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Berufsboxen Gabi fordert Sven Ottke hart heraus

14.12.2003 ·  Gabi Ottke läßt eine gewisse Skepsis durchblicken, wenn es um den nächsten Kampf ihres Mannes geht. "Er hört ja nicht auf mich", sagt sie vielsagend, ohne auszusprechen, was sie ihm denn raten würde.

Von Hans-Joachim Leyenberg
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Gabi Ottke läßt eine gewisse Skepsis durchblicken, wenn es um den nächsten Kampf ihres Mannes geht. "Er hört ja nicht auf mich", sagt sie vielsagend, ohne auszusprechen, was sie ihm denn raten würde. Sven Ottke ist durch den einstimmigen Punktsieg über den Engländer Robin Reid nach wie vor Weltmeister im Super-Mittelgewicht der Verbände IBF und WBA. Das Resulat ist noch das Beste, was sich über das unansehnliche Duell der Kampfhähne in der Nürnberger Arena sagen läßt. Als kopfgesteuerte Boxer agieren beide grundsätzlich lieber im Rückwärtsgang unter Aufbietung aller möglichen Verteidigungsstrategien, sobald der andere die Inititive ergreift.

"Der ist leider nicht doof", schwante dem Titelverteidiger schon vorab, was auf ihn zukommen würde. Das gedrechselte Wort von der "Verschleierung des Kampfgeschehens" machte die Runde, die Ottke nicht behagt habe. Die deutsche Seite reklamierte zudem den "unsauberen" Stil des Herausforderers, der auch die Nieren und den Nacken seines Gegners traktierte. Dabei ist Ottke selbst kein Saubermann im Nahkampf. Er dreht ab, er klammert, gerade wie er es für richtig hält. Als Beobachterin von nunmehr zwanzig erfolgreichen Titelverteidigungen hielt Fachfrau Gabi im aktuellen Falle fest: "Sven kann nicht erwarten, daß der andere sich so hinstellt, wie er es gerne hätte."

„Ottke sollte aufhören“

Das sitzt! Das Wort "noch" kam in der unmittelbaren Nachbetrachtung auffällig oft vor. Noch würde sich sein Svennie in der Vorbereitung richtig reinhängen, schwärmte Trainer Ulli Wegner von der Arbeitsmoral. Noch sei doch alles in Ordnung, argumentiert Promoter Wilfried Sauerland, auf das imaginäre Verfallsdatum seines noch besten Mannes im Stall angesprochen. Was niemand in der Führungsetage hören will, aber durch die Blume zu hören bekommt: Ottke war schon mal besser, souveräner. Die 6.000 Zuschauer in Nürnberg spendeten brav Applaus - zu Ovationen reichte das Gebotene nicht aus. "Wenn Reid wegläuft und im Stil von Ottke boxt, kann es nur so kommen", analysierte Kollege Markus Beyer, Weltmeister des WBC. Der IBF-Delegierte Benedetto Montella, Stammgast an deutschen Ringen, einer, der in offizieller Mission alle WM-Kämpfe von Henry Maske, Ottke und Axel Schulz gesehen hat, stellte nüchtern fest: "Ottke sollte aufhören, es ist an der Zeit, er sollte ungeschlagen abtreten."

Das Zitat wird Ottke fuchsen, mehr als die vergänglichen Spuren des 33. Kampfes im Profilager. Beim Blick in den Spiegel sah er mit seinen Schwellungen auf der Stirn gehörnt aus. Dazu kamen Blessuren am geschwollenen rechten Auge. Auch die blauen Flecken rund um die Hüfte werden ihm ein paar Tage erhalten bleiben. "Da muß ich jetzt durch", sagte er tapfer, "in einer Woche ist es wieder gut, Boxen ist nunmal kein Pingpong." Das ist der Punkt. Mit 36 Jahren wird diese Form der Akkordarbeit zur Strapaze, die einer, der materiell ausgesorgt hat, sich nicht mehr zwangsläufig zumuten muß. Aber er will. Noch. Im März steht die nächste freiwillige Titelverteidigung an, danach die Pflicht. Die könnte, gegen wen auch immer, ausgesprochen unangenehm werden.

Die Tücken des Herausforderers

Reid, der mit schier unbändiger Vorfreude in den Ring von Nürnberg ging, nährte, solange er an seine Chance glaubte, den Verdacht, daß hier einer zur Stelle war, der zu schnell für Ottke sein könnte. Der Brite provozierte, fintierte, aber mit zunehmender Distanz wirkte er, als hätte ihm jemand den Giftzahn gezogen. In der Pause zur siebten Runde hatten ihm seine Betreuer erzählt, daß der Weltmeister mit drei Punkten vorne liege. Als zwölf Runden hinter ihm lagen, anwortete Reid auf die Frage, was es so schwer mache, Ottke zu besiegen: "Die Punktrichter und der Ringrichter."

Einen hat er dabei denn doch vergessen: den unbequemen Ottke. Der zog in der "zweiten Halbzeit" das Tempo an, während Reid abbaute. "Der ist vier, sechs Runden lang weggelaufen. Beim Laufen hat er seine Kondition überstrapaziert", folgerte Ottke. Vielleicht war es aber auch die Tendenz des Ringrichters. Der hatte Reid im Visier, so manche seiner Aktionen unterband der Belgier im Ansatz. Er nervte Reid. Roger Tillemann war es ein dringendes Bedürfnis, Reid eine Verwarnung wegen Kopfstoßens auszusprechen. Die ging einher mit dem Punktabzug auf den Wertungsbögen der Punktrichter. Die votierten in der Summe mit 116:113, 115:112 und 116:111 einhellig für den alten und neuen Weltmeister.

Er sei auf alles vorbereitet gewesen, sprach der Sieger, als es geschafft war, die Tücken des Herausforderers an. Worauf Sven Ottke nicht so gut präpariert sein dürfte, ist die Manöverkritik im Hause Ottke. Zur Jahreswende werden auch dort Zukunftspläne geschmiedet und Vorsätze gefaßt. Die kritische Frau des Hauses sagt bestimmt nicht immer das, was er gerne hören würde.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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