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Handball : In Flensburg stehen die Zeichen auf Umbruch

  • -Aktualisiert am

Das Gesicht wird sich ändern: Die SG Flensburg steht vor tiefgreifenden Veränderungen Bild: dpa

Die SG Flensburg-Handewitt muss sich erfinden: Sechs Spieler verlassen den erfolgsverwöhnten Handball-Klub am Saisonende. Der Verlust von Torhüter Andersson wiegt am schwersten.

          Am 29. März ist Mattias Andersson 40 Jahre alt geworden, und selbst ein solch ehrgeiziger Sportler wie der Torwart der SG Flensburg-Handewitt hat mittlerweile verstanden, dass es irgendwann einmal nicht mehr weitergeht mit dem Berufshandball. So richtig glauben wird man es in Flensburg aber erst, wenn er auf dem Mannschaftsbild der SG für die Saison 2018/19 fehlen wird. Doch es steht fest: Andersson hört tatsächlich auf. Wer ihn am Mittwochabend in der Champions League gesehen hat, kann sich gut vorstellen, dass dieser Keeper gut und gerne noch fünf Jahre weiterspielen könnte. Dass die SG im Hinspiel des Viertelfinals überhaupt ein 28:28 gegen den französischen Tabellenführer aus Montpellier erreichte, lag vor allem an Andersson.

          Der Schwede aus Malmö hielt famos, wie man es aus großen Spielen von ihm gewohnt ist. Ein standesgemäßer Abgang mit dem Erreichen des Final-Four-Turniers in Köln Ende Mai ist natürlich sein Wunsch. Dafür muss die SG am 29. April in Montpellier aber wesentlich effektiver im Angriff spielen – Ballverluste und Wurfschwächen verfolgen das Team schon die ganze Saison.

          Es geht in Flensburg allerdings nicht nur um Andersson in diesen Tagen und Wochen. Manager Dierk Schmäschke arbeitet unter Hochdruck am neuen Team. „Wenn sechs Spieler am Saisonende gehen, ist das schon ein amtlicher Umbruch“, sagt er. Schaut man auf die Säulen des Triumphs in der Champions League 2014, stellt man fest, wie rasch sich das Gesicht dieser Mannschaft verändert hat: Linkshänder Steffen Weinhold, Kreisläufer Michael Knudsen und Linksaußen Anders Eggert sind längst weg. Ende Juni wird neben Andersson auch Spielmacher Thomas Mogensen gehen.

          Überraschende Abgänge

          „Es sind richtige Persönlichkeiten, die uns verlassen“, sagt Schmäschke. Neben den großen Namen gehen auch wichtige Spieler der zweiten Reihe, der vereinstreue Kreisläufer Jacob Heinl etwa oder sein Positionskollege Henrik Toft. „Viele Abgänge sind logisch und frühzeitig bekannt gewesen“, sagt Schmäschke. Zu diesen gehört auch der zweite Torwart Kevin Möller, der zum FC Barcelona wechselt.

          Aus der damals gekrönten Stamm-Sieben werden nur noch Lasse Svan, Holger Glandorf und Kapitän Tobias Karlsson in die nächste Saison gehen. Svan ist 34 Jahre alt, Glandorf 35, Karlsson ein Jahr älter. Während Svan längerfristig an den Verein gebunden ist, enden die Verträge Glandorfs und Karlssons am 30. Juni 2019. Schmäschke sagt: „Wenn beide dann noch fit sind, muss man nicht lange überlegen, noch einmal zu verlängern.“

          Guter Auftritt: Gegen Montpellier spielt Flensburg im Hinspiel unentschieden

          Einiges war abseh- und planbar, anderes kam überraschend. Auch Spieler, die sich in Flensburg gut entwickelt haben, folgen inzwischen dem Lockruf des Geldes. Der Universalist Kentin Mahé wechselt zur nächsten Saison nach Veszprem, wo der frühere SG-Coach Ljubomir Vranjes Trainer ist. Mitte 2019 geht nun auch Spielmacher Rasmus Lauge nach Ungarn. Schmäschke reagierte und verpflichtete den Polen Michal Jurecki von KS Kielce. „Früher hat man sich ein halbes Jahr vor Ablauf des Vertrages Gedanken gemacht und zu Gesprächen getroffen, jetzt muss ich mich viel früher mit der Teamplanung beschäftigen“, sagt er. Bei einem Etat von etwa 6,5 Millionen Euro kann Flensburg mit den Schwergewichten Veszprem, Barcelona und Paris nicht mithalten.

          Gerade für Spieler aus Skandinavien bleibt Flensburg aber eine attraktive Adresse, und so ist Schmäschke auch nicht bange vor der Zukunft. „Wir haben und behalten einen Kern an erfahrenen Spielern, an dem sich die Jüngeren aufrichten können. Ich denke da an Jim Gottfridsson. Wir haben ein sachkundiges Publikum und werden der Mannschaft Zeit geben. Die 2014er sind auch kontinuierlich entstanden, und Spieler wie Eggert oder Mogensen kamen als Unbekannte, ehe sie hier groß wurden“, sagt Dierk Schmäschke.

          Vieles im Fluss

          An neue Gesichter wird sich das treue Publikum in der Flens-Arena also gewöhnen müssen. Das Torwart-Duo Buric und Bergerud etwa oder die Kreisläufer Golla und Jensen. Schmäschke sagt: „Die Neuen werden sich hier einleben, und in der Zwischenzeit sind unsere Zugänge vom letzten Jahr gereift.“ Er meint damit die Rückraumspieler Magnus Röd und Simon Jeppson. Interessant wird es auf der Mittelposition, wo der überragende Lauge in seine letzte Flensburger Saison geht und ihm vom Neuen aus Norwegen assistiert wird, Nationalspieler Göran Johanessen.

          Vieles verändert sich also bei der SG, bedenkt man, dass Maik Machulla ja auch erst mitten in seiner Premieren-Saison als Cheftrainer steckt. Schmäschke sagt: „Dafür, dass schon im vergangenen Sommer viel Veränderung war, stehen wir sehr gut da.“ Wenn ein Restzweifel an Flensburgs Zukunft bleibt, hängt das mit Mattias Andersson zusammen – einen Torwart auf diesem Niveau bekommt man nicht jedes Jahr.

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