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Neuseeland beim America’s Cup : Die lang ersehnte Rache

Das soll nicht wieder vorkommen: Die amerikanische Oracle vor dem Herausforderer Neuseeland. Bild: AFP

Die Niederlage gegen das Team Oracle beim America’s Cup vor vier Jahren hat die Segelnation Neuseeland in tiefe Depression gestürzt. Jetzt kommt es wieder zum Duell mit den Amerikanern.

          Auf diese Chance hat Grant Dalton vier Jahre lang gewartet. Als die Segelcrew des Teams New Zealand am Montagabend vor der Küste Bermudas im siebten Rennen den fünften Sieg gegen das Artemis-Team aus Schweden errang und sich damit für das Finale des 35. America’s Cup qualifizierte, konnte es der Teamchef der Neuseeländer kaum abwarten, bis der futuristische Katamaran mit dem klangvollen Namen „Aotearoa“ – was mit „Land der langen weißen Wolke“ übersetzt werden kann – endlich an der Kaimauer des Hafens von Hamilton anlegte.

          Wie ein stolzer Vater umarmte Dalton jeden Einzelnen der sechsköpfigen Crew innig und herzte dabei besonders lange seinen Skipper Peter Burling. Der erst 26 Jahre alte Mann aus Tauranga hat es mit seiner unaufgeregten und konzentrierten Art zu segeln möglich gemacht, dass die Neuseeländer mit dem Start der Finalrennen an diesem Samstag gegen das Titelverteidigerteam Oracle aus den Vereinigten Staaten eine der schlimmsten sportlichen Niederlagen ihres Landes vergessen machen können. Das wäre Daltons langersehnte Rache an den von ihm verhassten Amerikanern.

          Vier Jahre ist es her, dass die Crew um den damaligen Steuermann Dean Barker das Finale um die älteste Sporttrophäe der Welt dominierte. Nach einer komfortablen 8:1-Führung hätte sie nur noch ein weiteres Rennen gewinnen müssen – und verlor dann doch noch alles. Oracle und ihr Skipper Jimmy Spithill entschieden die letzten acht Duelle für sich, siegten in einem der größten Comebacks der Sportgeschichte noch 9:8 und stürzten die Segelnation Neuseeland – in der es offiziell mehr Boote als Autos gibt – in eine tiefe Depression, die bis heute anhält. „Darüber kommt man nie hinweg“, hatte Dalton bereits vor dem Start der 35. Cup-Auflage zu Protokoll gegeben und an die schwierigste Phase seiner Karriere erinnert: Wegen umstrittener Absagen einiger Rennen sowie des nicht gewerteten neunten Siegs der Neuseeländer aufgrund der Überschreitung des Zeitlimits fühlte er sich betrogen.

          Der heute 59-Jährige war es, der den nach der historischen Niederlage hemmungslos heulenden Barker als Skipper feuerte und damit die Wut vieler Landsleute auf sich zog. Doch während die Öffentlichkeit auch seinen Rückzug forderte und die neuseeländische Regierung die Summe ihrer Fördergelder deutlich senkte, blieb Dalton an Bord. Er wechselte bis auf Trimmer Glenn Ashby die komplette Crew aus und verstrickte sich mit Oracle und den anderen teilnehmenden Teams in einen heftigen Streit um die Zukunft des America’s Cup.

          Abermals sah sich der Teamchef einer Verschwörung ausgesetzt und bezeichnete die Neuseeländer als den „einsamen Wolf“ im Segelkosmos. „Die anderen wollen uns tot sehen“, erklärte er und kündigte zuletzt in der „New York Times“ an, dass die Neuseeländer im Falle des Triumphes, der mit dem Recht verbunden ist, die Rahmenbedingungen des nächsten America‘s Cup festzulegen, den Wettbewerb wieder deutlich traditioneller gestalten und die Entwicklung zu einer Formel 1 auf dem Wasser beenden würden. „Der Cup ist sonst nur eine weitere dreckige, kleine Regatta und dem Untergang geweiht.“

          Große Freude bei Neuseeland. Bilderstrecke
          Große Freude bei Neuseeland. :

          Damit es aus seiner Sicht nicht so weit kommt, präsentierte er im Februar 2015 den damals erst 24 Jahre alten Burling als neuen Steuermann der Neuseeländer. Der siebenmalige Weltmeister und Olympiasieger von Rio de Janeiro gilt als Jahrhunderttalent und wirkt mit seiner zurückhaltenden Art wie der krasse Gegenentwurf zum auf dem Land wie auf dem Wasser äußerst angriffslustigen Spithill. Im Gegensatz zu dem für die Amerikaner startenden 37 Jahre alten Australier ist Burling kein gelernter Duellsegler. Trotz einiger verschlafener Vorstartphasen konnte er sich aber bislang fast immer auf seine taktische Raffinesse im Rennverlauf und die Schnelligkeit seines Bootes verlassen.

