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Billie Jean King im Gespräch : „Merkel ist ein Vorbild für alle“

Ein Leben als Filmstoff: Emma Stone als Bilie Jean King, Steve Carell als Bobby Riggs. Bild: Imago

Der Schläger, den Billie Jean King beim „Battle of the Sexes“ nutzte, wird für 106.000 Euro versteigert. Im Interview spricht sie über Gleichberechtigung, den X-Faktor Steffi Graf – und warum Andy Murray ein überzeugter Feminist ist.

          Mehr als 120 Turniere, darunter zwölf Grand-Slam-Veranstaltungen, hat Billie Jean King zwischen 1959 und 1983 gewonnen. Ihr größerer Kampf aber galt der Gleichberechtigung von Mann und Frau. 1974 trainierte sie die Philadelphia Freedoms. Sie war damit die erste Frau, die verantwortlich war für ein professionelles Tennisteam, das sowohl aus Frauen als auch aus Männern bestand. Elton John widmete ihr 1975 mit „Philadelphia Freedom“ ein eigenes Lied. 1987 wurde sie in die Hall of Fame des Tennissports aufgenommen.

          Heute lebt Billie Jean King, die am 22. November ihren 74. Geburtstag feierte, mit ihrer Partnerin Ilana Kloss in New York und Chicago. Seit Ende November läuft der Spielfilm „Battle of the Sexes – Gegen jede Regel“ von Valerie Faris und Jonathan Dayton im Kino. Der Schläger, den King beim „Battle of the Sexes“ gegen Bobby Riggs benutzte, wurde am Mittwoch in New York versteigert. Der neue Besitzer zahlte bei der Auktion in New York 125.000 Dollar (etwa 106.000 Euro), wie das Auktionshaus Bonhams auf Twitter mitteilte.

          Mrs. King, der Kinofilm „Battle of the Sexes“, in dem es um Ihr Match gegen den ehemaligen Wimbledon-Sieger Bobby Riggs geht, begeistert die Kritiker. Was fühlen Sie, wenn Sie Ihren Kampf von 1973 noch einmal vor Augen geführt bekommen?

          Es fällt mir noch immer schwer, die Bilder von damals zu sehen. Diese Zeit in meinem Leben war so unglaublich aufregend, aber auch so aufwühlend und hart. Schon mit zwölf Jahren hatte ich mir geschworen, dass ich ein Leben lang für die Gleichberechtigung von Mann und Frau kämpfen werde, für Chancengleichheit und für Freiheit. Damals spielte ich Tennis in Long Beach, und alle, die dort waren, sahen gleich aus: weiße Haut, weiße Schuhe, weiße Socken, weiße Shirts. Wo waren all die anderen? Für sie wollte ich kämpfen. Tennis hat mir dafür eine Plattform gegeben, der Sport war ein Segen für mich und mein Anliegen. Und dieses Match gegen Bobby war der Traum meines zwölfjährigen Ichs.

          Etwa 30.000 Menschen saßen damals auf den Tribünen im Astrodome in Houston, neunzig Millionen sollen das Match am Fernseher verfolgt haben. Sie gelten seither als Ikone des Frauentennis.

          Mir wird sofort wieder bewusst, wie wichtig es für mich war zu gewinnen. Unmittelbar vor dem Match dachte ich an all die Menschen, die zusehen würden. Ich wusste, dass sie sehr emotional auf diese Begegnung reagieren würden. Es war eine Zeit, in der Frauen nur sehr restriktiv Zugang zu Bildung hatten, nur etwa fünf Prozent der weiblichen Bewerber schafften den Sprung nach Harvard. Es war damals nicht einmal selbstverständlich, dass Frauen Sport treiben. Auch das Frauentennis stand erst an seinem absoluten Anfang. Wir wollten es etablieren. Durch das Match von Bobby und mir ist das Geschlechterbild in den Vereinigten Staaten vollkommen neu definiert worden. Es ging deshalb an diesem Tag im September 1973 nicht nur um Tennis, es ging um sozialen Wandel.

          Der Original-Schläger von 1973 wechselte für 106.000 Euro den Besitzer. Bilderstrecke
          Der Original-Schläger von 1973 wechselte für 106.000 Euro den Besitzer. :

          Sie waren damals 29 Jahre alt, Bobby Riggs war schon 55. Der Druck, der auf Ihnen lastete, muss kaum auszuhalten gewesen sein. Was wäre passiert, wenn Sie das Match verloren hätten?

          Der Druck war immens. Dieses Spiel hat mich schon Wochen, ja Monate davor beschäftigt. Ich hatte Albträume. Bobby hatte immer wieder betont, dass er trotz seines Alters jederzeit in der Lage sei, die beste Tennisspielerin der Welt zu besiegen. Ein paar Monate zuvor hatte er gegen Margaret Court gespielt, die damalige Nummer eins im Frauentennis, und er hat sie 6:2 und 6:1 besiegt. Hätte ich auch noch verloren, dann wäre es eine große Enttäuschung gewesen, nicht nur für mich persönlich. Es wäre ein Rückschlag für die ganze Bewegung gewesen. Das Frauentennis hätte Sponsoren und Unterstützer verloren, eine Niederlage hätte uns Jahre gekostet.

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