29.08.2010 · Damit hatte wohl kaum jemand gerechnet: Nach der unglücklichen Niederlage gegen Argentinien kämpfen die Deutschen bei der Basketball-WM Serbien nieder. Nach Verlängerung siegt das Team von Dirk Bauermann mit 82:81 gegen den EM-Zweiten.
Siegen gegen Serbien? Das war ein Traum. Vor Beginn der Basketball-Weltmeisterschaft. Am Sonntagabend erfüllte sich der Wunsch der deutschen Nationalmannschaft. Am Ende eines dramatischen Spiels, eines Krimis, in dem die Auswahl von Bundestrainer Dirk Bauermann von der ersten Minute an auf Augenhöhe mit dem Team der Basketball-Nation Serbien spielte, tanzten die Deutschen über das Parkett der Sporthalle von Kayseri.
82:81 hatten sie den EM-Zweiten 2009 nach zwei Verlängerungen geschlagen und dabei im doppelten Sinne besondere Reife bewiesen. „Das war mit Sicherheit der spektakulärste und größte Erfolg dieser jungen Mannschaft. Wie sie nach der knappen Niederlage gegen Argentinien zurückgekommen ist, das war beeindruckend“, sagte Bauermann.
Sechs-Punkte-Vorsprung schmilzt, reicht aber zum Sieg
Das jüngste deutsche A-Team in der Geschichte des Deutschen Basketball-Bundes (DBB) bei einer WM überzeugte mit Technik und Nervenstärke. Die Deutschen führten bis 22 Sekunden vor Ende der regulären Spielzeit (69:69) und wurden doch vom Ausgleich per Dreier schwer getroffen. Sie mussten eine Fehlentscheidung der Schiedsrichter in der letzten Sekunde der ersten Verlängerung (73:73) wegstecken, als Aufbauspieler Steffen Hamann (10 Punkte) beim Zug zum Korb gefoult wurde, aber keinen Freiwurf zugesprochen bekam.
Trotzdem erarbeiteten sie sich in der zweiten Verlängerung einen Sechs-Punkte-Vorsprung, der zwar schmolz. Aber die Kraft von Bauermanns Ensemble reichte dennoch für den vielleicht wichtigsten Sieg, seit sich der Cheftrainer um den Neuaufbau der Nationalmannschaft kümmert: Zum Selbstbewusstsein ist nun die Erkenntnis gekommen, auch gegen die Großen gewinnen zu können.
„Das gibt uns einen Schub, so ein starkes Team zu schlagen“
Es stimmt, den Serben fehlten zwei Stars, der Hüne Nenad Krstic aus der NBA und vor allem der Kopf des Teams, Milos Teodosic. Beide waren wegen der Schlägerei mit den Griechen bei einem Vorbereitungsspiel gesperrt worden. Aber die ebenfalls junge serbische Auswahl besitzt genügend Spieler, die über wesentlich mehr internationale Erfahrung verfügen.
Das macht den Sieg nach dem knappen 74:78 gegen Argentinien aus psychologischer Sicht so wertvoll: „Das gibt uns einen Schub, so ein starkes Team zu schlagen. Die haben schließlich Angola mit 50 Punkten geschlagen“, sagte Jan-Hendrik Jagla, der nicht nur der erfolgreichste deutsche Werfer mit 22 Punkten, sondern auch der beste Spieler auf dem Parkett war.
„Wir haben den Schritt gemacht, der uns letztes Jahr noch fehlte“
Er gilt als kompletter Profi mit seinen 2,11 Meter, seinem guten Wurf von nah und fern, seinem „Auge“ für die Mitspieler, seiner Stärke in der Verteidigung. Jagla stand am Sonntag symbolisch für ein variables deutsches Spiel: Treffsicher von außen, in der ersten Halbzeit vor allem dank Heiko Schaffartzik (14) mit seinen spektakulären Distanzwürfen; stark aus der Mitteldistanz über Demond Greene (15) und überzeugend mit überraschenden Pässen für die Center am Korb.
Allein beim Rebound (27:43) waren die Serben überlegen. „Wir haben den Schritt gemacht, der uns letztes Jahr noch fehlte“, sagte Jagla. Halten die Deutschen ihre Form, so sind Siege gegen Australien an diesem Montag (18 Uhr/Sport1) sowie gegen Angola und Jordanien zu erwarten. Dann stünde Platz zwei in der Gruppe A in Aussicht, was eine gute Chance wäre, das Achtelfinale zu überstehen. „Wir haben jede Minute an den Sieg geglaubt. Trotzdem dürfen wir jetzt nicht abheben. Der eine Sieg bedeutet noch gar nichts“, warnte Schaffartzik.