          In der Qualifikation zeigte er bereits einmal ein nahezu perfektes Rennen, als sein Katamaran über die komplette Dauer hinweg von den sogenannten „Foils“ aus dem Wasser gehoben wurde und somit maximales Tempo erreichte. Ob das genügt, um die Oracle-Crew, die neben Spithill als Steuermann mit Taktiker Tom Slingsby und Trimmer Kyle Langford zwei weitere Schlüsselpositionen mit erfahrenen America’s-Cup-Siegern besetzt hat, zu schlagen, wird sich weisen. „Wir haben das Gefühl, dass es jetzt der richtige Zeitpunkt ist, um es mit Oracle aufzunehmen. Wir können es schaffen“, sagt Burling, der als jüngster Skipper, der jemals den bedeutendste Titel im Segelsport gewonnen hat, in die Geschichte eingehen könnte.

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          Dass er dazu aber nicht nur die nötigen acht Rennen gewinnen, sondern auch die verbalen Attacken von Spithill aushalten und abwehren muss, hat Burling schon vernommen. Der Mann mit den Sommersprossen gilt als Meister der Psychotricks und des Trash-Talks, trainierte schon mit den amerikanischen Navy Seals, besitzt eine Pilotenlizenz und stellt sich an einem Tag, an dem die Organisatoren alle Rennen aufgrund zu starker Winde absagen, schon einmal auf sein Surfbrett, um zu beweisen, dass der Sturm für ihn kein Problem darstellt.

          Auf den Pressekonferenzen berichtet er regelmäßig, was ihm ein vermeintlicher Maulwurf im neuseeländischen Team schon wieder erzählt habe, und stellt darüber hinaus Burlings Fähigkeiten als Skipper in Frage. „Zweimal sind wir bislang gegen sie gesegelt, und beide Male haben sie ziemlich fundamentale Fehler gemacht“, erklärte er zuletzt mit Hinweis auf die beiden von den Amerikanern gewonnenen Duellen in der Vorrunde. Den Skipper der Neuseeländer scheint das bislang allerdings nicht zu jucken: „Wir freuen uns sehr auf ein bisschen spaßiges Geplänkel mit den Amerikanern. Das gehört doch dazu“, sagte Burling unter der Woche in einem Interview mit dem neuseeländischen Fernsehen. Offenbar kann ihn nicht einmal das aus der Ruhe bringen.

          Bermuda : Spannende Qualifikation beim America's Cup

          Der 35. America`s Cup im Überblick

          Modus: Nach Qualifikationsrunden mit sechs Booten kommt es zum Zweikampf beim Finale beim America`s Cup. Dabei trifft Titelverteidiger Oracle Team USA auf Team New Zealand. Beide standen sich schon bei der vergangenen Ausgabe 2013 gegenüber. Da die Amerikaner in der Qualifikation am besten abschnitten, gehen sie mit einem Punkt Vorsprung in die Final-Regatten (offizielles Start-Resultat ist: Oracle gegen New Zealand 0 zu -1). Pro Tag sind zwei Läufe angesetzt. Für einen Sieg gibt es einen Punkt. Wer zuerst sieben Punkte gesammelt hat, gewinnt den 35. America’s Cup vor Bermuda. Oracle muss also sieben Rennen gewinnen, New Zealand aufgrund des Rückstands acht.

          Aktueller Stand: Oracle Team USA - Team New Zealand 0 : -1

          Termine der Final-Regatten:

          Samstag, 17. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 1. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 2. Wettfahrt

          Sonntag, 18. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 3. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 4. Wettfahrt

          Samstag, 24. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 5. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 6. Wettfahrt

          Sonntag, 25. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 7. Wettfahrt
          19.45 Uhr MESZ: 8. Wettfahrt*

          Montag, 26. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 9. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 10. Wettfahrt*

          Dienstag, 27. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 11. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 12. Wettfahrt*

          Mittwoch, 28. Juni 2017:

          19.00 Uhr MESZ: 13. Wettfahrt*
          19.45 Uhr MESZ: 14. Wettfahrt*

          * werden nur ausgetragen, falls noch kein Team sieben Siege erreicht hat. Der Zeitunterschied zu Bermuda beträgt fünf Stunden (Deutschland 19.00 Uhr, Bermuda 14.00 Uhr).

          Alle Ergebnisse, Gesamtstand und Termine zum America’s Cup gibt es hier.

          America’s Cup im TV

          Zu sehen sind die Final-Regatten in Deutschland bei Sky Sport News HD, dem frei empfangbaren Sender von Sky, jeweils ab 19.00 Uhr. Heiko Mallwitz kommentiert, Olympiasieger Jochen Schürmann und Oliver Schwall sind die Experten. Hier gibt es den Livestream.

          Auch ServusTV überträgt die Rennen vom America’s Cup. Die Übertragungen beginnen jeweils um 18.55 Uhr. Kommentator ist Gerhard Leinauer mit den Experten Roman Hagara und Hans-Peter Steinacher. Hier gibt es den Livestream.

          Quelle: F.A.Z.

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