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WM-Gold im Beachvolleyball : Wunderbare Wiener Glut für Ludwig und Walkenhorst

„Ich kann es nicht glauben, dass wir wirklich Weltmeister sind“: Kira Walkenhorst (links) und Laura Ludwig. Bild: AFP

Laura Ludwig und Kira Walkenhorst gewinnen das Finale der Beachvolleyball-WM auf der Donauinsel. Die Olympiasiegerinnen von Rio komplettieren damit eine einmalige Erfolgsserie.

          Ein Jahr nach dem Rausch von Rio kam das Wunder von Wien. Beides war auf seine Weise außergewöhnlich. „World Champions“, kreischte Laura Ludwig über das Stadionmikrofon den zehntausend Zuschauern in die Ohren. Ihre weiteren Worte blieben unverständlich und mündeten in einen gewaltigen Schrei des Glücks. In der Nachmittagshitze von Wien hat die 31-jährige gebürtige Berlinerin im Finale der Weltmeisterschaft am Samstag ein weiteres Mal gezeigt, dass sie die beste Beachvolleyballspielerin der Welt ist. Mit ihrer Partnerin Kira Walkenhorst komplettierte sie eine einmalige Erfolgsserie: 2015 Europameister, 2016 Olympiasieger, 2017 Weltmeister. „Es war eine so harte Saison“, stöhnte Laura Ludwig glücklich geschafft noch eine Stunde nach dem Matchball. „Ich kann es nicht glauben, dass wir wirklich Weltmeister sind.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Von den drei Triumphen war es der letzte, der den beiden Sportlerinnen die meiste Kraft, den meisten Glauben an sich selbst abverlangte – und dabei bis zum letzten Moment am unwahrscheinlichsten erschien. Nach Laura Ludwigs Schulteroperation vor Beginn der Saison hatte es lang gedauert, bis das Duo wieder gemeinsam trainieren und spielen konnte. Und noch bevor es wieder rund laufen konnte im komplizierten Jahr nach dem Triumph von Rio, der ihnen bei der Wahl zu den „Sportlern des Jahres“ den Titel des besten Teams eintrug, wurde Kira Walkenhorst von einer Infektion betroffen, die sich auf die Schulter ihres rechten Schlagarms ausdehnte. Noch wenige Tage vor der WM war es der überragenden Blockerin und Angreiferin unmöglich, einen harten Ball zu schlagen. Auch während der WM, trotz ausgiebiger Massagen und Behandlungen und ständiger Kühlung der lädierten Schulter, hatte sie zwischenzeitlich immer wieder geglaubt, dass es nicht gehen werde.

          Dass es trotzdem ging, war vor allem auch eine mentale Prüfung. Eine Geduldsübung – sich nicht entmutigen lassen von dem, was mangels Vorbereitung und Abstimmung nicht funktionieren konnte. „Wir wussten, wir müssen mit dem arbeiten, was wir zur Verfügung haben“, sagte Laura Ludwig. So wurden sie die vielleicht ersten Weltmeister, deren WM-Vorbereitung die WM selbst war. „Wir haben von Spiel zu Spiel unseren Rhythmus gefunden, immer mehr auch unsere Dominanz“, sagte die Abwehrspezialistin. „Wir mussten durch die Spiele zu uns finden.“

          Das gelang ihnen von Tag zu Tag besser – und doch, im Endspiel, am Tag nach der Doppelbelastung durch Viertel- und Halbfinale binnen fünf Stunden, wirkte Kira Walkenhorst nicht ganz frei und sicher in ihrer sonst so unwiderstehlichen Dynamik am Netz. „Das Olympia-Niveau ist das noch nicht“, hatte die gebürtige Essenerin am Freitag erklärt und versprochen: „Morgen wird es da sein“. Dass es dann wirklich so kam, lag vor allem an ihrer erfahrenen, fünf Jahre älteren Partnerin, die beim 19:21-, 21:13-, 15:9-Sieg gegen die Amerikanerinnen Lauren Fendrick und April Ross mit wilder Entschlossenheit und großer Präsenz die entscheidenden Aktionen setzte.

          „Wir haben uns zum Glück die Stärke erarbeitet, dass wir uns nie aufgeben, uns nie hängen lassen und uns anpassen können an ein Spiel“, sagte Laura Ludwig, die mit ihren nie zu berechnenden Aufschlägen die Amerikanerinnen im Verlauf des Spiels immer mehr verunsicherte. Nach dem unglücklich verlorenen ersten Satz – durch einen zu lang eingeschätzten, dann aber doch noch ins Feld fallenden Aufschlag – und dem sicher gewonnenen zweiten war es im finalen Durchgang die Energieleistung der agilen Ludwig, die die Wende vom 3:5 zum 7:5 mit zwei phantastischen Abwehraktionen im Hechtflug und mit einem As fast allein erzwang. Nach dem Ausgleich von 7:7 wiederholte sie das, als sie einen umkämpften Ballwechsel mit einer akrobatischen Feldabwehr und einem krachenden Schmetterball zum 9:7 entschied. Es brach den Widerstand der Gegnerinnen. „Sie kamen einfach an alles noch heran“, stöhnte später April Ross.

          Am Ziel: Laura Ludwig und Kira Walkenhorst Bilderstrecke

          „Es fühlt sich immer noch unrealistisch an“, sagte Kira Walkenhorst, während als Realitätsbeweis das glänzende Gold schon um ihren Hals hing. „Unser Ziel in diesem Jahr war eine WM-Medaille“, erzählte sie, „aber diese Hoffnung hatten wir auch schon mal wieder verloren“.

          Entscheidend für den Erfolg war der perfekte Teamgeist dieser beiden sehr unterschiedlichen Spielerinnen, die sich in ihren Talenten und Temperamenten perfekt ergänzen und vor allem wissen, was sie aneinander haben. „Wir haben uns so darauf gefreut, zusammen auf dem Platz zu stehen“, sagte Laura Ludwig, „dass wir hier so viel wie möglich spielen wollten“. Das ist ihnen gelungen, bis ins Finale, bis zum finalen Ball. Nun wollen sie erst einmal feiern und dann weiterspielen, schon in zwei Wochen bei der Europameisterschaft in Lettland. „Gänsehaut“ verspürte Laura Ludwig am Ort ihres schwierigsten Triumphes, und das war eine Leistung bei Temperaturen von bis zu 38 Grad in der Luft und 63 Grad im Sand in den letzten Tagen in Wien. Ihr Fazit: „Dass wir das so hinbekommen haben, ist schon eine geile Leistung.“

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