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Bestechungsvorwurf gegen Handball-Präsident „Da ist der Ulrich bockig“

 ·  Handball-Präsident Strombach sieht sich vor dem Verbandstag etlichen Vorwürfen ausgesetzt: neben fehlender Kommunikation geht es auch um Bestechung. Eine Zahlung von 50.000 Dollar an den russischen Verband vor der Vergabe der WM 2005 hält Strombach für legitim.

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Holger Nickert hat sich einiges vorgenommen für den Samstag, er will in Hamburg aufstehen und den Präsidenten des Deutschen Handball-Bundes (DHB) zur Rede stellen. Nickert ist Vorsitzender des Badischen Handballverbandes, und er ist mit manchem im DHB nicht zufrieden, auch nicht mit dem Führungsstil von Ulrich Strombach, der den Verband seit zehn Jahren leitet.

Nickert sieht im DHB-Bundestag in Hamburg die geeignete Bühne, um sein Anliegen zu artikulieren. Er sagt: „Ich will niemanden stürzen, ich will keine Rebellion anzetteln.“ Er betont, dass er stattdessen aufrütteln wolle, „damit man mehr Kommunikation und Transparenz bekommt“. Das zielt gegen Strombach, den Anwalt aus Gummersbach, dem häufig ein selbstherrliches Gebaren vorgeworfen wird.

50.000 Dollar gingen an den russischen Verband

Aber vermutlich wird er wiedergewählt werden, es gibt derzeit auf alle Fälle keinen Gegenkandidaten. Und Strombach möchte seinen Posten auch behalten. „Selbstverständlich doch“, sagt der Präsident, er ist sehr zuversichtlich. „Ich habe mir überhaupt nichts vorzuwerfen, weder nach außen noch nach innen.“ Strombach sagt allerdings auch, dass er sich unter Druck gesetzt fühle. In den vergangenen Tagen nämlich war die DHB-Spitze ins Gerede gekommen wegen eines Vorkommnisses aus dem Jahre 2002. Die Deutschen hatten sich damals für die Weltmeisterschaft 2005 beworben, und dabei soll es ein unmoralisches Angebot gegeben haben.

Die Russen hatten, damit sie sich als Kandidaten zurückzogen, 50.000 Dollar vom DHB erhalten. Die Deutschen bekamen freilich doch nicht den Zuschlag für die WM 2005, sie durften das Championat erst zwei Jahre später ausrichten mit durchschlagendem Erfolg. Jetzt wurde die Geschichte von 2002 im „Sportclub“ des Norddeutschen Rundfunks publiziert, Strombach geriet just vor dem Bundestag in Bedrängnis.

„Ganz legal, wir haben keine Stimme gekauft“

Der DHB versucht nun den Eindruck zu vermitteln, dass es sich dabei um eine „olle Kamelle“ handele. „Keiner weiß, warum dieses Ding jetzt hochgekocht wird“, sagt Horst Bredemeier, der im DHB als Vizepräsident für den Leistungssport zuständig ist. Er behauptet auch, dass der DHB sich keiner unsauberen Machenschaften schuldig gemacht habe. „Das war ganz legal, wir haben keine Stimme gekauft.“

Strombach sieht das natürlich genauso. „Da wird eine Kuh durchs Dorf getrieben, die schon fünfmal ermordet worden ist.“ Und überhaupt: „Wir haben niemanden bestochen.“ Der Begriff Bestechung machte indes im Zusammenhang mit der WM 2005 die Runde, und Strombach kündigte vermeintlich kämpferisch an: „Das wird noch Konsequenzen haben.“ In Hamburg will er klären, wer dahintersteckt. „Er will ja was erreichen. Ich weiß nur nicht, was.“

Übliche Praxis im Sport?

Dass den Russen 50.000 Dollar gezahlt wurden, hält der Gummersbacher für legitim. Er spricht von einem Arrangement unter Partnern, „da gab es Leistung und Gegenleistung“. So unterstützten die Deutschen die Russen damit beispielsweise bei einer Länderspielreise. Strombach weist auch darauf hin, dass „diese Gelder ordnungsgemäß verbucht worden sind“.

Nickert empfindet ein solches Vergehen zwar als störend, aber er sagt auch, dass dies wohl eine übliche Praxis im Sport sei. „Man muss mit den Wölfen heulen.“ Grund zur Klage liefert ihm eher der angeblich mangelnde Informationsfluss im deutschen Handball. Er bemängelt, dass Funktionäre wie er wichtige Entscheidungen häufig erst aus der Presse erführen.

Strombachs Wirken: „L'état c'est moi“

Als Beispiel nennt Nickert die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Heiner Brand bis 2013. „Handball ist ein Teamsport“, sagt er. Das soll als Aufforderung an Strombach verstanden werden, sich auch den Landesverbänden mehr zu öffnen, aus denen auch diese Einschätzung über Strombachs Wirken stammt: „L’état c’est moi – das ist halt etwas veraltet.“

Der Gummersbacher mag das nicht auf sich sitzen lassen, er sagt zu solchen Vorhaltungen: „Das ist nicht richtig.“ Einer seiner engeren Mitarbeiter erzählt, dass der Chef gar keinen Grund erkenne, sich zu wandeln, schon gar nicht durch öffentlich formulierte Kritik. „Da ist Ulrich bockig.“ Nickert lobt immerhin auch das Werk von Strombach als Präsident. „Er hat einiges für den deutschen Handball getan.“

Der Präsident will in eigener Sache aktiv werden

Bredemeier spricht – trotz der olympischen Enttäuschungen – gar von einer Blütezeit dieses Sports, nicht nur wegen des WM-Triumphes von 2007. Er erwähnt außerdem, dass der Verband gesund dastehe – er hatte ja einst gravierende finanzielle Probleme. Strombach möchte die Entwicklung des Handballs weiter kräftig vorantreiben, er präsentiert dazu in Hamburg ein bedeutendes Papier, „eine Art Verfassung für den Handball“. Der Präsident will aber offenbar auch in eigener Sache aktiv werden. „Ich werde einigen Blödsinn richtigstellen.“

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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