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Boxen Abraham bläst zum Sturm

09.11.2008 ·  Arthur Abraham hat seinen Titel im Mittelgewicht nach Version der International Boxing Federation (IBF) gegen Raul Marquez erfolgreich verteidigt. Der Box-Weltmeister demonstriert seine Stärke und forciert den ultimativen Vergleich mit Felix Sturm. Doch die Promoter bleiben skeptisch.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Bamberg
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Arthur Abraham ist nicht beizukommen. Die Titelverteidigung des IBF-Weltmeisters im Mittelgewicht geriet zu einer Demonstration der Stärke. Sie ließ seinen Herausforderer Raul Marquez in der Pause zur siebten Runde kapitulieren. In den Jubelsturm um Abraham mischten sich Pfiffe für den Amerikaner mexikanischer Herkunft. Die Unbarmherzigen in der Bamberger Arena wünschten sich wohl einen K. o. des in die Jahre gekommenen Weltklasseboxers.

„Er ist“, sagte ein Kommentator aus Südamerika voller Sarkasmus, „kein richtiger Mexikaner. Mexikaner sterben im Ring.“ Marquez aber hat lieber auf seinen Vater und seinen Bruder in der Ringecke gehört. Sie rieten eindringlich zum Abbruch der Mission, mit 37 Jahren nochmals Weltmeister zu werden. Eine Stunde später erklärte der in Amerika lebende Marquez das Ende seiner Karriere. Das hat er schon einmal gemacht, aber dieses Mal dürfte es dabei bleiben. Er wird künftig als Kommentator für das Fernsehen arbeiten. So eine Art Henry Maske für die Latinos in den Vereinigten Staaten - die besten Kunden für das dortige Bezahlfernsehen, sobald es im Ring zur Sache geht.

Abrahams Auftritt ließ keine Zweifel

So schwer gezeichnet Marquez in seinem Gesicht auch war, so leicht tat er sich mit der Analyse seines Scheiterns. „Seine Schläge kamen und kamen, hart und präzise, sie hörten nie auf.“ Seine eigenen aber prallten wie an einer Mauer ab. Als Blut in die Augenwinkel sickerte, streckte er die Fäuste. Als hinterher die Rede auf Abrahams Zukunftspläne kam, unweigerlich das Duell mit WBA-Weltmeister Felix Sturm thematisiert wurde, deutete Marquez seinen Peiniger als mutmaßlichen Triumphator aus.

Nun macht es sich immer gut, den Bezwinger als den Großmeister aller Verbände zu erhöhen, doch Abrahams Bamberger Auftritt ließ keine Zweifel an der übergreifenden Dominanz in der Gewichtsklasse bis 72,5 Kilogramm. Die handelnden Personen werden sich sputen müssen, wenn es noch zum Showdown zwischen dem eingebürgerten Armenier Abraham und dem Leverkusener Felix Sturm kommen soll.

„Geld interessiert mich im Moment nicht“

Wilfried Sauerland, der Promoter von Abraham, hat den Zeitrahmen abgesteckt: „Im Februar oder März.“ Im Sommer nämlich zeichnet sich der Kampf mit WBC-WBO „Superchamp“ Kelly Pavlik in dessen Heimat, den Vereinigten Staaten, ab. Und danach wird Abraham in das Supermittelgewicht aufrücken. „Dann ist das Projekt Sturm gestorben“, macht Sauerland deutlich. Um heute das Limit zu bringen, muss Abraham vor seinen Kämpfen hungern, bis der Gang auf die Waage überstanden ist. Das sogenannte „Abkochen“ ist kein Dauerzustand, wird mit jedem Lebensmonat eines Athleten von der Statur Abrahams beschwerlicher.

Der IBF-Weltmeister forciert den ultimativen Vergleich mit Sturm, zumindest verbal. „Zur Not boxe ich auch ohne Geld. Geld interessiert mich im Moment nicht.“ Da werden jene aufhorchen, die Abraham in der Vergangenheit als knallharten Geschäftspartner kennengelernt haben. Mit sanfter, einschmeichelnder Stimme schob der große Meister noch einen Satz nach, der den vorherigen relativierte: „Das Geld kommt von allein, das kommt später nach.“ Erst wird das Feld bestellt, dann geerntet.

Abraham überraschte mit Initiative von Beginn an

Abraham wie sein Management sind sich sicher, mit Sturm ein kalkulierbares, sehr überschaubares Risiko einzugehen. Sie bauen auf die Schlagkraft, die Widerstandskraft und den Instinkt eines Mannes, der enorme Fortschritte gemacht hat. Einer besteht darin, zunehmend jene Strategie umzusetzen, die ihm sein Trainer Ulli Wegner vorgibt. Am Samstag überraschte Abraham mit der für ihn neuen Variante, von Beginn an die Initiative zu ergreifen. Sonst pflegte er abzuwarten, die ersten Runden als Aufwärmübung zu betrachten.

Zweck der gegen Marquez bewährten Taktik: „Dem Mexikaner zeigen, mit wem er es da zu tun bekommt“. Der ist nämlich für seine hohe Schlagfrequenz bekannt, sobald man ihn sich entfalten lässt. In der zweiten Runde bekam Abraham einen schmerzhaften Hieb auf seine Rippen, der ihm noch Stunden später die Luft zum Durchatmen raubte. Doch im Ring hatte er sich nichts anmerken lassen, dirigierte mit erhobener Faust die Sprechchöre, schritt mit einem Lächeln in die Ringecke, als sei das alles ein Kinderspiel für ihn.

Sauerland glaubt nicht an einen Kampf Abraham gegen Sturm

Felix Sturm und seine Berater werden registriert haben, wie alle Bemühungen an Abraham abprallen, ihm den Gürtel abzunehmen. Zum siebten Mal in Folge musste ein Herausforderer vorzeitig passen. Von dieser K.-o.-Quote kann Sturm, der seinen Auftritt eine Woche zuvor gegen Sebastian Sylvester hatte, nur träumen. Der Quervergleich zwischen beiden fällt zugunsten Abrahams aus. Weil keiner von beiden sein Gesicht verlieren will, werden beide auf einen Kampf gegeneinander beharren. Als „unlösbares Problem“ sieht Sauerland derzeit die Summe von drei Millionen Euro Kampfbörse für jeden der beiden aufzutreiben.

Das ist die Zahl, die Sturm als Grundvoraussetzung nennt, um sich überhaupt ansatzweise auf die Stunde der Wahrheit einzulassen. Erschwerend kommt der Dualismus der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten hinzu. Abraham tritt in der ARD auf, Sturm im ZDF. „Persönlich glaube ich nicht an eine Einigung“, ließ Sauerland durchblicken. Marquez verfolgte die Debatten mit der Gelassenheit eines Mannes, für den die Schlacht geschlagen ist. Vielleicht wird er ja Abrahams nächsten Kampf kommentieren. Aus sicherer Distanz. Darum werden die kommenden Gegner ihren ehemaligen Kollegen Raul Marquez noch beneiden.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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