03.09.2006 · Die deutschen Basketballer unterlagen bei der WM in Japan im abschließenden Spiel um Platz acht Litauen mit 62:77. „Wir haben unser realistisches Ziel erreicht und können mehr als zufrieden nach Hause fliegen“, sagte Bundestrainer Bauermann.
Mindestziel erreicht, Medaille verpaßt: Die vom überragenden Dirk Nowitzki angeführten deutschen Basketballer haben die 15. Weltmeisterschaft in Japan auf Platz acht beendet. Das letzte Spiel ging am Sonntag vor 16.000 Zuschauern in der Super Arena von Saitama nördlich von Tokio zwar mit 62:77 (41:47) gegen Litauen verloren. Doch Bundestrainer Dirk Bauermann zog dennoch ein positives Fazit: „Wir müssen nicht enttäuscht sein und können mehr als zufrieden nach Hause fliegen.“
Im letzten Auftritt wurde die erste Fünf auf beiden Seiten über weite Strecken geschont. Nowitzki brachte es als bester Werfer des Deutschen Basketball Bundes (DBB) trotzdem auf 18 Punkte. Daneben steuerte Ademola Okulaja zehn Punkte bei: „Wir haben bewiesen, daß wir mit der Weltspitze mithalten können“, sagte der Kapitän. Beim Europameister von 2003 trafen Darjus Lavrinovic (18) und Linas Kleiza (16) am Besten. „Zwar konnten wir unseren Traum von einer Medaille nicht erfüllen“, meinte Bauermann, „doch mit dem Einzug in die Finalrunde der acht besten Mannschaften der Welt haben wir unser realistisches Ziel erreicht.“
Deutschland zählt zur „erweiterten Weltspitze“
Den deutschen Träumen von einem Platz auf dem Treppchen oder gar vom Titel wurden allerdings deutliche Grenzen gesetzt. Eine WM ist eben kein Wunschkonzert. Die vor allem dank NBA-Superstar Dirk Nowitzki Aufsehen erregenden Plazierungen der letzten Jahre - EM-Vierter 2001, WM-Dritter 2002 und Vize-Europameister 2005 - sind nicht beliebig wiederholbar. Deutschlands Korbjäger stagnieren auf hohem Niveau.
„Griechenland, Spanien, die Vereinigten Staaten und Argentinien waren absolut top und verdienten es, um die Medaillen zu spielen. Doch dahinter gibt es acht, neun Mannschaften, die zur erweiterten Weltspitze zählen. Da sind wir voll dabei“, meinte Bauermann und nannte Frankreich, Türkei, Litauen, Italien, Slowenien und den entthronten Titelverteidiger Serbien und Montenegro sowie überdies in Rußland und Kroatien zwei traditionelle Basketball-Nationen, die in Japan nicht am Start waren. „Mit denen sind wir auf Augenhöhe“, sagte der 48 Jahre alte Coach.
Traumziel Peking 2008
Die „unglaubliche Leistungsdichte und Weiterentwicklung“ (Bauermann) des europäischen Basketballs, der sechs der acht WM-Endrundenteilnehmer stellte, macht Bauermanns nächste Mission nicht leichter. Bei der Europameisterschaft 2007 (3. bis 16. September) in Spanien lösen nur die beiden Finalisten die Fahrkarte zu den Olympischen Spielen 2008 in Peking - dem Traumziel der Nowitzki und Co.
Zum Glücksfall könnte werden, daß der aus Europa kommende Weltmeister automatisch für Olympia qualifiziert ist und somit in Spanien mit hoher Wahrscheinlichkeit ein drittes Europa-Ticket vergeben wird. Vier weitere europäische Teams können sich dann noch Hoffnungen auf einen der drei restlichen Peking-Plätze machen, die bei einem Turnier von zwölf weltweiten Mannschaften unmittelbar vor Olympia ausgespielt werden.
„Ich lasse meine Zukunft offen“
„Die EM wird ein wahnsinnig schweres Turnier“, meinte Bauermann, dessen Superstar Nowitzki in Spanien erneut die Führungsfigur seines Teams sein soll, bevor diese endgültig ihren Zenit überschritten hat. Dies deutete sich schon in Japan an. Spieler wie Patrick Femerling oder Okulaja, den Bauermann neben Demond Greene und Steffen Hamann als einen der WM-Lichtblicke neben Nowitzki nannte, wollen noch Mal Großes erreichen.
Ergänzungsspieler wie Johannes Herber (23), Guido Grünheid (23) und Jan-Henrik Jagla (25) sammelten bei der WM internationale Erfahrung. Zu den EM-Kandidaten zählt Bauermann noch Stefano Garris, Misan Nikagbatse und Julian Sensley.
Das Unternehmen Olympia steht und fällt jedoch mit der Lichtgestalt Nowitzki, in dessen langen Schatten in absehbarer Zeit weit und breit kein nur annähernd adäquater Spieler sichtbar ist. Den 2000 und 2004 verpaßten Traum von Olympia will sich der 28 Jahre alte Würzburger von den Dallas Mavericks unbedingt erfüllen. „Dann mache ich erst Mal eine Pause“, sagte der offenbar unschlüssige Nowitzki, um seine „Auszeit“ gleich wieder in Frage zu stellen. Nowitzki: „Ich lasse meine Zukunft offen. Man soll niemals nie sagen.“