26.06.2005 · Die Brasilianer Marcio Araujo und Fabio Magalhäes haben bei der Beachvolleyball-WM den Titel erkämpft. Julius Brink und Kjell Schneider sicherten sich Platz drei und damit die erste WM-Medaille für die deutschen Beachvolleyballer.
Von Michael ReinschWir sind Weltmeister. Fast jedenfalls. Immerhin hat Berlin die Bronzemedaille gewonnen bei der Weltmeisterschaft im Beachvolleyball. "Ihr seid das beste Publikum der Welt!" lobte Julius Brink die achttausend Besucher des Centre Courts vor dem bröckelnden Palast der Republik, "Kjell und ich kamen hierher mit einem siebten Platz als bestem Resultat. An allem, was darüber hinausgeht, seid ihr schuld!"
Brink, Kjell Schneider und ihr Publikum holten am Sonntag die erste Medaille, die es je für ein Team des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV) bei einer Weltmeisterschaft auf Sand gab. Dabei lieferten sie sich ein mitreißendes Match mit Marvin Polte und Thorsten Schoen, die ebenfalls hin- und mitgerissen waren vom Publikum. "Ihr seid der Hauptgrund dafür, daß wir hier stehen", rief Schoen nach der letzten Partie, "Danke, Berlin!" Platz vier geht damit ebenfalls an das Beach-Publikum der Hauptstadt. Der brasilianischen Temperaturen und der brasilianischen Feierstimmung war damit nicht genug: Platz eins holten sich Marcio Araujo und Jesus Magalhaes aus Brasilien mit einem 2:0 (22:20, 21:12) gegen die Schweizer Sascha Heyer und Paul Laciga.
„Der Arzt hat gesagt: Laß es sein!“
"Hobbysportler, die wir sind, werden wir uns heute abend richtig die Kante geben", scherzte der Bankangestellte Schoen, der an diesem Montag morgen zu Beginn des Börsenhandels in der Sparkasse Nordhorn wieder an seinem Schreibtisch zu sitzen hat. Im Halbfinale gegen Araujo/Magalhaes war im zweiten Satz eine Muskelverletzung aufgebrochen, die er sich tags zuvor zugezogen hatte. Um Platz drei kämpfte er dennoch geschlagene 65 Minuten.
„Der Arzt hat gesagt: Laß es sein!“verriet er nach dem Spiel, bei dem er sich lange behandeln lassen mußte, und fuhr unter Tränen fort: "Aber ich habe nur gesagt: Das kann ich mir nicht entgehen lassen." Tatsächlich gewann Schoen, der am Samstag 33 Jahre alt geworden ist, mit seinem Partner den ersten Satz gegen die vom deutschen Verband zu den Titelkämpfen entsandten Brink/Schneider 21:16, die nächsten Sätze mußten sie nach großem Kampf verlorengeben (17:21 und 10:15). "Was ihr hier gemacht habt", lobte der elf Jahre jüngere Julius Brink, "war im Vergleich zu uns noch mal eine Etage besser."
Vielleicht doch die Profitour
Schoen und Polte, erst als Nachrücker zum Turnier zugelassen, sind das Team der Stunde. Brasilianer, Schweizer, Amerikaner loben den überragenden Blocker und seinen enthusiastischen Nebenmann. "Warum spielt ihr nicht auf der World Tour?", mußten sie sich immer wieder fragen lassen, "Ihr hättet das Zeug dafür." Sponsoren meldeten sich, Veranstalter locken mit Wild Cards und Zuschuß zu den Reisekosten. Eine Jury zeichnete ihn als wichtigsten Spieler der Weltmeisterschaft aus.
Da kommt selbst Thorsten Schoen, der sich wegen seiner Anfälligkeit für Verletzungen gegen eine Profikarriere entschied, ins Grübeln. "Ich werde mir zumindest Gedanken machen", kündigte er an und legte das dick bandagierte Bein hoch. "Irgendwas muß doch dran sein, wenn man bei der Weltmeisterschaft Vierter wird." Eine Entscheidung für den Sport würde der Internationale Volleyball-Verband (FIVB) dem Mann gut vergelten. Oder anders herum: Von den 26.000 Dollar Siegprämie, die Schoen und Polte mit Platz vier gewonnen haben, bekommt der Amateur, wenn er sich nicht anders entscheidet, lediglich vierzig Prozent seines Anteils. Der Weltverband erklärt den größeren Teil zum Bonus und zahlt ihn nur denen aus, die mindestens acht Turniere der Weltserie bestreiten. Nun locken die weite Welt - und auch eine ordentliche Börse.
Deutsche Frauen konnten Erwartungen nicht erfüllen
Brink und Schneider, eigentlich die einzigen erfolgreichen Teilnehmer des deutschen Verbandes, können mit 35.000 Dollar zusätzlich zur Bronzemedaille rechnen. Die favorisierten Teams Christoph Dieckmann/Andreas Scheuerpflug und Markus Dieckmann/Jonas Reckermann konnten die auf ihnen lastenden Erwartungen nicht erfüllen und kamen auf die Plätze dreizehn und neun.
Auch die Frauen erfüllten nicht ihre Hoffnungen und die Erwartungen von Verband und Publikum. Als bestes deutsches Frauenteam kamen Stephanie Pohl und Okka Rau auf Platz neun, nachdem sie zunächst den Olympiasiegerinnen und Weltmeisterinnen Kerri Walsh und Misty May aus Amerika unterlegen waren und dann den Silbermedaillengewinnerinnen von Atlanta, den Brasilianerinnen Shelda und Adriana Behar. Walsh/May gewannen den Titel mit 21:17 und 21:17 Punkten gegen die an eins gesetzten Brasilianerinnen Franca/Felisberta Silva, obwohl während ihres Finalspiels am Samstag der einzige Regenschauer der Woche niederging.
Zur guten Stimmung trug auch eine berufliche Entscheidung bei. Jörg Ahmann, in Sydney 2000 zusammen mit Axel Hager Bronzemedaillengewinner, lehnte die Offerte des russischen Verbandes ab, Cheftrainer zu werden. Er widmet sich künftig als Bundestrainer dem deutschen Nachwuchs "U23" sowie dem noch zu gründenden Beach-Stützpunkt Velbert bei Stuttgart. In Berlin betreute er während dieser Woche Polte und Schoen - und hat damit selbstverständlich ebenfalls mitgewonnen.