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Baskets Bamberg : Zu groß für die Bundesliga, zu klein für Europa

Gruppenbilde mit Trophäe: Bamberg ist erfolgsverwöhnt Bild: dpa

Basketballmeister Bamberg will expandieren. Nur so können die Franken mit den aufstrebenden Bayern mithalten. Die europäische Spitze bleibt dennoch in weiter Ferne.

          In Bamberg läuft das Projekt Saudi-Arabien. Selbstverständlich hat es einen anderen Namen, doch wie am Golf geht es darum, sich vorzubereiten auf die Zeit danach. Früher als das Öl versiegt am Golf, könnte in der fränkischen Domstadt der Geldfluss abreißen, der dem Basketball-Klub dort einen phänomenalen Höhenflug ermöglicht. Sieben Mal hat Bamberg die Meisterschaft gewonnen in acht Jahren, neun Mal seit 2005. Immer steckte dahinter das Engagement des Automobilzulieferers Brose. Grund für das Sponsoring des Unternehmens, das auf vier Kontinenten 25.000 Menschen beschäftigt und mehr als sechs Milliarden Euro umsetzt, sind Sportbegeisterung und Ehrgeiz von Michael Stoschek. Seit er vom Vorstandsvorsitz an die Spitze des Aufsichtsrates gewechselt ist, nimmt er sich Zeit für seine Hobbys Reiten und Rallye. Und Basketball. Als es mit der Meisterschaft 2014 nichts wurde, übernahm er den ganzen Laden. Die Baskets wurden zu Brose Bamberg und spielen in der Brose Arena.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es ist Stoschek, der von der Zeit danach spricht. „Wir wollen den Basketball zukunftsfähig machen“, sagte er im August, „und das auch, wenn ich eines Tages das Amt als Aufsichtsratsvorsitzender abgebe oder die Firma Brose nicht mehr die Hauptlast der Finanzierung trägt“. Am 11. Dezember wird er siebzig Jahre alt.

          Auf ein in Deutschland bisher unerreichtes Niveau hat er seine Basketball-Unternehmung getrieben. Das belegen nicht nur Meisterschaften, Pokalsiege und respektables Abschneiden in der Euro-League, der exklusiven ersten Klasse Europas. Dafür stehen auch die personellen Verluste. Die reichsten Klubs der Welt rissen sich um Bamberger Spieler; Darius Miller und Daniel Theis sind in die Vereinigten Staaten in die NBA gegangen, und auch Nicolò Melli (Besiktas Istanbul), Fabien Causeur (Real Madrid) und Janis Strelnieks (Olympiakos Piräus) machten mit ihren Wechseln signifikante Einkommenssprünge. Mit den Amerikanern Daniel Hackett und Ricky Hickman, seinen namhaftesten Verpflichtungen, will Trainer Andrea Trinchieri das Niveau halten. Die Saison beginnt für Bamberg an diesem Freitagabend (20.30 Uhr) in Würzburg.

          Bayern soll laut Hoeneß eine neue Stufe erreichen

          Längst ist der Verein dem Rest der Liga enteilt. Allein der FC Bayern München, 2011 in die Bundesliga aufgestiegen und deutscher Meister von 2014, hält mit. Die Budgets nähern sich zwanzig Millionen Euro. Marco Baldi, Manager des einstigen Serienmeisters Alba Berlin, konstatiert, dass beide unabhängig vom Markt agierten. Bayern verfüge wegen seines im Fußball erworbenen Rufs, Bamberg dank seines Sponsors über dreimal so viel Geld wie die zweite Reihe Oldenburg und Ulm, Bayreuth, Ludwigsburg und Berlin.

          Zwar fließe kein Cent aus der florierenden Fußball-Abteilung zum Basketball, versichert Bayern-Präsident Uli Hoeneß. Doch nicht zuletzt dank seines persönlichen Engagements spielen Bayern-Gesellschafter wie Adidas, Allianz und Audi, Sponsoren wie SAP, Siemens und Telekom im Basketball mit. Bei der Verpflichtung neuer Spieler, verriet Hoeneß, sei der Klub sehr großzügig gewesen und habe Coach Aleksandar Djorjevic, dem serbischen Nationaltrainer, alle Wünsche erfüllt. Nicht nur erwarte er den Titel – mit der Nutzung der Halle mit 11.000 Plätzen, die Red Bull seinem Eishockey-Champion München bauen wird, solle Bayern-Basketball eine neue Stufe erreichen und auch international eine Größe werden.

          Das sind Töne, die Stoschek und seinem Team in der 70.000-Einwohner-Stadt Beine machen. Mit dem Gewinn der Meisterschaft würden die Bayern Bamberg auch den Platz in der Euro-League abjagen. Wer Hoeneß kenne, warnt Stoschek, der wisse, dass ihn Niederlagen wie im Meisterschaftsfinale 2015, in den Halbfinals 2016 und 2017 sowie in den Pokal-Endspielen der beiden vergangenen Jahre anstachelten. „Für uns stellt sich deshalb die Frage, ob wir auf Augenhöhe bleiben oder uns ergeben wollen.“

          Erfolgstrainer: Andrea Trinchieri
          Erfolgstrainer: Andrea Trinchieri : Bild: dpa

          Augenhöhe mit Bayern bedeutet: mehr Publikum, mehr Sponsoren, mehr Geld. Auf dreißig Millionen soll das Bamberger Budget wachsen. Für mindestens sechzig Millionen Euro, womöglich doppelt so viel, soll eine für die Euro-League taugliche Halle mit 10.000 Plätzen gebaut werden. Und vom Risiko, Jahr für Jahr in der Bundesliga um einen Platz in der ersten Klasse Europas zu spielen, will sich Bamberg befreien, indem der Klub eine A-Lizenz erwirbt. Sobald die Liga auf dem Weg, zur NBA Europas zu werden, seine Teilnehmerzahl auf achtzehn, zwanzig oder mehr Teilnehmer aufstockt, würde Brose Bamberg wie Barcelona und Real, Fenerbahce, Olympiakos, Panathinaikos und sechs weitere Klubs Miteigentümer der Liga werden. Dafür sollen rund fünf Millionen Euro bereitliegen.

          Mehr Geld aber will Stoschek nicht lockermachen. Für die Halle sucht er einen Investor, für die Aufstockung des Budgets Sponsoren. Und um größer zu werden, als das in Bamberg möglich ist – die Euro-League erwartet an ihren Standorten mindestens 200.000 Einwohner –, soll sein Klub die Metropolregion Nürnberg vertreten. „Um nicht auch noch die zweite Ballsportart nach München ziehen zu lassen“, verspricht Geschäftsführer Rolf Beyer, gelte es in Franken eine Allianz zu schmieden. Gegen die Umbenennung des Klubs in „Metro Nürnberg“ sind die Fans trotzdem auf die Barrikaden gegangen. Bayern München hat keinerlei Pläne, sich in die Euro-League einzukaufen. Entweder spielten sie dort als Meister, heißt es, oder mit Wild Card.

          Quelle: F.A.Z.

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