10.08.2005 · Mit einem Doppelsieg tritt Nationalspieler Andreas Scheuerpflug von der Bühne der Beachvolleyball-Weltserie ab. Nach der EM und der deutschen Meisterschaft im September will sich der 38jährige nur noch um seine Familie und Baby Anna Luca kümmern.
Die vergangenen Tage im Leben des Beachvolleyball-Nationalspielers Andreas Scheuerpflug sahen so aus: zum Weltserien-Turnier nach Klagenfurt gereist, gegen die Europameister Dieckmann/Reckermann, die Weltmeister Marcio/Fabio und die Olympiasieger Emanuel/Ricardo gewonnen, Turniersieger geworden, Rekordpreisgeld von 41.500 Euro eingestrichen. Pressekonferenz, Dopingkontrolle, Flug nach Luzern, zum europäischen Ranglistenturnier.
Dort in zwei Tagen fünfmal gewonnen, unter anderen gegen die WM-Dritten Brink/Schneider und die Olympia-Dritten Heuscher/Kobel. Turniersieger geworden, 8.500 Euro Preisgeld eingestrichen. „Wer auf diesen Doppelsieg gewettet hätte“, sagte Scheuerpflug nach den erfolgreichsten 48 Stunden seines Lebens, „wäre jetzt reich“. Und dann sagte er noch: „Es macht Spaß, vor dem Abschied noch ein bißchen zu spielen. Es ist immer schön, auf dem Höhepunkt abzutreten.“
Wichtiger als Beachvolleyball
Denn die nächsten Monate im Leben des Andreas Scheuerpflug werden vor allem so aussehen: Familie zusammenhalten, Baby Anna Luca hüten. „Ich gehe ins Babyjahr und freue mich auf mein neues Leben“, sagt der 38 Jahre alte Abwehrspezialist. Deutscher Meister 2003 und 2004 war er, Olympiafünfter in Athen, zu Beginn der Saison hatte er mit Partner Christoph Dieckmann sein erstes Weltserien-Turnier in Schanghai gewonnen. Nun bestätigte er diesen Sieg mit einem Doppelschlag, wie es ihn im Beachvolleyball noch nicht gegeben hat.
Trotzdem wird Klagenfurt für ihn Endstation gewesen sein auf der World Tour. Es gebe viele Dinge, sagt er, die ihm jetzt wichtiger seien als Beachvolleyball - der zukünftige Job, über das Wochenende mal Freunde zu besuchen, vor allem aber: die Familie. Im Herbst wird er seine Lebensgefährtin Martina heiraten, von September 2006 an will er als Mathematik- und Sportlehrer arbeiten.
Noch zwei große Auftritte
Daß er im Moment so erfolgreich ist wie nie zuvor, daß er, so sein Luzerner Finalgegner Patrick Kobel, „mit 38 Jahren immer noch besser wird“, daß er innerhalb von drei Tagen die versammelte Weltspitze geschlagen hat - all das ist schön und gut für Andreas Scheuerpflug. Ändern wird es an seinem Entschluß nichts. „Es gibt genug andere, die mit dem schwächsten Jahr aufgehört haben, und die sahen schrecklich frustriert aus“, sagt Scheuerpflug.
Die Gefahr droht bei ihm zur Zeit nicht. Zwei große Auftritte hat er noch geplant mit Christoph Dieckmann: die Europameisterschaft Ende August in Moskau und die deutsche Meisterschaft Anfang September in Timmendorfer Strand. Dort, in der Hochburg des deutschen Beachvolleyballs, wird er seine Karriere beenden. Unwiderruflich und „definitiv ohne Wehmut“. Das werden die Fans wohl anders sehen.