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Beachvolleyball-WM Deutschland wird zur Strandmacht

25.06.2005 ·  Zum ersten Mal bei einer Beachvolleyball-WM wird mindestens ein deutsches Team eine Medaille gewinnen. Gleich zwei deutsche Männer-Duos stehen im Halbfinale. Die deutschen Frauen spielten keine Rolle, als die Besten den Titel ausspielten.

Von Michael Reinsch
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Ein Geburtstagsständchen von Fremden ist schon eine schöne Auszeichnung. Singen achttausend, wird das Erlebnis umwerfend. Als am Samstag mittag die Besucher der Weltmeisterschaft im Beachvolleyball auf dem Centre Court lautstark Thorsten Schoen hochleben ließen, galt es nicht nur, Geburtstag zu feiern.

Der Bankangestellte aus Schüttorf hatte sich an dem Tag, an dem er 33 wurde, mit seinem Partner Marvin Polte (Essen) zu aller Überraschung ins Halbfinale der Titelkämpfe geschlagen - ebenso wie das Julius Brink und Kjell Schneider (Leverkusen/Kiel) gelungen war. Zum ersten Mal in der Geschichte der Weltmeisterschaften wird damit mindestens ein deutsches Team eine Medaille gewinnen.

Dieckmann und Reckermann nur Neunter

Die deutschen Frauen spielten keine Rolle, als in der Mitte Berlins vor der Ruine des Palastes der Republik die besten Frauen den Titel ausspielten. Im Finale am Samstag verteidigten die Olympiasiegerinnen Kerri Walsh und Misty May-Treanor aus den Vereinigten Staaten ihren WM-Titel durch ein 2:0 (21:17, 21:17) gegen Larissa Franca/Juliana Felisberta Silva aus Brasilien.

Beachvolleyball-WM: Deutschland wird zur Strandmacht

Auch das hoch eingeschätzte Duo Markus Dieckmann/Jonas Reckermann, zweimal Europameister und vor einem Jahr in Berlin Gewinner des Finales der World Tour, scheiterte trotz zweier Matchbälle im Spiel gegen die Amerikaner Rogers/Dalhausser und landete auf Platz neun.

Thorsten Schoen schlug die Hände vors Gesicht, als die Besucher zu singen begannen. Wie bei den Überraschungssiegen zuvor überwältigten den Mann, der im Spiel die härtesten Schmetterbälle blockt, die Gefühle. Er sank in den Sand und weinte. Schoen hatte sich lediglich drei Tage Urlaub von seiner Arbeit in der Sparkasse Nordhorn genommen, um bei der WM einige Spiele mitzumachen - nun hat er fünf Spiele hintereinander gewonnen. Sein Partner Marvin Polte wankte aus dem in der prallen Sonne liegenden Stadion ins Spielerzelt. Er hatte sich so verausgabt, daß sein Kreislauf zu streiken drohte.

Sportlich und wirtschaftlich hohe Ansprüche

Julius Brink, der in zwei Wochen 23 Jahre alt wird, verriet, daß er dasselbe Erfolgsgeheimnis hat wie das Sensationsteam: "Ich stehe jeden Morgen auf, freue mich, daß die Sonne scheint, und denke: Gehen wir rüber, und spielen wir ein bißchen Ball." Sein sechs Jahre älterer Partner Kjell Schneider sagt es deutlicher: "Wir werden hier keine Medaille holen, wenn wir anfangen nachzudenken." Beide deutsche Teams haben bereits je 26.000 Dollar Preisgeld sicher - das entspricht dem Jahresetat einer mittelmäßig ambitionierten Mannschaft.

Nicht nur sportlich, auch wirtschaftlich gelten für Beachvolleyballspieler hohe Ansprüche. "Meine Aufgabe ist es, den Athleten Selbständigkeit und Eigenverantwortung beizubringen", sagt Nachwuchs-Bundestrainer Lennard Krapp, der am Stützpunkt Kiel arbeitet. "Sportartbezogene Spielfähigkeit, das sind auch Routine und Stressresistenz." Vor zwei Jahren haben bei den Welt- und Europameisterschaften in den Altersklassen von "U18" bis "U23" seine Teams neun der zehn Endspiele erreicht und fünf gewonnen; sie holten 13 Medaillen. Bei den Erwachsenen gibt es keinen Bundestrainer; jedes Team umgibt sich auf eigene Initiative und eigene Rechnung mit Experten vom Trainer über den Physiotherapeuten bis zum Mentalcoach.

Entscheidung gegen das Fördersystem

Der Erfolg von Berlin ist dennoch direkt und indirekt Folge der systematischen Förderung durch Verband und Staat. Julius Brink hat drei Jahre im Juniorenkader gespielt und entsprechende Förderungen in Anspruch genommen. Der Zweiundzwanzigjährige vertritt die neue Generation einer Sportart, in der Axel Hager und Jörg Ahmann, Bronzemedaillengewinner von Sydney 2000, als Pioniere gerühmt werden.

Thorsten Schoen hat sich mit der Entscheidung gegen ein Leben als Profi auch gegen das Fördersystem entschieden. Doch selbst die Beschränkung auf die deutschen Turniere anstelle der World Tour fordert ihn und Polte derart, daß er in Berlin in die Weltspitze vorgedrungen ist. "Eine starke nationale Tour ist das A und O", sagt Ahmann, der Schoen und Polte taktisch berät. "Dort werden die Nachwuchsspieler gefordert, dort lernen sie, mit Druck umzugehen." Der deutsche Verband will für Ahmann einen Leistungsstützpunkt in Stuttgart gründen, seinen dritten, und ihn zum "U23"-Bundestrainer machen. Doch auch der russische Verband wirbt um Ahmann - mit außerordentlichen finanziellen Angeboten.

Sechs Jahre Vorsprung, vermutet Ahmann, habe das deutsche Nachwuchssystem gegenüber den meisten anderen, darunter auch denen von Rußland und China. "Höchstens einen olympischen Zyklus" schätzt Krapp die Konkurrenz hinter sich. Selbst wenn die Konkurrenz also mit dem Werben um Experten und Know-how von der Strand-Weltmacht Deutschland Erfolg hätte: Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking könnte das Beach-Publikum auskosten, worauf es nun in Berlin einen Vorgeschmack bekommen hat.

Herren, Viertelfinale:
Julius Brink/Kjell Schneider (Leverkusen/Kiel) - Kais/Vesik (Estland) 2:1 ((21:15, 13:21, 15:10)
Thorsten Schoen/Marvin Polte (Schüttorf) - Alvarez/Ramirez Bernal (Kuba) 2:0 (21:19, 21:17)

Verliererrunde:
Markus Dieckmann/Jonas Reckermann (Moers) - Rogers/Dalhausser (USA) 1:2 (21:19, 16:21, 16:18). Dieckmann/Reckermann damit als Neunte mit 13.500 Dollar Preisgeld ausgeschieden

Damen, Finale:
Kerri Walsh/Misty May (USA) - Franca/Felisberta Silva (Brasilien) 2:0 (21:17, 21:17)
Spiel um Platz 3: Tian Jia/Wang Fei (China) - Fernandez Grasset/Larea Peraza (Kuba) 2:0 (21:13, 21:17)

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. Juni 2005
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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