Der amerikanische Unternehmer Larry Ellison hat bisher mehr als hundert Millionen Dollar ausgegeben, um den begehrtesten Pokal im internationalen Segelsport zu gewinnen – den America's Cup. Die Anstrengungen und das viele Geld haben allerdings bis heute zu nichts Zählbarem geführt.
Trotzdem stand der Chefmanager der Softwarefirma Oracle am Dienstag im Yachthafen von San Diego vor der neuesten Kreation seines Teams, einem riesigen Mehrrumpfboot, das bei Tests Spitzengeschwindigkeiten von fast fünfzig Knoten erreicht hat, und zeigte sich wieder einmal von seiner kämpferischen Seite. Der Trimaran mit dem 56 Meter hohen Mast und dem von den beiden Sponsoren BMW und Oracle abgeleiteten Techno-Namen „BOR 90“ sei schlichtweg die schnellste Segelyacht auf dem Planeten, sagte er.
Selbst wenn das stimmen sollte und nicht nur die typische Übertreibung eines selbstbewussten und marketingfixierten Geschäftsmanns ist: Pure Geschwindigkeit reicht womöglich auch diesmal nicht. Ellison, der den Kampf um den America’s Cup gegen das Schweizer Syndikat Alinghi zu einem großen Teil juristisch austrägt (siehe auch: Segelwettbewerb: Duell der hochgerüsteten Techno-Yachten) und mit dem Neuseeländer Russell Coutts den erfolgreichsten Skipper der America's-Cup-Geschichte verpflichtet hat, sieht hinter allem und jedem ein Problem.
„Wir machen uns Sorgen um die Sicherheit unserer Crew“
So sieht zwar im Moment alles danach aus, dass der Cup vom 8. Februar 2010 an zum ersten Mal in arabischen Gewässern ausgetragen wird – vor Ras al-Khaimah in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Aber Ellison machte keinen Hehl daraus, dass ihm auch das gegen den Strich geht: „Ich glaube, sie haben es wegen der schwachen Winde ausgewählt. Ich bin ein bisschen besorgt, weil es weniger als 150 Kilometer von Iran entfernt liegt“, sagte er. „Wir machen uns Sorgen um die Sicherheit unserer Crew.“
So scheint der nächste Gang zum Gericht programmiert und könnte jederzeit das zurzeit geplante Programm zum Kentern bringen. Nur so viel scheint klar: BMW Oracle Racing, so bestätigte Teamchef Russell Coutts, will gegen den vom in Hamburg lebenden Chefkonstrukteur Rolf Vrolijk entwickelten Katamaran Alinghi 5 auf jeden Fall mit dem in San Diego liegenden 27 Meter langen und 27 Meter breiten Trimaran ins Rennen gehen.
Ein Alternativboot gibt es nicht. Man wird allerdings an diesem Kunstwerk aus Kohlefaser und Titan noch sehr viel basteln. So muss zum ersten Mal in der Geschichte des Cups ein Motor eingebaut werden, der über ein Winschensystem Segel, Mast und möglicherweise sogar beweglichen Ballast justieren kann – also zum Beispiel Wasser, das in die äußeren Rümpfe gepumpt wird.
Erst die Verhältnisse studieren - und dann entscheiden
Anders als Ellison klang Teamchef Russell Coutts wie ein Mann, der bereit wäre, sich in sein Schicksal zu fügen. Er wird zunächst die Verhältnisse in Ras al-Khaimah studieren und dann entscheiden, „ob wir uns gegen Alinghis Wahl für den Austragungsort wehren“. Coutts, der als Hauptfaktor für den ersten Alinghi-Erfolg 2003 gilt, aber den Schweizer Syndikatschef Ernesto Bertarelli nach einem Streit verließ und 2007 zum Zuschauen verdammt war, scheint es in Stilfragen eher mit dem diplomatischen Ton von Königin Elisabeth II. zu halten, die ihm vor kurzem den Titel „Ritter des britischen Empires“ verliehen hatte.
„Hoffentlich sind die Bedingungen so, dass jeder sehen kann, wie spektakulär diese Boote sind. Es wäre eine Schande, wenn wir bei Windstärken von vier bis sieben Knoten herumsegeln und man die Yachten nicht fliegen sehen kann.“