02.02.2012 · Angelo Dundee ist tot. Der Trainer, der einst Muhammad Ali in dessen größte Kämpfe führte, starb Mittwoch im Alter von 90 Jahren. Dundee betreute in seiner Karriere 15 Weltmeister.
Von Hartmut ScherzerWer ihn noch vor einem halben bei seinem 90.Geburtstag in Tampa Bay im Gym erlebte; wer mit ihm zu Weihnachten noch „Season’s Greetings“ am Telefon austauschte; wer das Foto vor sich liegen hat, auf dem er neben dem schwer kranken Muhammad Ali zu dessen 70.Geburtstag vor zweieinhalb Wochen - fröhlich wie immer - in die Kamera lacht, der ist tief betroffen und kann es irgendwie nicht fassen. Trotz des biblischen Alters. Angelo Dundee, der berühmteste unter allen Trainern der Boxgeschichte, ist am Dienstag im Kreis seiner Familie, der Kinder Jimmy und Terry, gestorben.
Dundees Frau Helen, die er als „my toughest fighter“ unter seinen 15 Weltmeistern würdigte, hatte kurz vor Weihnachten 2010 nach zwanzig Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren. Den Verlust und die Trauer überspielte der alte Mann, der nach einem Sturz und einer Hüftoperation zuletzt im Rollstuhl saß, mit seinem bewundernswerten Optimismus und dem Lebensmotto: „Sei nett zu den Menschen, dann sind sie auch nett zu dir. So einfach ist das.“
Diese Fröhlichkeit als Mensch war neben seiner Professionalität als Boxlehrer auch ein Grund, warum Muhammad Ali während seiner Profikarriere von zwanzig Jahren nur Dundee als Trainer vertraute. Einmal gefragt, warum er unter all den Black Muslims den Trainer als einzigen Weißen in seiner Entourage behielt, antwortete Ali schlagfertig: „Angelo ist keine Weißer. Angelo ist Italiener.“
Angelo Dundee war schon eine Berühmtheit, da redete ihn ein gewisser Cassius Clay ehrfurchtsvoll an. „Mister Dundee, ich heiße Cassius Clay und habe mich für die Olympischen Spiele in Rom qualifiziert. Darf ich eine Runde mit Mister Pastrano sparren?“ bat der 18 Jahre alte Amateur höflich, als sich in seiner Heimatstadt Louisville der Weltklasse-Profi Willie Pastrano auf einen Kampf vorbereitete. Die Eleganz und Geschmeidigkeit, mit der sich Dundees Lieblingsschüler bewegte, inspirierte Clay, sein angeborenes Bewegungstalent in die Obhut des angesehenen Lehrmeisters zu geben. Cassius Clay wurde Olympiasieger und ging in Dundees legendäres 5th Street Gym zur Profischule.
Oft genug hat der Chef in der Ecke Ali gerettet und auch zum Sensationssieg über Sonny Liston geführt. Nach der vierten Runde jammerte Clay: „Angelo, ich kann nichts sehen.“ Irgendetwas Ätzendes war in seine Augen gelangt. „Schneide die Handschuhe auf. Wir gehen nach Hause.“ Dundee herrschte ihn an: „Bleib weg von ihm, bis deine Augen wieder klar sind. Niemand läuft von der Schwergewichtsweltmeisterschaft weg. Deswegen sind wir hier, baby.“ Nicht Clay, Liston gab nach der sechsten Runde auf.
Als George Foreman zwanzig Jahre nach der Niederlage gegen Muhammad Ali in Kinshasa 1994 wieder Weltmeister wurde, mit 46 Jahren, stand Dundee beim K.o.-Sieg über Michael Moorer in seiner Ecke. Foreman lag hoffnungslos nach Punkten zurück. Vor der zehnten Runde gab Angelo Dundee die entscheidende Order: „Knock him out, baby.“ Dabei war die Philosophie Angelo Dundees eine andere: „Boxer zu trainieren ist wie der Versuch, einen Fisch zu fangen. Es geht um Technik, nicht um Kraft.“