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US Open : Ein Golfball im Heuhaufen

  • -Aktualisiert am

Golfen oder Rasenmähen? Der Amerikaner Justin Thomas praktiziert bei den US Open beides. Bild: AP

Bei den US Open scheitern die Favoriten reihenweise – nicht am Schwung, sondern am Schwingel, einem langen Rispengras, das nicht nur Bälle sondern auch Hoffnungen verschluckt.

          Es sind Bilder, die man so schnell nicht vergessen wird. Die besten Golfer der Welt wirkten bei den 117. US Open oft wie Heumacher, die verzweifelt versuchen, den Ball aus dem hohen Gras am Rande der Spielbahnen heraus zu hacken – und ihn dann wie der Amerikaner Jordan Spieth, der Champion von 2015, in der ersten Runde nicht einmal in die Luft bekamen.

          Aber selbst wenn es gelang, den Ball wieder auf die Spielbahn zu befördern, wurden alle bestraft, die vom vorgegebenen Weg abkamen. Wer das Fairway verfehlte, musste fast immer ein Bogey hinnehmen, aber auch Doppel- und sogar Triplebogeys waren beim zweiten Major des Jahres keine Seltenheit. Schuld daran ist der Schwingel (Festuca oder englisch Fescue) am Rand der Fairways, Rispengräser mit spitzen, auf dem Rücken rundlichen Ähren. Diese Grassorte findet man vor allem auf schottischen Dünengolfplätzen (Links Courses).

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          Die Designer des 2006 eröffneten Platzes von Erin Hills schufen in der Moränenlandschaft im ländlichen Wisconsin, rund 50 Kilometer nordwestlich von Milwaukee gelegen, einen Platz, der optisch an die Küstenplätze in der Heimat des Spiels erinnert. Das knie-, manchmal sogar hüfthohe Gras am Rande der Spielbahnen liefert eindrucksvolle Fernsehbilder. „Es sieht wunderschön aus. Aber ich sage das nur, weil ich nicht daraus spielen muss“, kommentierte der ehemalige amerikanische Ryder-Cup-Kapitän Paul Azinger das für dieses Major ungewöhnliche Bild. Denn der Schwingel am Rande der Spielbahnen macht den besten Spielern der Welt kräftig zu schaffen – und das, obwohl die Spielbahnen für dieses Major mit 40 bis 50 Metern ungewöhnlich breit sind, aber nicht breit genug für etliche Stars der Branche.

          In der Geschichte der Majors passierte deshalb Einmaliges: Zum ersten Mal, seit im April 1986 die offizielle Golf-Weltrangliste eingeführt wurde, findet an diesem Wochenende eines der vier wichtigsten Turniere der Welt ohne die Top drei der Hackordnung statt. Der amerikanische Titelverteidiger Dustin Johnson (148/75+73 Schläge) und die hinter ihm eingestuften Rory McIlroy (Nordirland/149/78+71) und Jason Day (Australien/154/79+75) verpassten im Gegensatz zu den beiden Deutschen im Feld, Martin Kaymer (141/72+69) und Stephan Jäger (144/71+73), alle deutlich die Marke von 145 (1 über Par), die nötig gewesen wäre, um auch am Wochenende mitzuspielen. Aber nicht nur für diese drei Stars endete das Turnier vorzeitig: Auch weitere Top-Ten-Spieler wie der schwedische British-Open-Champion Henrik Stenson (Nummer 6), dessen Landsmann Alex Noren (8) und der spanische Jungstar Jon Rahm (10) mussten vorzeitig heimreisen, ein Schicksal, das auch den englischen Olympiasieger Justin Rose (11) und den Australier Adam Scott (12) ereilte. So führte bei Halbzeit ein Quartett von Spielern, die kaum jemand auf der Rechnung hatte: Die Engländer Paul Casey und Tommy Fleetwood sowie die Amerikaner Brian Harman und Brooks Koepka (alle 137 Schläge/7 unter Par). Vieles deutet darauf hin, dass sich auch in Erin Hills ein Trend fortsetzt und wie bei den vergangenen sechs Majors auch diesmal ein Profi seinen ersten großen Triumph feiert.

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          Die Erklärung für das Scheitern der vielen Weltklassespieler, mit Ausnahme von Noren und Rahm alles Major-Sieger, liefert kurz und prägnant Day: „Ich war in den vergangenen Tagen zu oft im Heu!“ Dabei schien der Golfplatz in Erin Hills wie geschaffen für die laut Weltrangliste drei besten Profis der Welt: Der bisher längste Platz in der langen Geschichte des Turniers – am Freitag maß er 7168 Meter, 1000 bis 1500 Meter mehr als Plätze, auf denen Hobbygolfer normalerweise spielen – schien maßgeschneidert für das Spiel dieser drei, die alle den Ball extrem weit und meist auch ziemlich präzise schlagen.

          Alle drei lobten vor dem ersten Abschlag den Platz, denn dank der großzügigen Fairways könne man aggressiv spielen. Aber es kam ganz anders: Day kassierte am Donnerstag erstmals in seiner Profikarriere in einer Runde zwei Triple-Bogeys, McIlroy traf an diesem Tag nur fünf von 14 Fairways, und auch Dustin Johnson fand seinen Ball häufig im tückischen Gras wieder. Und keiner der drei spielte am Freitag gut genug, um den angerichteten Schaden wieder wettzumachen.

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          Zum Missgeschick kam für McIlroy noch der Spott. Nach seinem Ausscheiden wurde genüsslich an seine Aussage vom Dienstag erinnert. Da hatte sich der 28 Jahre alte viermalige Major-Sieger darüber beklagt, dass der veranstaltende amerikanische Golfverband USGA noch vor Beginn des Turniers das Festuca an vier Spielbahnen heruntergeschnitten hatte. „Hier sind 156 der besten Spieler der Welt. Wenn man diese breiten Alleen nicht trifft, sollte man seine Sachen packen und nach Hause fahren.“ Genau das musste McIlroy tun. Andere Spieler ahnten hingegen, was sie erwartete. Sie bedankten sich bei Kevin Na. Der Amerikaner hatte vor Turnierbeginn in einem kurzen Video auf Twitter demonstriert, was passiert, wenn der Ball im hohen Gras landet. Der Ball verschwand, war selbst aus nächster Nähe unsichtbar. Der Veranstalter behauptete zwar, dass dieses Mähen nicht nach Nas Video-Botschaft erfolgt sei, aber kaum jemand glaubte den USGA-Offiziellen in ihren blauen Blazern.

          Scherzbolde ließen eine Wasserflasche fallen, entfernten sich ein paar Meter und schon war sie nicht mehr zu finden. Sie ermahnten Eltern, auf kleine Kinder zu achten. Selbst die könnten im hohen Gras verschwinden. Dazu kam es nicht, aber für etliche Favoriten war diese US Open eine bittere Lehrstunde – aber auch ein Trost für viele Hobbygolfer: Selbst die Besten der Welt können die Bälle weit, weit verziehen.

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