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Berlin-Marathon Gebrselassie gewinnt in Weltjahresbestzeit

24.09.2006 ·  Der Äthiopier Haile Gebrselassie feierte beim Berlin-Marathon in 2:05:56 Stunden einen souveränen Sieg, seinen Angriff auf den Weltrekord vereitelte aber der wechselnde Wind: „Ich bin trotzdem glücklich und sicher, daß ich eines Tages den Rekord brechen kann.“

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Nur wenige Sekunden nach seinem verpaßten Weltrekord konnte Haile Gebrselassie schon wieder lachen. Der Sieger des 33. Berlin-Marathons winkte im Ziel am Brandenburger Tor den vielen Tausend Fans mit der äthiopischen Fahne in der Hand zu und erzählte voller Zufriedenheit von seinem Weg zur Jahres-Weltbestzeit von 2:05:56 Stunden: „Es war fantastisch, einfach großartig. Ich bin glücklich und sicher, daß ich eines Tages auch den Rekord brechen kann. Die Atmosphäre und der Kurs sind toll.“

Die Bestmarke seines Freundes Paul Tergat (Kenia/2:04:55) verfehlte er bei seinem vierten Marathon noch um 1:01 Minuten, ist aber nun fünftschnellster Marathonläufer mit dem siebtbesten Resultat aller Zeiten. Tergat hatte die Weltrekord-Zeit vor drei Jahren an gleicher Stelle erzielt. Gebrselassie verlor sie bei windigen Verhältnissen bei Kilometer 39 aus den Augen, nachdem er fast das ganze Rennen auf Kurs gelegen hatte und bis zu einer halben Minute Vorsprung auf Tergats Zwischenzeiten hatte.

Äthiopierin Gete Wami gewinnt bei den Frauen

Doch der lange Lauf ohne Tempomacher, von denen ihn der letzte bei Kilometer 25 verließ, sowie die hohen Temperaturen und Gegenwind forderten ihren Tribut: „Ab Kilometer 35 hat es sehr wehgetan, vor allem wegen des Windes“, erzählte der zweimalige Olympiasieger und viermalige Weltmeister über 10.000 m, der in seiner Karriere schon 21 Weltrekorde aufgestellt hat und in Berlin die seit 1999 währende kenianische Siegesserie beendete. Seinen nächsten Weltrekordversuch plant er im kommenden April in London.

Gebrselassie gewinnt Berlin-Marathon

Bei den Frauen zog Gebrselassies Teamkollegin Gete Wami einen Schlußstrich unter die japanische Erfolgsserie von sechs Siegen in Serie. Die 10.000-m-Olympiazweite von 2000 lief in 2:21:34 Stunden äthiopischen Rekord und behauptete sich gegen die Kenianerin Salina Kosgei (2:23:22).

Melanie Kraus wurde Sechste

Beste Deutsche war die Leverkusenerin Melanie Kraus, die nach ihrem vierten Platz 2005 dieses Mal in 2:35:37 Sechste wurde. Die ehemalige EM-Dritte Sonja Oberem stieg bei ihrem Comeback nach zweijähriger Babypause bei Kilometer 17 aus, weil sie in einer Straßenbahnschiene hängen blieb und eine alte Oberschenkelverletzung aufbrach.

Die Vorjahressieger Philip Manyim (Kenia) und Mizuki Noguchi waren nicht am Start. Die Olympiasiegerin aus Japan mußte wegen einer Fußverletzung kurzfristig absagen. Der als Mitfavorit gestartete Sammy Korir (Kenia), in 2:04:56 zweitschnellster Marathonläufer aller Zeiten, stieg bei Kilometer 26 vorzeitig aus.

17. Erfolg für Heinz Frei

Insgesamt hatten am Sonntagmorgen 31.472 Läufer die gesamten 42,195 km in Angriff genommen. Bis zum Meldeschluß hatten allerdings 39.636 Langlauf-Enthusiasten eine Startnummer erhalten. Jeder Fünfte ist damit wieder abgesprungen. „Dies ist bei großen internationalen Marathonläufen nicht ungewöhnlich“, sagte Berlins Chef-Organisator Mark Milde. Wichtigste Gründe für die Absagen seien gesundheitliche Probleme oder mangelnde Fitness für die 42,195 Kilometer lange Herausforderung.

Bei den Skatern hatte es schon am Samstag italienische Erfolge durch Luca Saggiorato (1:02:25) und Giovanna Tuchiarelli (1:14:02) gegeben, die sich im Spurt vor fünf zeitgleichen Rivalinnen behauptete. Jana Gegner (Berlin) schaffte als Vierte die beste deutsche Plazierung dieser zwei Tage. Rollstuhlfahrer Heinz Frei (Schweiz) kam bei den Rollstuhlfahrern bereits zu seinem 17. Erfolg in der deutschen Hauptstadt.

Dauerlauf gegen die Armut

Die beiden Marathon-Sieger kassierten je 50.000 Euro Siegprämie, hinzu kam bei Gebrselassie ein Startgeld von rund 250.000 sowie 30.000 Zeitbonus, Wami bekam zusätzlich 15.000 Euro für ihre Zeit. Das Geld steckt Gebrselassie in seine Firma in Addis Abeba und in seine sozialen Projekte. So unterstützt er den Bau zweier Schulen, den deutsche Läufer nach einem Äthiopien-Besuch angekurbelt haben. „Das Projekt bringt kein Geld, aber Befriedigung und die ist mein Profit. Denn der Schlüssel für eine erfolgreiche Zukunft Äthiopiens ist Bildung.“

Wenn der vierfache Familienvater durch Addis Abeba fährt, bleiben die Menschen auf den Straßen der Hauptstadt stehen, recken die Köpfe nach ihm und rufen sich voller Bewunderung zu: „Haile, Haile.“ Autogrammwünsche erfüllt er seit jeher mit bemerkenswerter Geduld, sein markantes Lachen hellt dabei auch den dunkelsten Raum auf. Seine Rennen sind Dauerläufe gegen die Armut in der Heimat: „Ich möchte meinem Land helfen und ein Vorbild für die Jugend sein. Am besten geht das, indem ich gewinne.“

Marathon in Berlin

Männer:
1. Haile Gebrselassie (Äthiopien) 2:05:56 Std. JWB
2. Dudisa Shentema Kudama (Äthiopien) 2:10:43
3. Kurao Umeki (Japan) 2:13:43
4. Terefe Yae (Äthiopien) 2:15:05
5. Ahmed Ezzobayry (Frankreich) 2:15:29
6. Driss EL Himer (Frankreich) 2:16:44
7. Ombeche Mokamba (Kenia) 2:17:34
8. Jackson Koech (Kenia) 2:17:42
...
31. Elias Sansar (Bielefeld) 2:30:40

Frauen:
1. Gete Wami (Äthiopien) 2:21:34 Std.
2. Salina Kosgei (Kenia) 2:23:22
3. Monica Drybulska (Polen) 2:30:12
4. Asha Gigi Roba (Äthiopien) 2:32:32
5. Marcia Narlock (Brasilien) 2:35:28
6. Melanie Kraus (Leverkusen) 2:35:37
7. Shitaye Gemechu (Äthiopien) 2:35:55
8. Adanech Zekiros (Äthiopien) 2:36:48

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, sid
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