schließlich spielt der FC schlecht, und trotzdem kommen 40.000 Leute“, sagt sein Manager Roland Bebak. Gut geboxt hat Felix Sturm immerhin schon mal.

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