23.06.2005 · Der Spieler-Streik bei der Beachvolleyball-WM ist beendet und das Turnier läuft weiter. Doch die Einigung zwischen den Spielern und dem Weltverband erscheint dem unvoreingenommenen Beobachter als merkwürdig mageres Ergebnis.
Von Michael Reinsch, BerlinDer Animateur auf dem Centre Court der Beachvolleyball-Weltmeisterschaft in Berlin feuert das Publikum schon mal mit einem lustigen Spruch an. „Ich kriege Angst, wenn es hier so ruhig ist!“ schreit er dann ins Mikrofon. Am Donnerstag mittag hätte er allen Grund dazu gehabt.
Mit Jux und Tollerei mußte er eine Spielpause von eindreiviertel Stunden überspielen. Die Weltmeisterschaft stand auf der Kippe, weil Spielerinnen und Spieler streikten. Doch das Wort von der Angst vermied er tunlichst.
Finanzielle Zugeständnisse
Deutlich stand die Sorge allerdings Werner von Moltke noch ins Gesicht geschrieben, dem Präsidenten des Deutschen Volleyball-Verbandes (DVV). Als er Donnerstag mittag aus dem Zelt der Ehrengäste trat, in dem Spielervertreter mit Ruben Acosta, dem Präsidenten des Internationalen Volleyballverbandes (FIVB) verhandelt hatten, sagte er leichenblaß: „Wenn die WM gescheitert wäre, wäre der deutsche Verband tot und die ganze Welt enttäuscht gewesen.“ Sein Stellvertreter Götz Moser ergänzte: „Wenn die WM abgebrochen und die Spieler gesperrt worden wären, hätte es Krieg gegeben im Beachvolleyball.“
Beachvolleyball-WM: Das Revolutiönchen verläuft im Sand von Berlin
Mancher Turnierveranstalter hat offenbar schon angekündigt, im Fall einer Spaltung eher mit einer Assoziation der Aktiven als mit dem Weltverband zu kooperieren. In hartnäckiger Verhandlung hatten zuerst die Spielerinnen und dann die Spieler dem autokratisch herrschenden Mexikaner finanzielle Zugeständnisse und das Recht abgerungen, sich im Präsidium des Weltverbandes vertreten zu lassen. Damit blieben Moltke das Scheitern der 2,5 Millionen Euro teuren Beach-WM und der Gang zum Konkursrichter erspart.
„Mutter hat es nur gut gemeint“
Als Acosta seine Unterschrift unter die Zugeständnisse auch über den dritten Tag der WM hinauszuzögern begann, entschlossen sich am Donnerstag die Spielerinnen zum Warnstreik. Daraufhin ließ Acosta ausrichten, wer zehn Minuten nach Aufruf seiner Partie nicht antrete, werde nicht nur aus der WM, sondern auch aus der Welt-Tour und von den Olympischen Spielen ausgeschlossen. Daraufhin schlossen sich die Männer dem Streik an.
Nicht nur übertriebene Härte, sondern auch beispiellose Herablassung müssen sich Aktive immer wieder von dem Ehepaar Acosta bieten lassen, das den Volleyballverband regiert, als gäbe es im Sport ein Gottesgnadentum. Sie habe sich doch als Kind gewiß über manches Verbot ihrer Mutter geärgert, gab noch am Mittwoch abend die Präsidentengattin Malu Acosta bei einem Empfang des Berliner Senats der niederländischen Athletensprecherin Marrit Leenstra zu bedenken. Und heute wisse sie doch sicher, daß die Mutter es nur gut gemeint habe.
Merkwürdig mageres Ergebnis
Wer es mit solcher Art der Fürsorge zu tun hat, kann sich breiten Mitgefühls sicher sein. Vizepräsident Moser gestand während der Verhandlung: „Unsere Herzen sind mit den Spielerinnen. Aber wir dürfen die Weltmeisterschaft nicht gefährden.“
Was dann der deutsche Spitzenspieler Andreas Scheuerpflug als ersten Schritt hin zur Akzeptanz der Menschenrechte im Beachvolleyball lobte und die australische Olympiasiegerin Natalie Cook immerhin als sehr großen Schritt vorwärts, erscheint dem unvoreingenommenen Beobachter als merkwürdig mageres Ergebnis. Der Vierjahresvertrag zwischen Spielern und Weltverband, den nicht wenige Betroffene als sittenwidrig beschreiben, soll lediglich einen Zusatz erhalten.
Keine Spielergewerkschaft
Dieser relativiert die Mindestzahl von Turnierteilnahmen - eine Angleichung an Verträge, wie sie die amerikanischen Teilnehmer erstritten haben. Die Idee einer Spielergewerkschaft gaben die Spieler auf. Statt dessen akzeptierten sie eine zwölfköpfige Spielerkommission, aus der ein Repräsentant im Präsidium vertreten sein wird.
Der Fortschritt ist, daß dies nicht unbedingt ein aktiver Spieler sein muß, sondern ein ehemaliger ebenso akzeptiert wird wie jedes Mitglied eines nationalen Verbandes. „Wir haben die stärkere Position einer Assoziation außerhalb des Verbandes aufgegeben“, gestand Natale Cook. „Sie wollten uns in ihren Strukturen haben.“ Der Volksmund hat dafür ein Wort: Angst vor der eigenen Courage.